Grüne Logistik, Teil 1

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Die KfW belohnt Energiesparer

© thomaslerchphoto – Fotolia

Von Sabine Philipp

Wie aktuell Nachhaltigkeit gerade in der Logistik und Intralogistik ist, hat die CeMAT 2011 bewiesen, die unter dem Motto Sustainability in Intralogistics gestartet ist. Denn wer die Umwelt schont, tut nicht nur Gutes, sondern kann auch kräftig Geld sparen. Mitunter springt sogar eine finanzielle Unterstützung durch den Staat heraus.

Wo aber ansetzen? Die Liste der Möglichkeiten ist lang und es gibt es mehrere voneinander unabhängige Stränge: Der eine Faden versucht, Energie oder Rohstoffe einzusparen, ein anderer möchte die Transportwege verkürzen und wieder ein anderer die Prozesse effizienter gestalten. Dieser Beitrag stellt einige der Möglichkeiten vor und verrät am Ende, wie Sie die KfW-Mittelstandsbank bei der Umsetzung der grünen Vorhaben unterstützt.

Potenzial nach Kilometern

Wenn von grüner Logistik die Rede ist, fällt als Erstes der Gütertransport ins Auge. Hier lässt sich nicht nur durch verbrauchsärmere Fahrzeuge Treibstoff einsparen (für die es nebenbei bemerkt einen schönen KfW-Zuschuss gibt – Einzelheiten dazu wird Teil 3 dieser Serie ausführen). Auch mit kleinen Tricks wie einem optimalen Reifendruck und dem passenden Motoröl kann der nächste Tankstopp etwas in die Länge gezogen werden.

Einen guten Einblick in die Materie gibt der Praxisleitfaden „Grüne Logistik“, den LOGIS.NET, das Kompetenzzentrum für Verkehr und Logistik der Regionalen Innovationsstrategie (RIS) Weser-Ems in der Science to Business GmbH – Hochschule Osnabrück herausgebracht hat. Dort gibt es viele weitere praktische Tipps für Logistik- bzw. Intralogistikunternehmen, z.B. zur Vermeidung von Kälteverlusten beim Be- und Entladen.

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Schwarz auf Weiß
Dieser Beitrag erschien zuerst in unserem Magazin zur CeMAT 2014. Einen Über­blick mit freien Down­load-Links zu sämt­lichen Einzel­heften bekommen Sie online im Presse­zentrum des MittelstandsWiki.

Ein weiterer Punkt, den der Ratgeber aufnimmt, ist der so genannte kombinierte Verkehr. Die Idee dahinter ist die, dass die Ladung auf mindestens zwei Verkehrsträger verladen wird, um alle Vorteile optimal zu nutzen, z.B. die Flexibilität der Lkw und den einfacheren, Kraftstoff sparenden, stau- und mautfreien Transport von Schiff und Schiene – ein Konzept, in dem auch Diplom-Wirtschaftsingenieur Jan Heitkötter vom Bremer Institut für Produktion und Logistik GmbH (BIBA) an der Universität Bremen ein großes Potenzial sieht.

Alternativen zwischenschalten

Wie der kombinierte Verkehr in der Praxis aussieht, erläutert Heitkötter in einem Beispiel: „Ein Lkw holt die Ladung vor Ort ab und transportiert sie zum Bahnhof oder Binnenhafen. Anschließend wird sie auf das andere Transportmittel verlagert, das sie in die Nähe des Bestimmungsortes bringt. Dort wird sie wieder mit dem Lkw abgeholt und an den endgültigen Platz transportiert.“

Um zu berechnen, ob dieses Modell tatsächlich Ersparnis bringt, müssen nur wenige Parameter bedacht werden. Sie bestehen hauptsächlich in den Transport- und Verladekosten auf die Schiene und wieder zurück und in den Transportkosten auf Bahn oder Schiff. „In der Regel rechnet sich der kombinierte Verkehr ab einer Distanz von etwa 400–500 km“, sagt Heitkötter, der jedoch immer wieder feststellt, dass noch viele Firmen diese Option nicht wahrnehmen. Er vermutet, dass sie den damit verbundenen organisatorischen Aufwand scheuen.

Flexibel disponieren

Eine weitere Option, Lkw-Fahrten zu vermeiden, sind Frachtbörsen wie www.svg-frachten.de (auch zu diesem Thema findet man praktische Anwendungsbeispiele im Praxisleitfaden „Grüne Logistik“). Dabei schließen sich mehrere Unternehmen zusammen, die Waren in dieselbe Richtung verschicken möchten und deren Transporte nicht ausgelastet sind. Ziel ist es, dass statt zwei halb beladenen Fuhren nur ein voll bepackter Lkw über die Straßen fährt.

Serie: Grüne Logistik
Teil 1 geht auf die Straße und sieht sich die aktuellen Neuerungen für den Güterverkehr an. Teil 2 sichtet das Lager. Mit einheitlichen Standards, optimalen Abläufen und intelligenten Lieferketten ist es auf dem richtigen Weg. Teil 3 rechnet nach, wann sich innovative Technik lohnt, und sagt, wo Fördermittel warten.

Güterverkehr vermeiden kann auch der Einsatz von Kommunikationstechnologien (IuK), wie sie z.B. beim Projekt INWEST (Intelligente Wechselbrückensteuerung, gefördert durch das BMWi) eingesetzt werden. Heitkötters Kollegen Christian Gorldt und Patrick Dittmer konnten durch den im Projekt entwickelten Ansatz so auf bestimmten Strecken bis zu 10 % Verkehrsaufkommen einsparen.

„Bei INWEST wird, vereinfacht gesagt, ein Ortungssystem an einem Ladungsträger wie z.B. an einem Container und Wechselbrücken angebracht. Der übermittelt dann unabhängig vom Lkw u.a., was er wohin transportiert, wie stark er ausgelastet ist und wo er sich gerade befindet“, erklärt Gorldt. Dittmer erläutert die Vorteile: „Sie wissen, wo sich der Ladungsträger aktuell befindet und können z.B. voraussehen, ob er sich durch einen Stau verspätet und entsprechend disponieren. Gleichzeitig kann das System Disponenten, die auf der Wegstrecke der Wechselbrücke liegen, darüber informieren, dass gerade eine weitere Wechselbrücke in eine bestimmte Richtung unterwegs ist und noch über freie Kapazitäten verfügt.“

Praktisch kann das so aussehen: Ein Disponent in Kassel hat eine kleine Lieferung für einen Kunden in Frankfurt und erfährt, dass sich gerade ein Lkw in seiner Umgebung befindet, der in Richtung Mainmetropole fährt und noch genug Kapazitäten für seine kleine Lieferung frei hätte. Also wird der Lkw-Fahrer darüber informiert, dass er in Kassel halten und die Ladung aufnehmen soll.

Weil energieeffizientes Wirtschaften von effizientem Wirtschaften abhängt, widmet sich Teil 2 dieser Serie den Abläufen der Prozesskette und prüft nach, wo noch Luft drin ist.

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