Interview: Urs Tannò

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Interim-Manager sind keine Anfänger

Urs Tannò ist geschäftsführender Partner bei Top Fifty Interim Management am Standort Zug/Schweiz. Das Unternehmen vermittelt seit 15 Jahren erfahrene Führungskräfte, die für einen bestimmten Zeitraum weltweit Führungsfunktionen übernehmen oder Projekte über die Bühne bringen. Dabei handelt es sich oft um Unternehmen, die manövrierunfähig geworden sind, bei denen nach dem Weggang des Geschäftsführers ein Vakuum entstanden ist oder die für ein Projekt wie die Einführung neuer Software oder den Aufbau neuer Märkte gezielt Kompetenz einkaufen. Externe können dabei die bessere Wahl sein, denn, so Tannò, die Manager „haben Erfahrung, können die Dinge neutral betrachten und sie ehrlich angehen.“

Thema verpasst?

MittelstandsWiki: Ihre Manager werden häufig konsultiert, wenn sich ein Unternehmen in einer schwierigen Lage befindet. Gibt es auch Fälle, bei denen Sie nicht helfen können?

Urs Tannò: Ja, die gibt es dann, wenn wir in Sanierungsfällen zu spät gerufen werden. Und überall dort, wo dem Auftraggeber der Wille fehlt, die Dinge umzusetzen, die der Interim-Manager als wichtig erachtet. Aber da spielen wir nicht mit. Alibiübungen wollen wir nicht machen.

MittelstandsWiki: Wer sollte Sie als Alibi einsetzen?

Urs Tannò: Oft werden wir gerufen, weil ein Kreditgeber vom Unternehmen Taten fordert. Sonst gibt er kein Geld mehr. Beauftragt werden wir dann meist durch den Geschäftsführer.

MittelstandsWiki: Was qualifiziert Ihre Manager für diese Aufgabe?

Urs Tannò: Unsere Manager waren im Schnitt fast 15 Jahre lang in obersten Führungspositionen tätig. Sie haben Erfahrung, können die Dinge neutral betrachten und sie ehrlich angehen. Oft macht sich der unter Druck Stehende etwas vor. Der Interim-Manager hingegen kann die Situation neutral analysieren und erklären, welche Möglichkeiten offen stehen und welche nicht. Das kann schon eine Hilfe sein.

MittelstandsWiki: Wenn die Interim-Manager so qualifiziert und erfahren sind, warum führen sie dann kein eigenes Unternehmen?

Urs Tannò: Das tun sie doch. Sie haben eine Einzelfirma oder GmbH und bieten über dieses Unternehmen ihr Wissen an.

MittelstandsWiki: Aber welche Motivation steht dahinter?

Urs Tannò: Diese Leute müssen keine Karriere mehr machen, weil sie schon eine gemacht haben. Häufig sind sie über 50 Jahre alt. Sie können aus ihren Erfahrungen schöpfen und sich voll und ganz auf das Unternehmen und auf die Menschen konzentrieren. Ihre Motivation ist die Herausforderung, von Zeit zu Zeit in ein anderes Unternehmen zu gehen und ihr breites Wissen anzubringen und damit für das Unternehmen wichtige Aufgaben lösen, oft auch überlebenswichtige.

MittelstandsWiki: Nun gibt es unter den Interim-Managern sicher auch schwarze Schafe –

Urs Tannò: Schwarze Schafe würde ich nicht sagen. Es gibt starke und es gibt schwache Manager, die sich auf Aufgaben einlassen, die sie überfordern …

MittelstandsWiki: … und damit dem Unternehmen sehr schaden können. Wie sortieren Sie diese schwachen Manager aus?

Urs Tannò: In unserem Rekrutierungsgespräch fühlen wir den Leuten auf den Zahn. Von zehn Bewerbern kommen bei Top Fifty nur zwei bis drei ins Netzwerk. Wir setzen voraus, dass sie über Führungserfahrungen verfügen und auch schon erfolgreich so manche kritische Situation gemeistert haben. Es sind also keine blutigen Anfänger mehr. Wir legen auch Wert auf starke Persönlichkeiten, die sich trauen, dem Auftraggeber die Wahrheit ins Gesicht zu sagen. Und sie müssen auch schon Erfahrung als Interim-Manager gesammelt haben.

