LTE-Netztest München 2015

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Reisende ab Flughafen haben Anschluss

Harald Karcher

Von Dr. Harald Karcher

Im Prinzip beherrschen die Mobilfunknetze seit Ende 2013 schon LTE-Cat6-Carrier-Aggregation mit 225 oder 300 MBit/s: o₂ z.B. vermeldete schon 2013 die Koppelung einer LTE-800-MHz-Zelle mit 75 MBit/s und einer LTE-2600-MHz-Zelle mit 150 MBit/s auf aggregierte 225 MBit/s am Standort München-Moosach zwischen o₂- und BMW-Hauptquartier. Einen Tag später verkündete auch Vodafone die gleichen Netzwerkkünste am Standort Dresden. Im Hintergrund nutzten beide Netzanbieter die Cat6-Netzwerktechnik von Huawei aus Shenzhen.

Mobilfunk-Maximum 2015: LTE-Cat6

Ein erster LTE-CAT6-Netztest des Autors in München, mit einem LTE-Cat6-Router-Prototyp, ebenfalls von Huawei, brachte schon im November 2013 tatsächlich über 200 MBit-Netto-Dauerdownloads aus der o₂-Mobilfunkluft – und zwar aus zwei echten Live-Kundenzellen, nicht aus Laboraufbauten. Inzwischen gibt es auch LTE-Cat6-fähige Endgeräte aus finaler Serienfertigung, zum Beispiel das Huawei Ascend Mate 7 oder mobile LTE-to-WLAN-Router von Netgear, wie sie auf dem Mobile World Congress MWC 2015 gezeigt wurden.

2014 verkündete auch die Deutsche Telekom erste LTE-Cat6-Zellen in Deutschland, aber gleich mit 300 anstatt „nur“ 225 MBit/s. Wie das? Die Telekom hatte bereits 2013 in über hundert deutschen Städten LTE-1800-MHz-Zellen bis 150 MBit/s ausgerollt. Aggregiert sie diese mit ihren (bislang noch seltenen) LTE-2600-MHz-Zellen, dann kommen in deren Überlappungszentrum in der Tat 2 × 150 MBit/s, sprich: 300 MBit/s brutto zusammen. Wie viele solcher LTE-Cat6-Zell-Überlappungen in deutschen Landen per Frühling 2015 tatsächlich schon den Datendurchsatz aggregieren können, bleibt ein Geheimnis der Netzbetreiber.

Teststrecke: MUC bis zum Ammersee

Zurück zu flächendeckenden Szenarien: Wir fahren schon seit Jahren mit aktuellen Highend-Smartphones in der Flughafenlinie S8 vom Airport München durch die Vorstädte Hallbergmoos, Ismaning, Unterföhring bis zum Münchner Ostbahnhof. Von dort führt die S8 via Hauptbahnhof und Hackerbrücke bis Pasing einmal quer von Ost nach West durch München. Danach fährt die Stadtbahn südwestlich der Bayernmetropole bis nach Herrsching an den Ammersee.

Abb02-KommRZ1.2015.ID02 Bahn.png Die S8 führt über mehr als 30 Bahnhöfe vom Airport München rechts oben über den Münchener Ostbahnhof bis nach Pasing im Münchner Westen. Von dort geht es zum Teil durch hügelig-idyllisches Gelände bis nach Herrsching, im Bild links unten. (Bild: Google Maps)

2015 hatte die gesamte Strecke schon 32 Bahnhöfe, teils oberirdisch, teils unterirdisch. Bei Messfahrten bis zum Sommer 2013 waren es noch 31 Bahnhöfe. Ein Vorteil dieser Teststrecke: Wir fahren auf den immer gleichen Schienen. So lassen sich die Messungen auch über Jahre hinweg gut vergleichen. Außerdem kann jeder Leser die Fahrt fast auf den Zentimeter genau nachvollziehen.

Auf dieser heterogenen Strecke trifft ein LTE-Handy auf alle relevanten Mobilfunkarten, von 2G alias GSM, GPRS und EDGE über 3G alias UMTS, HSPA und HSPA+ bis zu diversen 4G-Varianten alias LTE.

