Green Energy studieren, Teil 1: Was die Ingenieure der Nachhaltigkeit lernen

Die Energie­wende bringt neue Jobs und Berufe – vom Smart Energy Manager bis zum Umwelt­techniker. Auch der klassische Maschinen­bauer hat Chancen, wenn er ein Spezial­gebiet im Themen­feld Energie vor­weisen kann. Arbeits­plätze gibt es in der Wirt­schaft ebenso wie in den Kommunen und in der Forschung.

Maschinenbau, aber nachhaltig

Von Mehmet Toprak

Janina ist viel unterwegs und erstellt Gutachten über die Sicherheit von Windenergieanlagen. Johannes sitzt meist vor dem PC und entwickelt Fotovoltaikmodule. Matthias hat sich selbstständig gemacht und arbeitet als Energieberater. Drei fiktive, aber durchaus realistische Beispiele. Sie zeigen, dass es im Zeichen der Energiewende immer mehr spannende, sinnvolle, gut bezahlte und auf absehbare Zeit krisensichere Stellen gibt. Die Bekämpfung des Klimawandels erfordert Fachkräfte mit topaktuellen Spezialkenntnissen – und der Fähigkeit, über das technische Know-how hinaus auch ökologische oder wirtschaftliche Faktoren mitzudenken.

Wer den Weg zum Energiespezialisten beschreiten möchte, für den bieten viele Unis passende Studiengänge, und zwar nicht nur in Großstädten wie Dortmund, Köln oder Düsseldorf. Überall dort, wo eine Uni, eine Technische Hochschule oder eine Fachhochschule existiert, finden sich Bildungswege. Das Themenfeld Energie zählt zu den technischen Fakultäten, in denen auch Studiengänge wie Maschinenbau, Informatik und Elektrotechnik auf dem Programm stehen. Oft wird der Lehrbetrieb auch gemeinsam von der wirtschaftswissenschaftlichen und der technischen Fakultät unterhalten. Verfügbar sind die Studiengänge als Bachelor oder Master, aber auch als duales Studium oder berufsbegleitende Ausbildung.

Maschinenbau mit Energie­zusatz

Der typische Maschinenbau-Bachelor sieht so aus: Die ersten drei oder vier Semester bilden die Grundlagen aus Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Ingenieurswissenschaften. Danach wählen die Studierenden zwischen Vertiefungsschwerpunkten, also beispielsweise Werkstofftechnik, Computational Engineering oder eben Energietechnik. Ein Semester ist in der Regel als Praxissemester konzipiert. Manche Universitäten verlangen auch den Nachweis eines mehrwöchigen Praktikums oder erste berufliche Vorerfahrungen. Häufig verfügen die Hochschulen über eigene Labore, in denen die Studenten Projekte durchführen und erproben.

Der auf dem siebensemestrigen Bachelor aufsetzende Master beginnt in der Regel mit einigen Wochen, in denen Grundlagen aufgefrischt und intensiviert werden. Anschließend erfolgt die Vertiefung in Spezialgebiete, in der Hochschulsprache oft auch als „Modul“ bezeichnet. Das kann die Energiesystemtechnik sein, regenerative Versorgungstechnik oder auch das Management erneuerbare Energien. Egal, welches Modul oder welcher Studiengang: Ohne gutes Englisch geht hier gar nichts, da zahlreiche englischsprachige Fachtexte zur Lektüre zählen. Manche Unis bieten dafür spezielle Englischklassen an.

Studium in der Corona-Krise

Wer die Internet-Seiten der Hochschulen anklickt, stößt bereits auf der Startseite auf den immer gleichen Hinweis: Aufgrund der Corona-Krise startet das neue Semester zunächst mal nur online. Auch Bibliotheken sind meistens geschlossen, die Hochschulmitarbeiter im Homeoffice. Zu Redaktionsschluss war nicht klar, wann und unter welchen Umständen der gewohnte Präsenzunterricht wieder möglich ist. Der Lehrbetrieb dürfte sich in den folgenden Monaten aber langsam wieder normalisieren. Bewerbungen für das Studium sind selbstverständlich möglich.

