Vectoring

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Brückentechnologie bis zum Glasfaserausbau

Von Dr. rer. nat. Jürgen Kaack, STZ-Consulting Group

Seit Jahren folgen Breitbandausbauprojekte im ländlichen Raum dem gleichen Schema. Beihilferecht und Förderleitfaden legen die Prozessschritte der Durchführung mehr oder weniger fest. Kurz gesagt ist zunächst eine Befragung von Haushalten und Betrieben in den unterversorgten Gebieten erforderlich, um den Bedarf zu ermitteln (das Ergebnis ist allerdings nur als Anlage zum Förderantrag erforderlich, ansonsten ist die Erhebung unnötig). Dann folgt die Markterkundung, um Anbieter ausfindig zu machen, die bereits eine Planung vorliegen haben und in den nächsten 36 Monaten einen Ausbau ohne Zuwendungen beabsichtigen.

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Wenn sich kein Anbieter mit einem qualifizierten Konzept meldet, kann die Kommune Marktversagen feststellen und darf den Ausbau in den unterversorgten Gebieten ausschreiben. In der Regel könnte man sich auch das sparen: In den sieben Jahren, in denen STZ-Consulting nun schon Projekte zum Breitbandausbau betreut, meldete kein Anbieter während der Markterkundung ein qualifiziertes und nachhaltiges Ausbaukonzept, das ohne Zuwendungen hätte umgesetzt werden können. Die Markterkundung war im Grunde lediglich ein pro forma notwendiger Schritt vor der Ausschreibung.

Mit der Vectoring-Technologie haben sich die Spielregeln jedoch verändert. Eigentlich handelt es sich bei Vectoring „nur“ um eine Weiterentwicklung von VDSL, das nun eine effiziente Störsignalunterdrückung und Downstream-Geschwindigkeiten von bis zu 100 MBit/s bekommt. Vectoring schafft aber auch die Voraussetzung eines All-IP-Netzes, sodass man die das alte analoge Telefonnetz abschalten kann. Dies ermöglicht erhebliche Einsparungen bei den Betriebskosten und die Stilllegung einer Reihe von Ortsvermittlungsstellen, was wiederum eine neue Nutzung dieser Liegenschaften ermöglicht.

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Die STZ-Consulting Group ist eine Unternehmens­beratung, die Unternehmen und Kommunen bei der Bewältigung von Veränderungs­prozessen unterstützt, von der Entwicklung trag­fähiger Konzepte bis zur Um­setzung. Die Partner der STZ-Consulting Group haben lang­jährige Erfah­rungen aus eigener operativer Führungs­tätigkeit in Unter­nehmen, aus der Gründung und dem Aufbau von Unter­nehmen sowie in der Beratung. Ein Branchen­schwerpunkt liegt in der Tele­kommunikation.

Dr. Jürgen Kaack – STZ-Consulting Group, Kolibristr. 37, 50374 Erftstadt, Tel. 02235-988776, info@stz-consulting.de, www.stz-consulting.de.

Neue technische Möglichkeiten

Weitere Einsparpotenziale ergeben sich durch den Wegfall von ADSL- und VDSL-Port-Karten in den Verteilerschränken. Ein Wechsel von ADSL auf VDSL kann zukünftig remote in der Netzleitzentrale geschaltet werden, ohne dass ein Techniker vor Ort umklemmen müsste. Die bisher starr an die Versorgungs- und Zuführungsrichtung gekoppelte Vorwahlnummer wird zukünftig unabhängig, sodass der jeweils günstigste Weg zur Zuführung der Bandbreite genutzt werden kann. Vectoring bietet somit eine Reihe von unbestreitbaren Vorteilen für die Betreiber und es verwundert daher nicht, dass seit Ende 2013 alle neuen Bauprojekte in der für Vectoring nötigen MSAN-Technik (Multi-Service Access Node) ausgeführt werden. Es gibt bereits weitreichende Pläne, große Teile der Anschlussbereiche bis 2018 auf Vectoring umzustellen.

Eine Begleiterscheinung des Vectoring-Ausbaus ist, dass man nun jeweils einen gesamten Anschlussbereich betrachtet, anstatt wie bei ADSL und VDSL einzelne Kabelverzweiger. Nur bei Ausbau nahezu aller Kabelverzweiger (in der Regel 90 bis 95 %) ergibt sich der gewünschte Effekt und alle Kabelverzweiger erreichen den für eine Umstellung auf All-IP erforderlichen Wert von 16 MBit/s. Durch die Einbeziehung aller Kabelverzweiger eines Anschlussbereiches in die Wirtschaftlichkeitsbetrachtung werden auch solche Verteilerschränke überbaut, deren Umbau für sich alleine gesehen unwirtschaftlich wäre. Dies schließt auch Kabelverzweiger ein, die selbst bei Gewährung einer Beihilfe für sich alleine im laufenden Betrieb unrentabel wären.

Nachteile: Dämpfung und Remonopolisierung

Allerdings ergeben sich auch technisch bedingte Restriktionen. Zunächst bedingt eine höhere Downstream-Geschwindigkeit eine höhere Übertragungsfrequenz. Da Kupfer mit steigender Frequenz immer schlechter durchlässig wird, sinkt die Reichweite, innerhalb derer die maximale Geschwindigkeit erreicht wird von ca. 3000 m bei ADSL und ca. 1500 m bei VDSL auf nur noch 600 m bei Vectoring. In Ballungsgebieten mit verhältnismäßig kurzen Anschlussstrecken zwischen Verteilerkasten und Hausanschluss stellt dies meist kein Problem dar. Mit abnehmender Bevölkerungsdichte und längeren Strecken, was im ländlichen Raum eher die Regel als die Ausnahme ist, wird dieser Effekt jedoch als deutlicher Geschwindigkeitsverlust spürbar. Trotzdem ergibt sich in der Regel eine deutliche Verbesserung gegenüber der Situation ohne Vectoring-Ausbau.