Natürlich ist die Strecke auch 2015 noch nicht lückenlos perfekt mit LTE versorgt. Just deshalb können hier sowohl die Smartphones als auch die Netzbetreiber beweisen, wie schnell und mit wie wenig Abrissen sie zwischen ständig wechselnden Mobilfunkarten der Gattungen 4G-3G-2G rauf- und runterschalten können.

Reality-Check 2013: Samsung Galaxy S4

Um den rasanten Fortschritt binnen weniger Jahre aufzuzeigen, blicken wir zunächst auf eine ältere Messfahrt zurück: Im Mai 2013 fuhren wir die S8-Strecke mehrmals mit drei baugleichen LTE-Endgeräten Samsung Galaxy S4 (Modell GT-I9505) ab. Darin steckten die jeweils schnellsten LTE-SIM-Karten von o₂, Telekom und Vodafone. Lediglich E-Plus hatte 2013 noch keine spürbare LTE-Versorgung im Großraum München, deshalb testeten wir die grünen Düsseldorfer damals noch nicht systematisch mit.

2013 bediente das Galaxy S4 den LTE-Funk laut Samsung-Datenblatt bei 800, 850, 900, 1800, 2100 und 2600 MHz. Somit wurden auch damals schon alle drei deutschen LTE-Netzvarianten bei 800, 1800 und 2600 MHz von einem guten Smartphone unterstützt. Findet das Galaxy S4 kein passendes 4G-LTE-Netz, dann schaltet es automatisch auf langsamere 3G-2G-Mobilfunkarten herunter.

Die drei baugleichen Samsung-Handys hatten beim Test 2013 in der S-Bahn identische Einstellungen (kein Energiesparmodus, Display-Helligkeit maximal, Display-Timeout 10 Min. etc.). Die Funksorten WLAN, Bluetooth, NFC und GPS wurden abgeschaltet, um die LTE-HSPA-UMTS-EDGE-Messungen in keiner Weise zu beeinträchtigen. Genau so haben wir dann auch im März 2015 getestet, nur eben mit jüngeren Modellen.

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Schwarz auf Weiß
Dieser Bei­trag erschien zuerst in unserer Magazin­reihe „Kom­munika­tion und Netze“ 1/2015. Einen Über­blick mit freien Links zu sämt­lichen Einzel­heften bekommen Sie online im Presse­zentrum des MittelstandsWiki.

o₂: Heftige Lieferschwierigkeiten

Auf der gesamten S8-Strecke fand das Samsung S4 mit eingesteckter o₂-SIM-Karte im Mai 2013 bei mehreren Rundfahrten und bei über 120 Messläufen an keiner einzigen Stelle ein voll funktionierendes 4G-Netz. LTE-Speed-Rekorde von 50 oder gar 100 MBit/s waren damit gleich mal ausgeschlossen. Immerhin meldete das LTE-HSPA-UMTS-EDGE-Handy fast durchwegs eine HSPA-Funkversorgung mit guter oder ausreichender Signalstärke.

Selbst mit HSPA könnte man damals, wie auch heute, im Prinzip weit oberhalb von 10 MBit/s mobil surfen – sofern auch die Funkbasisstationen schnell genug an das Kernnetz angeschlossen sind, der Provider den Internet-Hahn gut aufdreht und nicht zu viele User gleichzeitig in der gleichen Funkzelle surfen. Die Realität sah 2013 aber anders aus: Über die gesamte S8-Strecke kam das Galaxy S4 mit der o₂-SIM auf einen Download-Durchschnitt von 2,54 MBit/s, auf einen Upload von 0,87 MBit/s und auf eine durchschnittliche Ping-Zeit von superlahmen 658 ms. Großen Spaß macht das beim Surfen nicht. Für die E-Mail-Synchronisation im Hintergrund reicht dieser Speed jedoch voll aus, falls es bei der Post nicht auf jede Sekunde ankommt.

