Google Plus

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In der Cloud werden Einzelzimmer frei

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Von Gerald Strömer

Am 28. Juni 2011 startete der Suchmaschinenkonzern Google sein eigenes soziales Netzwerk: Google+, ein Projekt, dem die Internet-Gemeinschaft sofort massives Interesse entgegenbrachte. Trotz kleiner Pannen und Betastatus konnte Google+ vom Start weg explosives Wachstum verzeichnen.

Google+ ist von der Struktur her die mit Abstand ernsthafteste Konkurrenz zu Facebook und wurde vom Spiegel daher als „Facebook für Erwachsene“ tituliert. Und angesichts der Bedeutung, die Facebook mittlerweile auch im professionellen Umfeld hat, ist ein Konkurrenzprojekt des Unternehmens, das wie kaum ein anderes für das Internet als solches steht, automatisch interessant.

Intuitiv, medial und mobil

Also, was ist Google+ eigentlich? Im Kern besteht das soziale Netzwerk aus drei großen Modulen und einer Anzahl von Mobilfunktionen. Die drei großen Blöcke sind: Circles, Sparks und Hangouts.

  • Mit Circles kann man seine Kontakte in Gruppen einteilen und verschiedene Informationen nur mit bestimmten Freundeskreisen teilen.
  • Über die Funktion Sparks werden dem Anwender Informationen (Artikel, Videos etc.) präsentiert, die ihm aufgrund angegebener Interessen gefallen könnten.
  • Und Hangouts sind Gruppen-Videochats, zu denen man Mitglieder seiner Circles einladen kann.

Ähnlich wie bei Facebook kann man zudem öffentlich mitteilen, was einem gefällt – nur heißt das mittel zum Zweck hier +1, statt „Gefällt mir“-Button.

Das Projekt aufs Radar
Einen guten Über­blick über die von Google ver­öffent­lichten Demo­videos gibt es bei tom’s hard­ware, deutsch­sprachige Einzel­heiten zu den ein­zelnen Funk­tionen bei Google selbst. Und wer sich über neu­esten Ände­rungen – zur Er­innerung: das Pro­jekt ist mo­mentan noch in der Beta­phase – auf dem Lau­fen­den hal­ten will, tut das am besten bei den (englisch­sprachigen) Google+Release notes.

Senkrechtstart mit Handbremse

Noch ist Google+ im Vergleich zum seit Februar 2004 öffentlich zugänglichen Facebook, das 750 Mio. User-Konten zählt, natürlich ein vergleichsweise kleiner Fisch. Aber wenn der Reichweitenexperte Comscore trotz Registrierungssperre und Betastatus in nur drei Wochen rund 20 Mio. Nutzer zählt, dann spricht das für ein extremes Interesse an dem Projekt. „Ich habe noch nie so ein schnelles Wachstum gesehen“, sagte Andrew Lipman, Vizepräsident für Industrieanalyse bei Comscore. Die einzige Plattform mit vergleichbarem Wachstum sei Twitter im Jahr 2009 gewesen, „aber das passierte über mehrere Monate hinweg.“ Twitter hat heute 200 Mio. Nutzerkonten.

Dabei war Google+ bis Mitte September nicht einmal öffentlich verfügbar: Dem Projekt, das sich immer noch im Betatest befindet, konnte man nur auf Einladung beitreten, die Registrierung war vorerst geblockt. Man konnte sich lediglich auf einer Warteliste eintragen und warten, bis Google wieder einen neuen Schwung Neugierige an Bord holt. Damit soll laut heise online inzwischen Schluss sein.

Google-CEO Larry Page ließ am 14. Juli 2011 vermelden, dass er „sehr begeistert“ vom Erfolg von Google+ sei. Trotz der Einschränkungen der Testphase würden bereits über 10 Mio. Anwender das soziale Netzwerk nutzen und über eine Milliarde Meldungen pro Tag austauschen.

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Firmennamen verboten

Hat das Web also ein Spielzeug mehr? Oder ist Google+ betriebswirtschaftlich interessant? Beim Stand der Dinge ist die Antwort klar: Derzeit ist Google+ nur etwas für Privatanwender. Das liegt daran, dass Google den in den Community-Richtlinien hinterlegten Klarnamenzwang durchsetzt: Gleich zu Beginn wurden bereits Profile mit Pseudonymen und auch solche von Unternehmen und Medien gesperrt. Auf Kritik zum Klarnamenzwang – Pseudonyme sind immerhin eine der bewährtesten Traditionen im Netz – reagierte Google bisher eher zögerlich, schaltet aber gesperrte Profile auch schon wieder frei und deutet eine Kompromisslösung an.

Serie: Soziale Netzwerke
Teil 1 wird bei den Kon­takt­netz­werken vor­stellig und sagt, was die Pro­file für Fir­men bringen. Teil 2 lauscht dem Ge­zwitscher der Micro­blogging-Dienste und un­ter­sucht den Nutzen von You­Tube und Foto-Communities.

Google hat aber ebenfalls angekündigt, später spezielle Business-Profile einzurichten. Laut Christian Oestlien, Produktmanager für Google+, beschäftige sich bereits ein Team mit einem Angebot, das speziell auf die Bedürfnisse von Unternehmen zugeschnitten ist. Die Testphase soll mit einer kleinen Testgruppe von Partnern gestartet werden; für die breite Öffentlichkeit soll die Funktion noch 2011 live gehen.

Ein erstes YouTube-Video von Oestlien, zum Thema gab u.a. an, wie sich Unternehmen und Organisationen für die Testphase bewerben können. Nachdem aber zehntausende (!) Anmeldungen eingingen, entschied man sich aber bei Google, den Prozess zu beschleunigen und die initiale Phase für alle Unternehmen zu öffnen, wie Oestlien in einem weiteren Video mitteilte.

Fazit: Ob Google+ Minus macht

Vielleicht trifft Google+ tatsächlich insofern eine Marktlücke, als viele Neueinsteiger in Soziale Netzwerke (und das sind mit der stetig nachrückenden Jugend letztlich alle) bei Facebook & Co. bereits stark vorgeprägte Anstalten vorfinden, die sich oft genug an der Albernheitsgrenze bewegen. Auf jeden Fall bringt Google+ frischen Wind in den Markt und hat mindestens das Potenzial zu einem ernsthaften Konkurrenten für die beiden Platzhirsche.

Ob Google+ Facebook und Twitter als Unternehmenskommunikation in sozialen Netzen ablösen wird, sei dahingestellt. Möglich ist es. Denn der Verdacht, dass Google in seinen Trefferlisten solche Adressen nach oben hebt, die viele +1 bei Google+ bekommen, wird am Ende nicht auszuräumen sein. Also wird man womöglich „sicherheitshalber“ gleich bei Google netzwerken und fleißig +1-Knöpfe in die eigene Website kleben. Das alles wird aber u.a. davon abhängen, wie sehr Google+ selbst an Unternehmen interessiert ist und welches Geschäftsmodell es letztlich anvisiert. Und das dürfte am Ende direkt eher mit detailgenau geschärften Webnutzerprofilen zu tun haben, die sich, automatisiert zu treffsicheren Zielgruppen sortiert, vermarkten lassen. Dann wird es für die Wirtschaft interessant.

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