Neben der höheren Dämpfung und sinkenden Reichweiten ergibt sich ein nicht unerheblicher Nachteil aus der Störsignalunterdrückung in einem mit Vectoring ausgebauten Anschlussbereich. Dann ist nämlich nur noch jeweils ein Betreiber in einem Outdoor-DSLAM vertreten; eine Kollokation im Kabelverzweiger ist bei Vectoring ausgeschlossen.

Um allen Anbietern weitgehend gleiche Chancen zu ermöglichen, führt die Bundesnetzagentur Listen, auf denen Netzbetreiber Kabelverzweiger für sich reservieren können. So können die Betreiber ihre Claims abstecken und die Kabelverzweiger exklusiv für sich nutzen. Für den Fall, dass ein Betreiber erst einmal großzügig Kabelverzweiger für sich reserviert, die er aus Kapazitätsgründen dann aber gar nicht zeitnah anschließen und überbauen kann, sieht die Bundesnetzagentur Pönalen in Höhe von 1000 Euro pro Kabelverzweiger vor, der nicht innerhalb von einem Jahr überbaut wird.

Ist dieses „Windhund-Prinzip“ für sich schon als Regulierungsinstrument ungewöhnlich, so kommt noch hinzu, dass man den Wettbewerb dadurch erschwert, dass anstelle des Nebeneinanderarbeitens mehrerer Netzbetreiber in einem Verteilerschrank das „Highlander-Prinzip“ tritt. Zwar ist Wettbewerb immer noch möglich, aber nur noch auf der deutlich unattraktiveren Bitstream-Ebene.

So führt Vectoring zu einer faktischen Remonopolisierung des Anschlussnetzes und bewirkt somit das Gegenteil eines intensivierten Wettbewerbs auf Grundlage des Prinzips des offenen Netzzugangs. Das ist auch der Grund dafür, dass Vectoring bislang nicht als zuwendungsfähig angesehen wird; konsequenterweise sollte dies auch weiter gelten.

Auswirkungen auf das Marktgeschehen

Infolge von Vectoring gibt es seit der zweiten Jahreshälfte 2013 vermehrt Markterkundungsverfahren, die ein Angebot für einen hochwertigen Ausbau nach dem FTTC-Ansatz (Fiber to the Curb) ohne Zuwendung suchen. Damit ist dann das Breitbandprojekt für das ausgeschriebene Gebiet erfolgreich beendet; Auswahlverfahren und Förderantrag entfallen und der kommunale Haushalt wird entlastet.

Das hat auch zur Folge, dass die Anbieter für einen Vectoring-Ausbau von den Kommunen nicht den Ausgleich einer Deckungslücke fordern können. In den letzten Jahren konnte man gerade bei länger laufenden Projekten häufig beobachten, dass bei ein und demselben Vorhaben die Deckungslücken mit geradezu faszinierender Geschwindigkeit gewachsen sind. Bei Projekten, die durch fehlende Feststellung des kommunalen Haushalts oder fehlende Fördermittel über die Bindefrist hinausgingen, lassen sich rechnerisch Steigerungsraten von 20 % pro Monat (!) ermitteln. Es ist daher eine gute und zu begrüßende Entwicklung, dass dieser Trend mit Vectoring zunächst beendet ist.

Auch bei Deckungslücken in Auswahlverfahren kommt es nun zu teilweise erheblichen Änderungen nach unten, die nicht nur den städtischen Haushalt erheblich entlasten, sondern auch den Ausbau in Gebieten ermöglichen, in denen ein großflächiger Ausbau vorher nicht möglich gewesen wäre. Ein Beispiel hierfür ist die Stadt Wegberg, wo der Ausbau sogar deutlich über die Beseitigung unterversorgter Regionen hinausgeht.

Dagegen hatten die engen Möglichkeiten im Rahmen des Beihilferechts und der Förderprogramme bislang Versorgungsflickenteppiche zur Folge, die gelegentlich die digitale Spaltung zwischen gut und schwach versorgten Gebieten sogar noch verstärkten. Da Kommunen nur für unterversorgte Gebiete mit weniger als 2 MBit/s eine Deckungslücke ausgleichen können, erreichten diese unter Umständen nach einem Ausbau 50 MBit/s, während die nicht unterversorgten Nachbarorte mit vielleicht 3 MBit/s auf dem alten Stand blieben.

Ob die Entwicklung schon einen längerfristigen Paradigmenwechsel im Breitbandausbau bedeutet, bleibt abzuwarten. Für die ländlichen Kommunen ist es von erheblichem Vorteil, wenn sich die beobachteten Effekte als Trendwende erweisen würden. Die fast überall klammen kommunalen Haushalte könnten entlastet und die letztlich aus Steuergeldern finanzierten Förderprogramme könnten zurückgenommen werden. Letztlich aber würde die Entwicklung erstmals zu einer in der Fläche homogeneren Versorgung und zum Abbau der digitalen Spaltung führen.

