Jobprofil CIO

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Der IT-Entscheider

© momius – Fotolia

Von Michael Praschma

Ob Kleinunternehmer, Mittelständler oder Weltkonzern: Die wachsende Bedeutung der Digitalisierung erfordert ein IT-Management, das längst die Grenzen der biederen alten EDV-Abteilung verlassen hat. Früher war die EDV quasi eines von vielen Organen im unternehmerischen Gesamtkörper. Heute ist daraus ein komplexes Nervensystem geworden, das alles durchdringt und permanent nach innen und außen interagiert. Das Jobprofil des CIO (Chief Information Officers) spiegelt genau das wider. Er muss sich den Herausforderungen der digitalen Transformation täglich stellen: Software-Innovation, Cloud-Technologie, Datenschutz, Cybersecurity, App-Nachfrage – das sind nur einige der Entwicklungen, die von außen auf die betriebliche IT einstürmen. Intern geht es um Vernetzung, Prozessoptimierung, Integration und vieles mehr. Das Ziel ist natürlich Effizienz: Die IT soll möglichst wenig Ressourcen verbrauchen und möglichst viel zum Unternehmenserfolg beitragen.

Von den Großen lernen

Auch in kleineren Unternehmen muss jemand diesen Job übernehmen – und wenn es die Bürokraft kurz vor Feierabend erledigt. Doch man braucht dafür dieselbe proaktive Denkweise, die den CIO im Großunternehmen erfolgreich macht: IT nicht als Klotz am Bein zu sehen, sondern als zentrale Ressource für die Zukunft des Unternehmens. Denn Probleme werden gerne verdrängt, und je kleiner der Betrieb, desto eher fallen Aspekte der IT unter den Tisch. Da hilft der Blick auf Erfolgs- und Katastrophenmeldungen aus der Welt der mächtigen CIOs bei Marktführern und Innovationsspitzenreitern. Was diese CIOs tun und wie sie es tun, dient nicht nur als Leitbild für Unternehmer, sondern genauso für alle Bewerber auf unterschiedlichste IT-Stellen.

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Schwarz auf Weiß
Dieser Beitrag ist zuerst in unserer Magazin­reihe „IT & Karriere“ erschienen. Einen Über­blick mit freien Down­load-Links zu sämt­lichen Einzel­heften be­kommen Sie online im Presse­zentrum des MittelstandsWiki.

Ein allgemein anerkanntes Berufsbild für CIOs gibt es freilich ebenso wenig wie eine Definition der erforderlichen Ausbildung, abgesehen von einigen Eckdaten: IT-Architektur (dazu zählt nicht nur Design, Auswahl und Integration der IT, sondern auch, erforderliche Innovationen auf dem Schirm zu behalten); IT-Services (hier geht es um den operativen Bereich); IT-Engineering (CIOs sind auch für die strategische Planung und Beratung des gesamten IT-Bereichs zuständig und leisten damit einen Betrag zur Gesamtentwicklung des Unternehmens). Die Systematik dieser Aufzählung ist nur exemplarisch; es finden sich ebenso ganz andere Strukturierungen wie auch abweichende Begriffe.

Best CIO 2017

Was können und was leisten die CIOs, die die Computerwoche und das CIO-Magazin regelmäßig – 2017 zum 15. Mal – aufs Podest stellen? Den jeweils ersten Platz in den Top Ten von Großunternehmen bzw. Mittelstand belegten Elmar Pritsch, CIO von Bosch, und Thorsten Pawelczyk vom westfälischen Recycling-Dienstleister Tönsmeier.