Studien­gänge für Energie­techniker

Einige Hochschulen offerieren Studiengänge, die deutlich mehr sind als nur Maschinenbau mit Wahlmodulen für Energietechnik. Diese Studiengänge tragen häufig schon den Begriff Energie im Namen. Beispielsweise der Bachelor Energie und Umwelttechnik an der Hochschule Düsseldorf, der Master Energiemanagement in Bochum oder der Master Energiesystemtechnik an der Westfälischen Hochschule (Gelsenkirchen, Bocholt, Recklinghausen). Die Lehrpläne vermitteln solides Maschinenbau-Know-how mit einem starken Fokus auf das Thema Energie. Ein Abschluss à la „M.Sc. Energiewirtschaft & Informatik“ macht sich im Bewerbungsschreiben sicher gut.

Noch einen Schritt weiter gehen Hochschulen, die das Thema Energie interdisziplinär aufziehen. Hier geht es dann nicht um Maschinenbau plus Know-how in Energietechnik. Vielmehr handelt es sich um einen ganzheitlichen Ansatz, der ingenieurwissenschaftliche Qualifikationen mit Themen aus Wirtschaft, Ökologie oder Management verbindet. Beispiele hierfür wären der Master Energiewirtschaftsingenieurwesen an der Hochschule Niederrhein oder der Bachelor Smart Energy Management der Hochschule Rhein-Main an ihrem Standort in Rüsselsheim.

Serie: Green Energy studieren
Mehmet Toprak hat recherchiert, welche Hochschulen Studiengänge für angehende Smart Energy Manager, Umwelt­techniker etc. anbieten. Nach einer ersten Übersicht konzentriert sich Teil 1 dieser Serie auf Nordrhein-Westfalen und den Westen Deutschlands. Teil 2 nimmt sich dann die Studiengänge in Süddeutschland vor.

Campus und Firmen­kontakte

Solche Studiengänge stehen auch für einen Megatrend in Wissenschaft und Lehre, der durch die Herausforderung des Klimawandels noch verstärkt wird: weg vom Spezialisten, hin zum Generalisten. Auch im Berufsfeld Energie werden immer mehr Leute gesucht, die wirtschaftliche und ökologische Aspekte bedenken, dabei gleichzeitig tolle Ingenieure sind und idealerweise ein Spezialgebiet vorweisen können. Das kann Energiegewinnung aus Wasserstoff sein, Fotovoltaik oder auch nachhaltiges Gebäudemanagement. Die Liste der möglichen Spezialgebiete ist lang.

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Schwarz auf Weiß
Dieser Beitrag ist zuerst in unserer Magazin­reihe „IT-Unternehmen aus der Region stellen sich vor“ erschienen. Einen Über­blick mit freien Down­load-Links zu sämt­lichen bereits verfügbaren Einzel­heften bekommen Sie online im Presse­zentrum des MittelstandsWiki.

Noch umfangreicher als die Liste der Spezialgebiete fällt die der Jobs aus, die junge Menschen mit dem Bachelor oder Master in der Tasche antreten können. Manche ergeben sich sogar schon an der Uni. Die meisten Hochschulen verfügen über einen eigenen Forschungscampus oder arbeiten bei Projekten mit Unternehmen zusammen. Da könnte sich schon auf dem Campus eine Karriere als Wissenschaftler anbahnen oder der Kontakt zu einem Energieversorger aus der Region. Übrigens locken nicht nur Forschung und Industrie mit interessanten Jobs für Energiespezialisten, auch die Städte und Kommunen beschäftigen sich intensiv mit dem Thema. Gerade in unsicheren Zeiten steht der öffentliche Dienst für Stabilität.

Guter Verdienst

Auch das Einkommen stimmt: Nach Angaben des Webportals Ingenieur.de lag das Einstiegsgehalt 2018 in der Energiewirtschaft bei 48.000 Euro pro Jahr. Ein Projektingenieur verdient durchschnittlich knapp 56.000, Abteilungsleiter kommen sogar auf mehr als 99.000 Euro. Nur in der Automobilbranche landet noch mehr Geld auf dem Konto.

Angesichts der Unwägbarkeiten der Corona-Krise sind solche Angaben derzeit aber mit Vorsicht zu genießen. Sicher ist aber eines: Der Beruf des Maschinenbauers, der wie kein anderer für die Stärke Deutschlands in Wirtschaft und Technik steht, erreicht momentan eine neue Stufe. Auf den klassischen Maschinenbauer von einst folgte der Elektroingenieur, anschließend kam der Software-Ingenieur – und nun der Energiefachmann. Eine Aufwertung, die noch lange Zeit Bestand haben wird und beste Aussichten verspricht.