Wesentlich weniger positiv sind die Auswirkungen eines Vectoring-Ausbaus für kommunal oder privatwirtschaftlich finanzierte Vorhaben zum Aufbau von Glasfaseranschlussnetzen (FTTB oder FTTH). Der weitgehend flächendeckende Ausbau in einem Anschlussbereich sorgt dafür, dass kaum noch schwach versorgte Gebiete übrig bleiben, die für einen FTTB-Ausbau ein primäres Ziel wären. Mit der niedrigen Wechselbereitschaft sowohl von Privathaushalten als auch von Gewerbebetrieben fällt es einem neuen Infrastrukturbetreiber schwer, ausreichendes Kundenpotenzial zu gewinnen. Mit einer niedrigen Take-up-Rate verschiebt sich die Amortisation eines neuen Anschlussnetzes aber weiter in die Zukunft. Zudem sinkt auch das Interesse von Dienstebetreibern, sich bei einem solchen Anschlussbereich zu betätigen.

Zu beobachten ist daher, dass bereits begonnene FTTB-Projekte ins Stocken geraten, zeitlich gestreckt werden müssen oder keine Investoren mehr finden. Für die Geschwindigkeit des Aufbaus von Glasfaseranschlussnetzen, die für die Zukunft unumgänglich sind, könnte Vectoring also fatale Folgen haben – und dann später wieder den Einsatz erheblicher öffentlicher Mittel erfordern.

Argumentationshilfen für Kommunen

Grundsätzlich planen die Netzbetreiber den weiteren Ausbau aufgrund ihrer eigenen Kriterien, z.B. nach Einschätzung des Kundenpotenzials, aufgrund der Wettbewerbssituation oder der möglichen Einsparungen von Betriebskosten. Darauf haben die Kommunen kaum Einfluss. Sofern aber eine Kommune durch Eigeninitiative z.B. zeigt, dass ein besonders hoher Bedarf vorhanden ist, dass sie durch entsprechende Unterstützungsleistungen vonseiten der Verwaltung den Infrastrukturaufbau erleichtern oder beschleunigen kann, so hat dies möglicherweise Einfluss auf die Ausbauplanungen und -prioritäten.

Daher sollten sich die Kommunen vor dem Hintergrund des Vectoring-Ausbaus erst recht und mit vielleicht größeren Erfolgschancen mit der Breitbandversorgung auseinandersetzen und entsprechende Projekte starten. Sofern nach den bisherigen Aktivitäten zur Verbesserung der Grundversorgung mit mindestens 2 MBit/s noch „weiße“ NGA-Flecken mit weniger als 30 MBit/s verblieben sind, kann es Erfolg versprechend sein, eine öffentliche Markterkundung durchzuführen. Denn manche Netzbetreiber äußern sich erst dann zu den bestehenden Ausbauplanungen, wenn es eine öffentliche Markterkundung gibt. Nach wie vor gilt, dass eine Verbesserung der Breitbandinfrastruktur ohne Anstoß und aktive Bemühungen der Kreise und Kommunen dem Zufall überlassen bleibt.

Die Netzbetreiber stehen beim Vectoring-Ausbau im Wettbewerb zueinander. Nicht nur die Deutsche Telekom rüstet ihre Netze mit Vectoring auf, auch andere Betreiber wie z.B. NetCologne, EWE-Tel, VSE Net oder inexio nutzen die Technologie – allerdings kann es wie gesagt jeweils nur einen Vectoring-Betreiber in einem Anschlussbereich geben. Daher kann es sich für Kommunen lohnen, die verschiedenen Netzbetreiber direkt anzusprechen.

Ausbaubeispiele mit Vectoring

Bereits seit Mitte 2013 laufen Planungen und die Umsetzung von Vectoring-Vorhaben. Erste Netze wurden Anfang 2014 in Betrieb genommen. STZ-Consulting hat einige Kommunen bei den Ausbauprojekten begleitet.

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Thema: Breitbandausbau:
Dr. Jürgen Kaack hat eine Reihe von Projekten als Berater begleitet. Einige aus der Region Nordrhein-Westfalen stellt er ausführlicher als Best-Practice-Beispiele vor: Arnsberg, Ennepetal, Erftstadt, Erkelenz und Wegberg sowie die Lage im gesamten Kreis Heinsberg, ferner Geilenkirchen, Haltern am See, Kaarst, Nettetal und Rheurdt. Außerdem berichtet er von der T-City Friedrichshafen, erläutert die möglichen Geschäftsmodelle im kommunalen Breitbandausbau sowie die Optionen der NGA-Rahmenregelung und setzt auseinander, wo Vectoring seine Haken hat. Nicht zuletzt skizziert er die Prinzipien einer Breitbandstrategie NRW und macht handfeste Vorschläge für eine umfassende Breitbandstrategie. Seine gesammelten Erfahrungen sind 2016 in der Reihe MittelstandsWiki bei Books on Demand erschienen: „Schnelles Internet in Deutschland“ (Paperback, 220 Seiten, ISBN 978-3-946487-00-5, 9,99 Euro).

