LTE-Mobilgeräte, Teil 1

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Allein auf der Datenautobahn

Dr. H.B. Karcher

Von Dr. Harald Karcher

Der schnelle UMTS-Nachfolger LTE (Long Term Evolution) wird in Deutschland seit Dezember 2010 kommerziell ausgerollt. Inzwischen lebt bereits über die Hälfte der Bevölkerung in LTE-versorgten Gebieten. Die Deutsche Telekom und Vodafone haben schon milliardenteure LTE-Netze gespannt, o₂ folgt mit einigem Abstand. Einzig E-Plus bietet noch kein kommerzielles LTE. Insgesamt ist festzustellen: Kein anderes Mobilfunknetz wurde hierzulande so schnell ausgerollt wie LTE.

Zumindest bei den Smartphones haben die Netzbetreiber die Qualitätskontrolle stark in der eigenen Hand, weil sie die Handys zum großen Teil auch selber verkaufen und sie daher zuvor auf ihre Netzverträglichkeit hin überprüfen. Laptops dagegen werden nur zu einem geringen Teil über die Mobilfunker vertrieben. Daher müssen die Hersteller – oder die Anwender oder deren Systemberater – sich oft selber um die Abstimmung zwischen LTE-Netz und Endgerät kümmern. Die Tablets stehen irgendwo dazwischen; sie werden ebenfalls zum Teil von den Mobilfunkanbietern vertrieben und in diesen Fällen auch vom Provider optimal vorkonfiguriert.

LTE ist aber nicht gleich LTE, nicht weltweit und nicht einmal national: Grob gesagt gibt es zurzeit drei Speed-Gattungen im deutschen Feld: Auf dem Lande und in vielen Städten funkt LTE-800-MHz für Cat3-Endgeräte bis 50 MBit/s im Download. In über hundert großen Städten gibt es zusätzlich LTE-1800-MHz der Telekom für Cat3-Terminals bis 100 MBit/s. Außerdem werden seit Sommer 2013 auch schon erste LTE-Stationen auf LTE-Cat4 bis 150 MBit/s hochgerüstet.

Smartphones in der Führungsrolle

Bei den Highend-Smartphones gehört LTE-Cat3 bis 100 MBit/s schon fast zur Grundausstattung. Inzwischen sind die meisten Modelle auch in der Lage, alle drei deutschen LTE-Frequenzen bei 800, 1800 sowie 2600 MHz zu verstehen.

Im Herbst 2012 war das noch anders: Da kam z.B. das erste Apple iPhone 5 auf den Markt und verstand hierzulande nur das LTE-1800-Netz der Deutschen Telekom. Die LTE-Netze von o₂ und Vodafone waren und sind dem iPhone 5 bis heute verschlossen. Erst das neue iPhone 5s vom Herbst 2013 überwindet diese Grenzen: Es kann LTE mit o₂, Telekom und Vodafone. Allerdings ist auch das iPhone 5s noch auf LTE-Cat3 bis 100 MBit/s Download-Speed beschränkt.

Schnellere Smartphones mit LTE-Cat4-Modul bis 150 MBit/s sind ebenfalls schon lieferbar, etwa das Huawei Ascend P2 oder das Sony Xperia Z1. Mit dem Huawei P2 konnte der Autor schon im September 2013 satte Nettodownloads bis zu 121 MBit/s messen. Da war aber gerade kein weiterer LTE-Surfer in der Funkzelle aktiv. Die User müssen sich die Kapazität einer LTE-Funkzelle nämlich teilen.

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Schwarz auf Weiß
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LTE-Handy als WLAN-Hotspot für Laptops

Ganz anders sieht die Lage bei Tablets und Laptops aus. Da ist LTE noch nicht so stark verbreitet, obwohl man auf den größeren Geräten die Geschwindigkeiten eigentlich viel besser brauchen könnte als auf den vergleichsweise kleinen Smartphone-Displays, auf denen man kaum stundenlang umfangreichen Content produzieren möchte. Clevere User nutzen daher ihr schnelles LTE-Handy als WLAN-Hotspot und leiten die LTE-Power ihres Smartphones per WLAN an ihr Notebook oder Tablet weiter.

Ein Statement Martin Sasses von Acer zeigt exemplarisch den LTE-Rückstand der Tablets gegenüber den Smartphones: „Bei den Tablets haben wir gegenwärtig noch keine Modelle mit LTE im Programm. Diese Technologie bieten wir im Moment nur in unserem neuen Android-Smartphone Acer Liquid S2 an.“ Am Ende ist es wohl aber nur eine Frage der Zeit, bis LTE in vielen Smartphones, Tablets und Laptops genauso selbstverständlich ist wie heute schon WLAN.

Serie: LTE-Mobilgeräte
Teil 1 erklärt, warum es trotz ausgebauten Netzen hauptsächlich LTE-fähige Smartphones gibt: Weil die Netzanbieter auch gleich passende Handys vertreiben, aber kaum Tablets oder Laptops. Teil 2 sichtet den hiesigen Markt für LTE-taugliche Tablets und Laptops. Er sieht ganz ordentlich aus – aber nicht in Deutschland.

Viele Laptop- und Tablet-Hersteller haben sich in den letzten Jahren jedoch angewöhnt, mit Innovationen zu warten, bis Intel ihnen die fertige Lösung auf dem Silbertablett serviert. Zumindest LTE bringt Intel aber ziemlich spät. Zum Weihnachtsgeschäft 2013 kam die „nächste Generation des 22 nm Quadcore Intel Atom System-on-a-Chip (SoC) für Tablets mit 4G LTE Multimode für Android und Windows 8.1 auf den Markt“, wie Olaf Höhne von Intel sagte. „Die Intel XMM 7160 ist eine der weltweit kleinsten und energieeffizientesten Multimode-Multiband-LTE-Lösungen. Sie beherrscht auch das weltweite LTE-Roaming in nur einer Version des Produkts“, sagt der Intel-Technikexperte. Laut Nachfrage beim deutschen Pressesprecher Florian Ranner handelt es sich beim XMM 7160 noch um ein LTE-Cat3-Modul bis 100 MBit/s. Mittlerweile ist aber schon Cat4 bis 150 MBit/s angesagt.

Welche Laptops und Tablets mit LTE der deutsche Markt momentan hergibt, untersucht Teil 2 dieser Serie.

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