MittelstandsWiki: Es gibt aber sehr geschickte Blender.

Urs Tannò: Die auszusortieren ist natürlich schwierig. Aber in der Regel können sie die Maske nicht konsistent durchhalten. Natürlich prüfen auch unsere Kunden die Berater. Wir schlagen dem Kunden mehrere Manager vor, und er kann den besten auswählen.

MittelstandsWiki: Trotzdem wäre mir etwas bange, quasi wildfremden Menschen mein Unternehmen anzuvertrauen. Die Manager haben ja schon einige Befugnisse, die sie zum Schaden des Unternehmens nutzen könnten.

Urs Tannò: Wenn er Line-Funktionen, also Führungsfunktionen übernimmt, erfolgt das immer innerhalb bestimmter Richtlinien und im Rahmen eines Budgets. Es ist nicht so, dass er ganz neue Grundlagen schafft. Er wird natürlich schneller Entscheidungen treffen müssen, um rasch eine heikle Situation zu bewältigen, aber auch dabei wird er sich nur innerhalb der Richtlinien bewegen, die der Aufsichts- oder Verwaltungsrat bzw. der Geschäftsführer aufgestellt hat.

MittelstandsWiki: Dennoch hat er viel Einfluss. Wie kann ich sicher stellen, dass mich der Manager nicht betrügt und z.B. Gelder abzweigt?

Urs Tannò: Wissen Sie, er ist ein Unternehmer. Sein Ruf ist sein Kapital. Wenn der einmal zerstört ist, wird er keine weiteren Mandate mehr bekommen. Einmal ganz davon abgesehen, dass er nicht so einfach Rechnungen unterschreiben darf. Er ist in die Unterschriften- und Kontrollsysteme der Firmen eingebunden. Wenn er die hintergeht, muss schon eine große kriminelle Energie dahinterstecken.

MittelstandsWiki: Aber könnten nicht Loyalitätskonflikte auftreten, wenn der Manager gleich zwei konkurrierende Unternehmen betreut?

Urs Tannò: Das ist richtig. Deshalb achten wir darauf, dass er nicht gleichzeitig ein Konkurrenzunternehmen führt. In der Regel hat er ohnehin nur ein Hauptmandat, das er an drei oder vier Tagen pro Woche betreut und dann vielleicht noch ein Coaching. Wir verpflichten den Manager auch vertraglich, dass er während des Mandats und eine bestimmte Zeit danach nicht bei Konkurrenzunternehmen arbeiten darf.

MittelstandsWiki: Und wie geht die Trennung vonstatten?

Urs Tannò: Innerhalb von zehn bis 20 Tagen kann man das Mandat kündigen. Es ist vertraglich geregelt, dass der Manager danach alle Unterlagen abgeben muss.

MittelstandsWiki: Wo könnten sonst noch Konflikte auftreten?

Urs Tannò: Wenn die involvierten Personen unzureichend informiert werden, also bei einer schlechten Kommunikation und einer fehlenden Transparenz. Wir wurden einmal zu einer Firma gerufen, die fünf Jahre zuvor SAP eingeführt hat. Die Mitarbeiter haben es aber einfach nicht angenommen und weiter mit Word und Excel gearbeitet. Die Aufgabe des Interim-Managers war es dann, die Leute dazu zu bringen, mit dem neuen Programm zu arbeiten. Als sie dann die Vorteile und die Notwendigkeit erkannt haben, war es kein Problem mehr.

Ebenso verhält es sich bei geschäftskritischen Situationen. Ich freue mich jedes Mal, wenn unsere Leute es wieder einmal geschafft haben, eine kritische Situationen aufzulösen. Oft schaffen sie es, dass innerhalb kurzer Zeit wieder Ruhe, Vertrauen und Zuversicht in das Unternehmen einkehrt. Unsere Interim Manager können kurzfristig mobilisiert werden, arbeiten sehr effizient; und wenn die Arbeit getan ist, gehen sie ganz einfach wieder.

Das Interview führte Sabine Philipp.

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