Green Energy boomt – Top-Studiengänge im Westen Deutschlands

Vom klassischen Maschinenbauer mit dem Schwerpunkt Energiemanagement über den Bachelor Energie- und Umwelttechnik bis hin zum Master Energiesystemtechnik – Studieninteressierte erwartet ein vielfältiges Angebot.

  • FH Aachen: Energiewirtschaft und Informatik (M. Sc.)
    Der Masterstudiengang auf den Campus Jülich beziehungsweise Aachen betrachtet das Thema Energie aus den Blickwinkeln Wirtschaft, Technik und Informatik. Durch Formate wie Laborarbeit, Planspiele oder Projektarbeiten soll Praxisnähe hergestellt werden. Mitgestaltet wird der Studiengang von der Stiftung Energieinformatik, hinter der wiederum zahlreiche Unternehmen stehen. Diese schreiben auch Projekte und Themen für Masterarbeiten aus. So besteht die Chance, schon frühzeitig Kontakt zu Firmen zu knüpfen. → https://www.fh-aachen.de/studium/energiewirtschaft-und-informatik-msc/
  • TH Bingen: Regenerative Energiewirtschaft und Versorgungstechnik (B. Sc.)
    Der Bachelor-Studiengang verspricht eine „ganzheitliche und interdisziplinäre Betrachtung“ des Themas. Der Praxisbezug soll dabei nicht fehlen. Deshalb steht ein betriebliches Praktikum in einem Unternehmen auf dem Programm, das von der Hochschule begleitet wird. Daneben steht ein zweiteiliger Sprachkurs Englisch for Engineers im Pflichtenheft. Den Studiengang gibt es auch als duales Studium. Der Abschluss qualifiziert beispielsweise zum Masterstudiengängen Energie-, Gebäude- und Umweltmanagement oder Energie-Betriebsmanagement, ebenfalls an der TH Bingen. → https://www.th-bingen.de/studiengaenge/regenerative-energiewirtschaft-und-versorgungstechnik/
  • Hochschule Bochum: Nachhaltige Entwicklung (B. Sc.)
    Der zulassungsbeschränkte Studiengang verfolgt ein anspruchsvolles Konzept. Im Mittelpunkt stehen „Aufbau und Funktionsweise von Ökosystemen, sozialen und ökonomischen Systemen sowie deren ethische Grundlagen und Veränderungsmöglichkeiten“. Neben den klassischen Grundlagen aus Wirtschafts- und Ingenieurswissenschaften nimmt das Studium deshalb auch sozialwissenschaftliche Themen in den Blick. Vertiefungen sind ab dem zweiten Studienjahr möglich, und zwar in den Bereichen Wirtschaftswissenschaft, Infrastrukturplanung und Flächenmanagement oder Ingenieurwissenschaften. → https://www.hochschule-bochum.de/nachhaltige-entwicklung
  • FH Dortmund: Elektrotechnik (B. Eng.)
    Die FH Dortmund integriert im Studiengang Elektrotechnik auch die Frage nach einer nachhaltigen Energieversorgung. Der siebensemestrige Studiengang enthält auch ein Praxissemester. Die FH bietet Interessierten einen dreiwöchigen Kurs zum Reinschnuppern an. Hier kann man sein Wissen in Mathematik, Physik, Chemie, Technisches Zeichnen und Technische Mechanik auffrischen. → https://www.fh-dortmund.de
  • FH Dortmund: Maschinenbau (B. Eng.)
    Die Maschinen-, Energie- und Umwelttechnik zählt zu den Schwerpunkten dieses klassisch aufgebauten Studiengangs. Die Wahl des Schwerpunkts findet ab dem 4. Semester statt. Das 6. Semester ist als 18-wöchiges Praktikum konzipiert. Voraussetzung für den Start in den nicht zulassungsbeschränkten Bachelor sind entweder eine zehnwöchige praktische Tätigkeit, ein mindestens halbjähriges Praktikum oder „einschlägige Berufserfahrung“. → https://www.fh-dortmund.de/de/fb/5/studangeb/mb/bm-studiengang-infos.php
  • Hochschule Düsseldorf: Energie- und Umwelttechnik (B. Eng.)
    Der dreieinhalbjährige Bachelor startet im ersten Semester mit einem praxisorientierten Projekt. Neben den Grundlagen aus Mathematik, Informatik und Ingenieurswissenschaften beschäftigt sich der zulassungsbeschränkte Studiengang auch mit Aspekten wie Wirtschaftlichkeit, Recht oder Projektmanagement. Zudem winkt ein fünfmonatiges Praxissemester in einem Unternehmen. → https://mv.hs-duesseldorf.de/studium/studiengaenge/bachelor-energie-und-umwelttechnik