  • Elmar Pritsch (47), der alleine für das prämierte Gewinnerprojekt ein 75-köpfiges Team dirigierte (7500 Menschen gehören insgesamt zur internen IT), hat bei Bosch einen CDO an der Seite – „auf Augenhöhe“, wie Bosch-Chef Volkmar Denner betont. Pritsch ist hundertprozentig vom Fach: Diplom-Informatiker mit Promotion zum Thema „Flexible Zugriffskonzepte für verteilte Informationssysteme“; vor Bosch arbeitete er bei Planet Medica, Booz & Company (jetzt Strategy&), der Finanzgruppe GAD und dem Cloud-Anbieter CBS for Financial Industry.
    Seine Schwerpunkte sah er beim Antritt seiner Postion laut CIO-Magazin „in der Beschleunigung innovativer Projekte im Bereich des Internets der Dinge, der Industrie 4.0, und dem Ausbau des IT-Arbeitsplatzes der nächsten Generation.“ Aber auch die IT-Sicherheit und der Ausbau der internen Beratungskompetenzen seien ihm wichtig. Wenig überraschend, dennoch aufschlussreich: In Pritschs Äußerungen zu seinem Job taucht häufig das Wort „Vernetzung“ auf. Das bezieht sich nicht nur auf die Vernetzung digitaler Produkte etwa in der hauseigenen IoT-Cloud, sondern auch darauf, dass wechselseitiges Verständnis zwischen allen Spezialisten innerhalb der IT ebenso unabdingbar ist wie zwischen IT und anderen Bereichen. Einen scharfen Blick hierfür zu haben, ist eines der Beispiele dafür, dass CIO ein Job ist, der skalierbare Aufgaben vom globalen Konzern bis hinunter zum Kleinbetrieb umfasst.
  • Thorsten Pawelczyk (51), ebenso Diplom-Informatiker und bei Tönsmeier geschäftsführend mit 32 Leuten in der IT tätig, bekommt den CIO-Lorbeer bereits zum dritten Mal. Seine Spezialität scheint das Umkrempeln zu sein. Bereits bei seinem vorherigen Arbeitgeber, dem Küchenhersteller SieMatic, setzte er in mit einer Neuausrichtung der gesamten Systemlandschaft der IT „alles auf Anfang“. Bereits die Wettbewerbsjuroren 2012 lobten „den hohen Innovationsgrad und den starken organisatorischen ‚Impact‘ des Projekts sowie die konsequente Einführung, die eine erfolgreiche Änderung der internen Kommunikationskultur“ ermöglicht habe. – Auch hier war also wieder über technische Aspekte hinaus eine ganzheitliche Perspektive auf das Unternehmen erfolgskritisch.
    Bei „schwierigen Rahmenbedingungen“ (im Klartext: ein zwölf Jahre altes SAP-System, beendete IT-Partnerschaften, Not leidende Serviceverträge etc.), die Pawelczyk vorfand, startete er eine umfassende Digitalisierungsoffensive. Die Details lassen nicht nur auf einen offensiven Macher, sondern auch einen hochgradigen Auskenner schließen. Die Digitalisierung soll, der Laudatio zufolge, nicht zuletzt auch zur Aufwertung von Jobs und Aufgaben bei Tönsmeier geführt haben, was das Unternehmen als Arbeitgeber besser positioniert hat.

Spezialisten und Generalisten

Die beiden Beispiele machen deutlich, dass die Vorstellung eines vorwiegend vor dem Bildschirm hockenden, in Programmzeilen verliebten und autismusgefährdeten Computernerds nicht einmal den Rand dessen trifft, was von einem CIO erwartet wird – und zwar gerade dann, wenn er gar nicht so heißt, sondern als EDV-Beauftragter in einer mittelständischen Spedition sitzt.

Nachvollziehbar ist, dass zwar fundierte Informatik-Skills zur Ausstattung vieler CIOs gehören, aber ab einer gewissen Unternehmensgröße Führungs- bzw. Managementqualitäten stärker im Vordergrund stehen. IT-Spezialwissen wird zwar in Publikationen stets genannt und wohl auch vorausgesetzt. Es gibt aber Prominente CIOs ohne spezifische IT-Ausbildung, etwa Roland Schütz (Lufthansa Group; Physiker), Marcus Frantz (ÖBB, OMV; Dipl. Kaufmann, BA, Wirtschaftswissenschaften) oder Alexander Edelmann (Oetker, Hamburg Süd; Wirtschaftswissenschaften, Industrial Engineering). Selbstverständlich werden die Anforderungen aber umso fachspezifisch konkreter und damit auch praktischer, je kleiner das Unternehmen ist. Beim lokalen Pizzaservice wird es der Inhaber selbst sein, der als CIO fungiert. Aber kümmern muss er sich, und wenn es nur die Shop-Facebook-Seite und die Online-Bestellungen über seine Website sind, die gemeinsam mit der Newsletter-Datenbank ab 25. Mai 2018 fit für die Datenschutz-Grundverordnung sein müssen.

Na dann!

Und womit werden sich die mächtigen und die etwas bescheideneren CIOs demnächst beschäftigen müssen? Da wären maschinelles Lernen bzw. KI (künstliche Intelligenz) und VR (Virtual Reality), IoT-Vernetzung (Internet of Things), Datenschutz, Cloud-Technologien und als Dauerbrenner: digitale Transformation in Zeiten immer kürzerer Software Lifecycles. Natürlich auch noch Change-Prozesse bei laufendem Betrieb, Mobile Customer Experience usw. – die Aufzählung ließe sich noch um einiges ergänzen. Langweilig wird eine CIO-Karriere jedenfalls so bald nicht werden, ganz egal ob hinter der Kölner Ladentheke oder im Düsseldorfer Glaspalast.

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