Kuba, Teil 2

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Der Sozialismus wird Handelspartner

Von Sabine Philipp

Kuba ist bis heute eine zentralistisch geführte sozialistische Wirtschaft, in der die Politik Priorität hat. Das bedeutet: Handelspartner ist daher fast ausnahmslos der Staat bzw. staatliche Unternehmen, die z.B. die Waren für die Kaufhäuser zentral einkaufen.

Der Hauptansprechpartner ist dementsprechend in solchen Fällen das Ministerium für den Außenhandel (Ministerio del Comercio Exterior, kurz MINCEX). Es bestimmt u.a., mit wem deutsche Interessenten Geschäfte machen und wen sie einstellen dürfen.

Ein Land, zwei Währungen

Es gibt ein duales Währungssystem: Da wäre zum einen die einheimische Währung, die kubanischen Pesos. Sie werden an die Kubaner ausgezahlt und können nur in bestimmten Geschäften für eine übersichtliche Zahl von Gütern verbraucht werden. Zum anderen gibt es die konvertierbaren Pesos (CUC). Wer sie besitzt, dem stehen alle Geschäfte offen. Sie können sich das System wie die ehemaligen Intershops in der DDR vorstellen, in denen es für Westmark auch fast alles zu kaufen gab.

Für längere Zeit spielte außerdem der US-Dollar die Rolle einer inoffiziellen Drittwährung. Heute ist der Euro ebenso beliebt.

Auf Kuba aktiv werden

Um Geschäfte mit Kuba zu machen, ist es am einfachsten, wenn Sie einen der drei folgenden Wege gehen:

  1. kann man im Zusammenschluss mit dem kubanischen Staat oder einem Staatsunternehmen (Joint Venture) starten; wer ein Joint Venture gründen möchte, für den gilt das recht realistische Auslandsinvestitionsgesetz Nr. 77 von 1995 und die entsprechenden Ergänzungen.
  2. gibt es die Möglichkeit einer Arbeitsgemeinschaft (Asociación economica contractual). Das ist eine Vereinigung mehrerer Parteien, die gemeinsam ein vertraglich festgelegtes Ziel erreichen wollen. Sie wird gerne vor dem Abschluss eines Joint Ventures gegründet, um zu prüfen, ob die Chemie stimmt.
  3. Ausländische Unternehmen, die es ohne kubanischen Partner schaffen möchten, müssen eine Aktiengesellschaft gründen. Die Genehmigung dazu wird aber nur in Sonderfällen erteilt.
Tipp
Manche Firmen beauftragen mit Erfolg ihre Niederlassung in einem anderen Land der Region (z.B. in Panama) und pflegen von diesem Standort den kubanischen Markt.

Wer keine der drei oben genannten Betriebsformen gründen möchte, kann auch eine Handelsniederlassung eröffnen. Allerdings ist das mit vielen Komplikationen verbunden. So müssen Sie unter anderem Jahresumsätze im sechsstelligen Bereich vorweisen.

Reine Händler haben es übrigens generell sehr schwer, da die kubanische Regierung bestrebt ist, Zwischenhändler auszuschalten.

Nehmen, wer kommt

Wer Mitarbeiter einstellen will, muss die Leute nehmen, die von der staatlichen Arbeitsvermittlung geschickt werden. Die Arbeitsvermittlung bleibt nominell auch der Arbeitgeber, an den Sie die Lohnkosten in Devisen einbezahlen; sie gibt den Angestellten den größten Teil in Landeswährung aus. Offiziell verdienen die kubanischen Angestellten etwa 15 Euro pro Monat. Als ausländischer Investor müssen Sie aber pro Kraft etwa 1000 Euro leisten. Dafür bekommen Sie immerhin hochqualifiziertes Personal. Der gute Ausbildungsstand der Kubaner ist weltweit bekannt. Sollte man trotzdem mit der Leistung oder dem Verhalten der Leute unzufrieden sein, kann ein kubanischer Arbeitnehmer meist relativ problemlos durch einen anderen ersetzt werden.

Steuern steuern

Die Körperschaftssteuer beträgt 30 % des Jahresgewinns, wobei reinvestierte Teile des Gewinns abgezogen werden. Außerdem ist der Steuersatz für die ersten Jahre verhandelbar. Leider gibt es bislang kein Abkommen zur Vermeidung der Doppelbesteuerung mit Deutschland.

Fazit: Persönlich Kontakt suchen

Der wichtigste Ansprechpartner ist das Ministerio para la Inversión Extranjera y la Colaboración Económica (MINVEC), das man z.B. über die Webpräsenz www.cpi-minvec.cu erreicht. Noch besser ist es aber, persönlichen Kontakt zu den zuständigen Personen aufzunehmen. Die beste Gelegenheit dazu bieten Delegationsreisen und die Internationale Messe Havanna (FIHAV).

Serie: Kuba
Teil 1 skizziert, was Unter­nehmer auf Kuba erwartet, seit sich das Land vor­sichtig zu öffnen beginnt. Teil 2 erläutert, welche Möglich­keiten des wirt­schaft­lichen Engage­ments der Insel­sozialismus bietet. Teil 3 warnt schließlich vor den häufigsten Fehlern und typischen Gefahren­quellen.

Ein wichtiger Ansprechpartner vor Ort kann auch die deutsche Botschaft in Havanna sein. Da es auf Kuba keine Außenhandelskammer gibt, nimmt sie praktisch deren Rolle ein. Oder Sie wenden sich an den Lateinamerika Verein (LAV). Er organisiert Delegationsreisen und hilft bei der Kontaktanbahnung. Der Verein ist in erster Linie ein Unternehmernetzwerk. In dieser Funktion vermittelt er Kontakte zu deutschen Spezialisten für kubanische Finanzierungs- und Rechtsfragen sowie zu Unternehmern mit langer Kubaerfahrung und -präsenz. Daneben gibt der LAV einen Überblick über die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen und die Chancen und Risiken des Kubageschäfts.

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