  • TH Köln: Erneuerbare Energien (B. Eng.)
    Die TH Köln verfügt über Standorte in Köln, Gummersbach und Leverkusen. Der siebensemestrige Studiengang bietet nach dem ingenieurwissenschaftlichen Grundstudium mit Schwerpunkten wie Ingenieurmathematik, Technische Mechanik und Werkstofftechnik eine 20-wöchige Praxisphase in einem Unternehmen. Das Hauptstudium bringt die Vertiefung in Themen wie Windenergie, Photovoltaik, Bioenergie und regenerative Gastechnologie, Solar– und Geothermie sowie Energiespeicherung, Systemtechnik & Netze. Die Inhalte werden oft als anwendungsnahe Projekte organisiert. → https://www.th-koeln.de/studium/
  • Hochschule Niederrhein: Energiewirtschaftsingenieurwesen (M. Eng.)
    Der Masterstudiengang mit dem sperrigen Namen wendet sich an Studierende, die die Energiewende als ganzheitliche Aufgabe in Technik, Wirtschaft und Gesellschaft sehen. Passend dazu bearbeitet der viersemestrige Studiengang Themenfelder wie Energiepolitik und -recht, Energiemanagement und Energietechnik. Die Hochschule Niederrhein unterrichtet in Krefeld und Mönchengladbach. → https://www.hs-niederrhein.de/
  • Hochschule RheinMain: Smart Energy Management (B. Eng.)
    Der Studiengang am Standort Rüsselsheim ist eine Studienrichtung innerhalb des Bachelors Interdisziplinäre Ingenieurwissenschaften. Auf zwei Grundlagensemester, die für die Teilnehmer aller Studienrichtungen gleich sind, folgt eine Orientierungsphase. Die Semester vier bis sechs konzentrieren sich dann auf das eigentliche Kernthema Smart Energy Management. Der Studiengang verbindet die Fachrichtungen Maschinenbau, Elektrotechnik und Umwelttechnik. Ziel: Studenten sollen sowohl klassische Energietechniken als auch erneuerbare Energiesysteme planen und einsetzen können. → https://www.hs-rm.de/
  • Hochschule Trier: Energiemanagement (M. Eng.)
    Mit nur drei Semestern fällt der Studiengang auf dem Hauptcampus der Uni Trier sehr kurz aus. Alle Vorlesungen sind Wahlfächer, ein Pflichtprogramm in diesem Sinn gibt es nicht. Neben den Prüfungen sind zwei Projektarbeiten anzufertigen, wofür es jeweils zehn ECTS-Punkte gibt. Die Arbeiten müssen in den ersten zwei Semestern verfasst werden. → https://www.hochschule-trier.de/
  • Westfälische Hochschule: Energiesystemtechnik (M. Sc.)
    Die Westfälische Hochschule bildet in Gelsenkirchen, Bocholt und Recklinghausen aus. Der viersemestrige Masterstudiengang am Standort Gelsenkirchen ist sowohl wissenschaftlich als auch praxisorientiert. Absolventen sollen die Fähigkeit erwerben, „Innovationspotenziale in der Energiegewinnung, -umwandlung, -weiterleitung und -verwertung zu erkennen und nutzbringende technische Lösungen zu entwickeln“. Aufnahmevoraussetzung: ein mindestens sechssemestriges Studium in Elektrotechnik, Maschinenbau oder Versorgung und Entsorgung sowie Englischkenntnisse. https://www.w-hs.de/energiesystemtechnik-ge
  • Bergische Universität Wuppertal: Wirtschaftsingenieurwesen/Energiemanagement (M. Sc.)
    Der Masterstudiengang der Bergischen Universität Wuppertal verbindet energietechnische und wirtschaftliche Fragestellungen. Die Studenten werden zu Generalisten im Bereich Energie mit umfassenden Kenntnissen ausgebildet. Zu den Pflichtmodulen gehören Grundlagen der Elektrotechnik, regenerative Energiequellen, Controlling sowie Energie- und Projektmanagement. → https://www.zsb.uni-wuppertal.de/studieninfos/

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