Ahlen

Die Stadt Ahlen mit knapp 52.000 Einwohnern führte 2011 ein erstes Breitbandprojekt durch, das die Verbesserung der Internet-Anbindung im Stadtteil Dolberg mit knapp 3500 Einwohnern (Vorwahlbereich 02388) und in zwei Bauernschaften zum Ziel hatte. Nach einem „klassischen“ Projektablauf konnte mithilfe von GAK-Fördermitteln ein VDSL-Ausbau vorgenommen werden, der 2013 zu einem erfolgreichen Abschluss kam. Für die beiden Bauernschaften konnte jedoch außer der Nutzung von Satelliten-DSL und einer Forcierung des LTE-Ausbaus kein wirtschaftliches Konzept für eine leitungsgebundene Lösung gefunden werden.

Nach dem Abschluss der Maßnahme für Dolberg rückten die Gewerbegebiete in den Fokus. Hier sollten Breitbandprojekte entsprechend dem Leitfaden für das RWP-Programm durchgeführt werden. So wurden nacheinander Befragungen und Markterkundungsverfahren für die fünf Gewerbegebiete Olfetal, Industriegebiet Ost, Kleiwellenfeld, Vatheuershof und Vorhelm-Bahnhof durchgeführt. Für alle fünf Gewerbegebiete konnte ein Ausbau ohne Zuwendungen vereinbart werden, der bis 2016 durchgeführt werden soll.

Die Kommune profitiert dabei von dem Vectoring-Vorhaben der Deutschen Telekom, die nicht nur die Gewerbegebiete mit MSAN-Technik ausbauen wird, sondern das komplette Vorwahlgebiet 02382. Im Fall von Vorhelm-Bahnhof zeigt sich allerdings das Problem der Signaldämpfung: Der Kabelverzweiger steht ca. 3 km entfernt, und es werden auch nach dem Ausbau voraussichtlich nicht mehr als 6 MBit/s im Downstream erreicht werden – ein sicher nicht zukunftssicherer Wert.

Somit verbleibt zukünftig nur noch ein kleines Wohngebiet im Stadtteil Vorhelm-Bahnhof mit einer unzureichenden Internet-Anbindung. Da dieses Gebiet aus einer anderen Richtung versorgt wird und mit 02528 eine andere Vorwahl hat, ist ein Eigenausbau durch die Telekom unwahrscheinlich. Für dieses Gebiet verbleibt nur der bisherige Weg eines VDSL-Ausbaus gegen Ausgleich einer Deckungslücke.

Bedburg

Seit Jahren ist eine Verbesserung des Internet-Zugangs ein erklärtes Ziel in Bedburg (knapp 23.000 Einwohner). So konnte für einige Ortsteile recht früh ein DSL-Ausbau erreicht werden. Die Versorgung des kleinen Ortsteils Pütz mit unter 150 Haushalten stellte schon eine größere Herausforderung dar. Hier ergab die Wirtschaftlichkeitsanalyse keine attraktiven Ergebnisse. Mithilfe eines WLAN-Netzes konnte 2012 aber auch in diesem Ortsteil die Unterversorgung beseitigt werden und es sind durch das Unternehmen Lanstream] derzeit auskömmliche 15 MBit/s verfügbar.

Es verblieben aber immer noch Teilbereiche mit einer Unterversorgung oder mit Bandbreiten knapp oberhalb davon. Die Stadt suchte daher aktiv Gespräche mit mehreren Betreibern, diskutierte und prüfte über längere Zeit in Workshops Alternativen. Schließlich waren die Bemühungen von Erfolg gekrönt und Anfang 2014 konnte gemeinsam mit NetCologne verkündet werden, dass das Stadtgebiet 2015 mit Vectoring aufgerüstet sein wird. Hierzu müssen 56 Kabelverzweiger mit Leerrohren angebunden und mit Multifunktionsgehäusen überbaut werden.

Zusammen mit dem Kabelnetz von Unitymedia werden große Teile im Stadtgebiet zu „schwarzen“ NGA-Flecken werden und für die nächste Zeit auskömmliche Geschwindigkeiten erhalten. Allerdings werden wohl viele Kunden hierfür den Anbieter wechseln müssen, da auch in Bedburg die Mehrzahl der Internet-Nutzer derzeit wohl über den Anschluss der Deutschen Telekom ins Netz gehen. Den schnellen Zugang gibt es dann zukünftig nur über NetCologne, oder, sofern heute schon verfügbar, über das Kabelnetz von Unitymedia.

Erftstadt

Erftstadt (gut 49.000 Einwohner) führte in den Jahren 2009 und 2010 ein Projekt zum Ausbau der Internet-Anbindung in fünf Ortsteilen und für ca. 15.000 Einwohner durch. Das bislang wohl immer noch größte GAK-Projekt in NRW (nach der Zahl der versorgten Einwohner) führte bis Anfang 2012 zu einem VDSL-Ausbau bis zu 50 MBit/s. 2013 wurde dann in einem Folgeprojekt der Ausbau in zwei Gewerbegebieten in Lechenich auf der beihilferechtlichen Grundlage des RWP-Programmes durchgeführt. In beiden Vorhaben erfolgte der Ausbau nach Gewährung einer Zuwendung und unter Einsatz von Eigenmitteln aus dem Haushalt der Stadt.

Nach der Fertigstellung in den Gewerbegebieten in Lechenich Anfang 2014 gab es in Erftstadt keine größeren unterversorgten Gebiete mehr. Unter der NGA-Perspektive verbleiben allerdings noch größere Gebiete und ganze Ortsteile als „weiße“ NGA-Flecken mit zum Teil deutlich weniger als 30 MBit/s. Um die digitale Spaltung im Stadtgebiet zu beseitigen, wurde im Frühjahr 2014 auf der Basis der neuen und derzeit immer noch nicht notifizierten NGA-Rahmenregelung eine Markterkundung durchgeführt. Dabei war von Anfang klar, dass ein mögliches Auswahlverfahren erst nach der Notifizierung durchgeführt werden könnte.

Allerdings ergab sich im Verlauf der Markterkundung, dass ein Vectoring-Ausbau möglich wäre, wenn auch voraussichtlich erst 2017. Da der Ausbau ohne Zuwendungen erfolgen wird, kann das Auswahlverfahren entfallen. Mit dem Abschluss der Infrastrukturarbeiten werden in Erftstadt überwiegend „graue“ NGA-Flecken entstehen, da ein Kabelnetz als alternatives NGA-Netz nur in Teilen von zwei Stadtteilen verfügbar ist; diese werden dann zu „schwarzen“ NGA-Flecken.

Der bis 2012 erfolgte VDSL-Ausbau mit GAK-Fördermitteln war vermutlich eine wichtige Voraussetzung für die nun angekündigte Aufrüstung, da im Zuge dieser Maßnahme 17 km Glasfaserleitungen verlegt wurden, davon 14 km in neuen Leerrohren. Gleichzeitig wurden 32 Kabelverzweiger mit Multifunktionsgehäusen überbaut. Die Aufrüstung in diesem Teil des Netzes kann jetzt ohne größeren Aufwand erfolgen.

Nettetal

Die Stadt Nettetal mit gut 41.000 Einwohnern hatte vor der Umsetzung des Breitbandvorhabens auch aufgrund ihrer Grenzlage eine eher schwache Versorgung mit maximal 16 MBit/s. Nach einer Analyse der Ausgangslage wurde ein zeitliches Stufenkonzept für die Umsetzung erstellt. Weil ein flächendeckender Ausbau mit Glasfaseranschlüssen in einem Schritt einen zu hohen Mitteleinsatz erfordert hätte, wurde mit Unitymedia ein rückkanalfähiger Ausbau des Primacom-Kabelnetzes vereinbart. Durch den Bau von Glasfasertrassen für den Anlauf durch die Stadtwerke Nettetal werden heute nahezu 90 % der Haushalte mit 150 MBit/s erreicht.

In den Gewerbegebieten wurden in der Vergangenheit keine Kabelnetze verlegt, sodass die Betriebe nicht von der Aufrüstung der Kabelnetze profitieren. Es war daher eine folgerichtige und nachhaltige Entscheidung, dass die Stadtwerke Nettetal sich für den sukzessiven Ausbau aller Gewerbegebiete mit Glasfaseranschlussnetzen entschieden. So wird über einen langen Zeitraum Zukunftssicherheit geschaffen und bereits zum Start sind symmetrische Dienste von 2 MBit/s bis 10 GBit/s verfügbar. Mit dem niederländischen Unternehmen Systemec B.V. wurde ein [[Joint_Venture|Joint Venture] gegründet, das den Betrieb des aktiven Netzes übernimmt und eine offene Plattform für Diensteanbieter betreibt. Geplant ist zunächst eine Ringleitung zur Verbindung der einzelnen Gewerbegebiete. In der ersten Phase werden mit einer Investition in Höhe von 1,3 Mio. Euro 40 km Glasfaserstrecken realisiert. Der Ausbau der ersten Gewerbegebiete und des Kabelnetzes war Anfang 2014 abgeschlossen.

Unabhängig vom rückkanalfähigen Ausbau des Primacom-Kabelnetzes und des Aufbaus eines FTTB-Netzes durch die Stadtwerke baut die Deutsche Telekom große Teile von Nettetal im Vorwahlbereich 02153 mit dem neuen VDSL-Vectoring-Verfahren auf der Basis der vorhandenen Kupferdoppelader aus. Mit Vectoring werden in Nettetal ab Ende 2014 in einem Umkreis von ca. 600 m um die aufgerüsteten Outdoor-DSLAMs Downstream-Geschwindigkeiten von 100 MBit/s erreicht. Weil dafür nahezu alle Kabelverzweiger mit Glasfaser angebunden und zu einem Outdoor-DSLAM überbaut werden müssen, profitieren davon auch die Randgebiete. Dies kann in Nettetal insbesondere den nicht von Primacom erreichten Teilen zugutekommen.

Allerdings ist auch hier die Dämpfung der Signale in Abhängigkeit von der Länge der Kupferdoppelader zwischen Outdoor-DSLAM und Hausanschluss zu bedenken. Zudem ist zu beobachten, dass die Akzeptanz neuer Glasfaseranschlüsse unter dem Angebot von Vectoring leidet und daher die Ausbaupläne für die Gewerbegebiete zeitlich gestreckt werden müssen. Für den FTTB-Ausbau hat sich Vectoring in diesem Fall als hinderlich erwiesen und hätte ihn vielleicht ganz verhindert, wenn die Ankündigung zum Vectoring-Ausbau früher erfolgt wäre.

Radevormwald

Die Stadt Radevormwald mit gut 23.000 Einwohnern und einer hohen Zahl einzelner Ortsteile beschäftigt sich schon seit 2010 mit Möglichkeiten zur Verbesserung der Breitbandversorgung. In einem ersten Schritt wurde 2012 eine Maßnahme nach dem GAK-Förderprogramm eingeleitet, die die Herstellung der Rückkanalfähigkeit im Kabelnetz von Unitymedia zum Ziel hatte und im Ergebnis nicht nur die bislang unterversorgten Wupperorte mit bis zu 150 MBit/s NGA-fähig machte, sondern auch die gesamte Kernstadt und insgesamt knapp 8700 Haushalte erreicht. Für die beiden Stadtteile Krebsöge und Wihelmstal konnte damals keine wirtschaftliche Ausbauoption realisiert werden.

Ermutigt von dem positiven Ergebnis und der positiven Resonanz in der Bevölkerung strebte Radevormwald eine Verbesserung der Internet-Anbindung für das Gewerbegebiet Ost an. Die 2013 nach dem RWP-Programm durchgeführte Markterkundung konnte erfolgreich abgeschlossen werden: Die Deutsche Telekom wird das Gebiet im Eigenausbau auf ein derzeit ausreichendes Niveau von 50 MBit/s heben. Damit ist das Gewerbegebiet nicht mehr unterversorgt und es werden keine Haushaltsmittel zur Umsetzung benötigt.

Dieser Schritt erfolgt im Zuge des Vectoring-Ausbaus für das gesamte Stadtgebiet bis 2016 und führt bereits 2014 zu einer Verbesserung für die bislang unterversorgten Ortsteile Krebsöge und Wihelmstal, die durch die Zuführung von Remscheid-Lennep schneller von der Umsetzung profitieren als die anderen Stadtgebiete; für sie wäre ein Ausbau noch Anfang 2012 unverhältnismäßig teuer geworden.

Für Radevormwald stellt die Breitbandversorgung somit für die nächsten Jahre kein Problem mehr dar. Dieses Ergebnis bestätigt die Tendenz der Betreiber, unterversorgte Gebiete mit Vectoring ohne Zuwendungen auszubauen. Es kann sich also für Kommunen lohnen, eigene Aktivitäten zu entwickeln und eine öffentliche Markterkundung durchzuführen, selbst wenn keine Haushaltsmittel zur Bedienung einer Deckungslücke zur Verfügung stehen!

Solingen

Solingen hat bei über 155.000 Einwohnern eine teilweise schwierige Topografie und eine verteilte Siedlungsstruktur. Zu Beginn des Projekts war die Breitbandverteilung äußerst heterogen. In den Kernbereichen etwa war die Abdeckung durchaus gut, teils mit bis zu 150 MBit/s; alleine durch die Kabelnetzversorgung wurden NGA-Quoten von über 75 % erreicht. In den nicht versorgten Gebieten an den Rändern und in kleineren Stadtteilen fiel die Versorgung allerdings erheblich ab, zum Teil lag sie mit weniger als 2 MBit/s unter der Grenze der Unterversorgung.

Ein Zwischenergebnis ist in Solingen nun mit dem Vectoring-Ausbau von fünf der acht Anschlussbereiche erreicht. Hierfür müssen 100 km Glasfaserleitungen neu verlegt und 153 Verteilerschränke zu Multifunktionsgehäusen überbaut werden. Dadurch erhalten weite Teile der Stadt, die bislang schon durch Unitymedia mit über 50 MBit/s NGA-fähig waren, einen weiteren NGA-Anbieter. Aus bislang „grauen“ NGA-Flecken werden somit „schwarze“, aber auch bislang schwach versorgte „weiße“ Flecken mit weniger als 30 MBit/s erhalten eine bessere Versorgung und werden zu „grauen“ NGA-Flecken. Es ist zwar nicht abzusehen, wann es in diesen Gebieten einen weiteren NGA-Anbieter geben wird, aber für Haushalte und Betriebe in den bislang schwach versorgten Gebieten stellt dieser Ausbau einen erheblichen Fortschritt dar.

Die schon vor dem Vectoring-Ausbau mit über 75 % gute NGA-Verfügbarkeit (> 50 MBit/s) steigt nach dem Ausbau in den fünf Anschlussbereichen auf über 80 % und liegt damit deutlich über dem Durchschnitt in Nordrhein-Westfalen (gut 69 %). Andererseits fallen die verbleibenden, nicht ausgebauten Anschlussbereiche relativ gesehen weiter ab, und es wird die Aufgabe der Verwaltung sein, dafür zu sorgen, dass auch in diesen Gebieten eine gute Versorgung erreicht wird. Eine tatsächliche Unterversorgung wird es aber nach dem Ausbau durch die Deutsche Telekom in Solingen kaum noch geben, die Quote wird voraussichtlich auf unter 2 % sinken.

Da auch Solingen nicht bei der Brückentechnologie stehen bleiben muss, sind weiterhin Konzepte für einen mittelfristigen Aufbau von Glasfaseranschlussnetzen zu erarbeiten. Im Hinblick auf die für heutige Bedürfnisse sehr gute aktuelle Versorgung kann dies investitionsschonend unter Nutzung aller Synergien erfolgen. Solingen hat als eine von wenigen Städten in Nordrhein-Westfalen seit Anfang 2014 einen eigenen Breitbandbeauftragten, der allerdings auch dringend erforderlich ist, um die langfristige Koordination zu ermöglichen und eine regelmäßige Abstimmung der beteiligten kommunalen Akteure untereinander und mit den Netzbetreibern sicherzustellen. Zudem hat der Gemeinderat am 13. Februar 2014 die Erstellung eines digitalen Gesamtkonzeptes beauftragt, das neben den erforderlichen Infrastrukturen auch das Diensteangebot betrachten soll (s. den Antrag an den Gemeinderat vom 29. Januar 2014).

Viersen

Die Stadt Viersen mit knapp 75.000 Einwohnern bemüht sich seit etlichen Jahren um eine Verbesserung der Breitbandversorgung in den Gewerbegebieten. Insbesondere bei zwei Neuerschließungsgebieten mit bislang schlechter Internet-Anbindung zeichneten sich Probleme bei der Vermarktung ab, wenn keine zeitgemäßen Breitbandgeschwindigkeiten erreicht werden. Aber auch aus Bestandsgebieten kamen dringende Wünsche nach höheren Geschwindigkeiten. Im Vergleich zu den Gewerbegebieten war die Versorgung in den Wohnbereichen bis auf zwei kleinere Ortsteile vergleichsweise gut, insbesondere durch eine weitreichende Verfügbarkeit durch den Kabelnetzbetreiber Unitymedia.

2011 und 2012 wurde ein erstes Projekt zur Verbesserung der Versorgungslage durchgeführt, das im Falle des Bestandsgebietes Mackenstein mit einer Aufrüstung von ADSL auf VDSL endete. Für die neuen Erschließungsgebiete sollte auf der Basis der Bundesrahmenregelung Leerrohre ein passives FTTB-Netz erreichtet und an einen Betreiber vermietet werden. Nach einem zunächst positiven Ausgang machte der Betreiber für die aktive Netztechnik jedoch einen Rückzieher und das Verfahren wurde Anfang 2014 mit einem Markterkundungsverfahren neu aufgegriffen.

Mit dem Ablauf der Markterkundungsfrist für die Gewerbegebiete in Viersen zeichnet sich auch in diesem Fall ein Eigenausbau der Breitbandinfrastruktur durch die Deutsche Telekom auf der Basis von Vectoring und ohne Zuwendungen der Stadt ab. Der Ausbau kommt dabei nicht nur den Gewerbegebieten zugute, sondern technologiebedingt dem gesamten Vorwahlbereich. Somit wird Viersen nach Abschluss des Ausbaus, der auf Wunsch der Stadt von 2016 auf 2015 vorgezogen wird, mit zwei leistungsfähigen NGA-Netzen fast flächendeckend zum „schwarzen“ NGA-Bereich. Auch die unterversorgten Ortsteile profitieren von dem Ausbau.

Das ursprüngliche Ziel, flächendeckender Glasfaseranschlussnetze ist damit jedoch hinfällig geworden. Da die Stadt Viersen nicht über eigene Stadtwerke verfügt, wird dieses langfristige Ziel schwieriger zu erreichen sein.

Wegberg

Mit 40 Ortsteilen bei knapp 28.000 Einwohnern zählt Wegberg zu den typischen ländlichen Mittelstädten. Es ist eine der ersten Städte im ländlichen Raum, die von der Deutschen Telekom mit Vectoring (fast) flächendeckend versorgt werden! In den Vorwahlbereichen 02431, 02434 und 02436 wurden bis zum Frühjahr 2014 bereits 37 km Glasfaserleitungen verlegt und über 80 Kabelverzweiger mit Multifunktionsgehäusen überbaut. 13.000 Haushalte können auf der Basis der MSAN-Technik sofort bis zu 50 MBit/s nutzen, nach der Vectoring-Freischaltung bis zu 100 MBit/s.

Neben den beiden mit Vectoring erschlossenen Vorwahlbereichen gibt es drei weitere Anschlussbereiche im Stadtgebiet; in zweien davon liegen noch unterversorgte Ortsteile. Noch vor der Deutschen Telekom war die Deutsche Glasfaser im Stadtgebiet tätig geworden. Aufgrund von wirtschaftlichen Erfordernissen beginnt die Deutsche Glasfaser aber erst bei einer Vorvertragsquote von 40 % mit dem Ausbau. In einigen der Pilotregionen wurde die Mindestquote bei der Vorvermarktung erreicht, in anderen wurde sie deutlich verfehlt. Im Vorwahlbereich 02161 wurde die Mindestquote erst recht spät erreicht und es ist offen, ob und wann ein Ausbau erfolgt. Ergänzend zum zuwendungsfreien Ausbau in den Vorwahlbereichen 02131, 02434 und 02436, die mit Vectoring ausgebaut werden, hat die Deutsche Telekom ein Angebot zum Ausbau mit Zuwendungen für die verbleibenden Ortsteile im unterversorgten Teil des Vorwahlgebietes 02461 abgegeben.

Das Ergebnis des Breitbandprojektes für Wegberg zeigt deutlich die Problematik eines Vectoring-Ausbaus: Zwar erreicht man in den ausgebauten Gebieten eine hohe Flächendeckung, aber es verbleiben angrenzend schwach versorgte Gebiete, in denen es zunehmend schwerer wird, eine ausreichende Versorgung zu erzielen. Auf jeden Fall ist und bleibt Vectoring eine Brückentechnologie und muss in 10 bis 15 Jahren durch ein leistungsfähigeres Glasfaseranschlussnetz ersetzt werden. Dieses entsteht in Wegberg zurzeit nur in einigen Ortsteilen, die von der Deutschen Glasfaser ausgebaut werden. In den verbleibenden Bereichen ohne FTTB-Netze wird es nun umso schwieriger, einen Anbieter zu finden, der auf privatwirtschaftlicher Basis einen Netzaufbau betreibt: Nach der Vectoring-Ankündigung der Deutschen Telekom stagnierten die Abschlussquoten für Glasfaseranschlüsse ganz offensichtlich. Das kann man zwar als kurzsichtig ansehen, ändert aber nichts daran, dass die zukünftigen Investitionen in ein Glasfaseranschlussnetz wohl überwiegend mit öffentlichen Mitteln erfolgen müssen.

Erfolgsfaktoren für einen Vectoring-Ausbau

Vectoring ist aufgrund seiner hohen Geschwindigkeiten und des erforderlichen fast flächendeckenden Ausbaus aus Sicht vieler Kommunen eine attraktive Option, um in einem überschaubaren Zeitraum zu einer sicheren NGA-Versorgung zu kommen. Falls es schon ein Kabelnetz gibt, werden diese Teile im Stadtgebiet zum „schwarzen“ NGA-Fleck, falls es kein Kabelnetz gibt, wird das versorgte Gebiet immerhin zu einem „grauen“ NGA-Fleck. Die Attraktivität der Kommune für Haushalte und Gewerbegebiete steigt auf jeden Fall.

Da der Vectoring-Ausbau bislang nicht zuwendungsfähig ist und sich in der Regel über kumulierte eingesparte Betriebskosten bei den Netzbetreibern amortisiert, schont ein Vectoring-Ausbau die Haushaltskasse der Kommunen.

Als Erfolgsfaktoren für die Gewinnung eines Netzbetreibers zum Vectoring-Ausbau können gelten:

  • Eigeninitiative der Kommune: Identifikation von vorhandenen Infrastrukturen, Ermittlung des Bedarfs und Bereitschaft zu einem beschleunigten Verfahren bei der Wege- und Standortsicherung;
  • Durchführung eines öffentlichen Markterkundungsverfahrens und aktive Bemühung um Gespräche mit den Betreibern;
  • Vorhandensein eines Kabelnetzes in größeren Teilen der Kommune: Es erhöht fallweise die Bereitschaft zum Vectoring-Ausbau, da so Wettbewerbsnachteile gegenüber VDSL ausgeglichen werden können;
  • Schaffung von Kommunikationsplattformen für die Betreiber;
  • Bereits durchgeführte Ausbauvorhaben: Modernisierte Teilnetze und Leerrohrtrassen reduzieren den Aufwand einer Umrüstung auf Vectoring.

Die rechtliche Grundlage für die Betätigung der Kommunen in den Bereichen „weißer“ und „grauer“ NGA-Flecken stellt derzeit noch die Bundesrahmenregelung Leerrohre dar, die nach ihrer Notifizierung die NGA-Rahmenregelung ablösen wird.

Da die Begehrlichkeiten aufseiten der Kommunen allgemein hoch sind, sollten einzelne Städte und Gemeinden die Chancen durch Eigeninitiative erhöhen. Für Kommunen mit einer schwachen, nicht NGA-fähigen Internet-Anbindung (< 30 MBit/s) kann sich Initiative und die Durchführung einer öffentliche Markterkundung als Minimallösung lohnen!

Fazit: Nachhaltig sind erst Glasfasernetze

Durch den Ausbau der Kabel- und Kupferdoppeladernetze mit Vectoring wird ein guter Zwischenstand erreicht: Geschwindigkeiten, die deutlich über den bisherigen Versorgungswerten liegen und den durchschnittlichen Bedarf für die nächsten fünf bis zehn Jahre voraussichtlich gut decken. Allerdings steigt das übertragene Datenvolumen seit Jahren ständig an, in Deutschland aktuell um jährlich 18 %. Gleichzeitig erfordern neue Anwendungen schnellere Zugänge und Cloud-Lösungen für Betriebe und Haushalte funktionieren am besten mit schnellen Upstream-Anschlüssen. Langfristig führt somit nichts an Glasfaserhausanschlüssen vorbei, die nahezu unbegrenzte Datenmengen fast verlustfrei transportieren. Kein Medium ermöglicht physikalisch eine schnellere Übertragung als das Licht.

Allerdings ist auch keine andere Breitbandtechnologie (außer dem Kabelnetz) mit so hohen Investitionskosten bei der Verlegung verbunden. Zum Netzaufbau von dem Glasknoten zu jedem Haushalt muss eine durchgehende optische Verbindung hergestellt werden. Glasfaseranschlussnetze benötigen hierzu eine eigene Infrastruktur aus Microduct-Leerrohren. Aufgrund der hiermit verbundenen Investitionskosten kann der Aufbau nur über Jahre verteilt und möglichst gemeinsam mit anderen Tiefbaumaßnahmen erfolgen. Weil die Voraussetzungen im Hinblick auf vorhandene Infrastrukturen, Topografie, Bodenklasse, Bevölkerungs- und Siedlungsstruktur sowie potenziellen Infrastrukturbetreibern (z.B. Stadtwerke) regional sehr unterschiedlich aussehen, sind jeweils individuelle Geschäftspläne und Planungen zu erstellen.

Der Vectoring-Ausbau und die bestehenden Kabelnetze mit ihren hohen Leistungen verschaffen den Kommunen als Brückentechnologien die notwendige Zeit, um den Netzaufbau unter Nutzung aller Synergien zu bewältigen. Bei einer frühzeitigen Planung und einem zügigen Beginn der Umsetzung kann man über einen Zeitraum von ca. 15 Jahren fast überall ein geschlossenes Netz schaffen. Das könnte dann auch der richtige Zeitpunkt für einen Umstieg auf Glasfaserhausanschlüsse sein.

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