Bei drei von über 120 Messungen fand das Handy 2013 überhaupt kein Funknetz, auch kein 2G, und zwar südwestlich von München, zwischen Geisenbrunn und Weßling, also in hügeliger Topografie, kurz vor dem Ammersee. Bei 15 Messungen schaffte das Galaxy S4 mit der o₂-SIM den Ping-Download-Upload-Test entweder gar nicht oder nicht bis zum Ende. Ein solches „Einfrieren“ empfinden auch ganz normale Endverbraucher als störend, die sich ansonsten nicht bis ins letzte Detail dafür interessieren, ob ihr Handy nun gerade über 2G, 3G oder 4G betankt wird. Bei vielen weiteren Messungen tröpfelte 2013 zwar brauchbarer Datendurchsatz aus dem o₂-Netz, aber nur bei zwei Messungen kamen auf der gesamten S8-Strecke mehr als 10 MBit/s im Download, und zwar in den Münchener Stadtteilen Laim und Englschalking.

Serie: Digitale Infrastruktur
Die Einführung beginnt in Berlin und klärt die Rahmenbedingungen in Deutschland. Ein erster Regionalschwerpunkt widmet sich dann dem Westen und Nordrhein-Westfalen. Weitere Regionalreports konzentrieren sich auf den deutschen Südwesten und auf Bayern. Extra-Beiträge berichten außerdem über den Stand der NGA-Netze in Österreich und über die praktische, aber schwierige Mobilfunk-Dominanz in der Alpenrepublik.

Telekom: Zackig bis zum Ammersee

Mit der 100 MBit/s-LTE-SIM-Karte der Deutschen Telekom machte das mobile Surfen bis hinaus zum Dampfersteg in Herrsching fast durchwegs Spaß: Der durchschnittliche Download lag am 8. Mai 2013 bei satten 25,31 MBit/s. Der gemittelte Upload lag über die gesamte Strecke hinweg bei 4,89 MBit/s und auch die gemittelte Ping-Zeit fühlte sich mit nur 77 ms sehr zackig an.

An einer einzigen Messstelle, in hügeliger Lage bei Weßling, hatte das Galaxy S4 kurzfristig keinen Kontakt. An dieser und an vier weiteren Messstellen kam entweder gar kein Datendurchsatz zustande oder er riss mitten in der Messung ab. Allerdings fand das schnelle Samsung-Smartphone nach diesen kurzen Durchhängern immer wieder schnell in das rasante Netz der Telekom zurück.

An vielen Stellen kamen schon damals Downloads mit 30, 40, 50 oder 60 MBit/s. Im Stadtbezirk Bogenhausen, rund um die oberirdischen S8-Bahnhöfe Daglfing und Englschalking, kamen vereinzelt sogar Spitzenwerte wie 74,32 oder 79,87 MBit/s aus dem LTE-1800-Netz der Telekom – innerhalb der fahrenden (!) S-Bahn, wo das besonders schwierig ist.

Vodafone: Wie in der Achterbahn

Während das Galaxy S4 mit eingelegter Telekom-SIM-Karte 2013 bei über 120 Messungen nur neun Mal von 4G auf langsamere Mobilfunkarten herunterschalten musste, hatte das baugleiche Handy mit eingelegter Vodafone-SIM-Karte immerhin 15 Mal den Mobilfunkgang gewechselt. Außerdem fror das Handy 16 Mal mitten in einer Messung ein oder die Messung konnte gar nicht erst anspringen, davon fünf Mal mangels Funkkontakt.

Mit der o₂-SIM dagegen schaltete das S4 auf den S8-Rundfahrten überhaupt nie von 4G herunter, weil es mit o₂ auf der gesamten Strecke erst gar nie in ein LTE-Netz hochkam. Ansonsten war der Surfspeed mit der Vodafone-SIM anno 2013 erheblich besser als mit o₂: Nach gut 120 Messungen lagen der gemittelte Vodafone-Download bei 6,74 MBit/s, der Upload bei 3,19 MBit/s und die Ping-Zeit bei 190 ms.

Für einen Premium-Anbieter wie Vodafone war das Netz 2013 aber nicht mehr zeitgemäß. Vodafone hörte das damals überhaupt nicht gerne, hat aber trotzdem die Konsequenzen gezogen und seitdem jährlich 2 Mrd. Euro Extrabudget in die Netzmodernisierung gepumpt. Das war auch dringend nötig.

Die Telekom investiert und gewinnt 2013

Das rasante Netz der Telekom gewann unseren Test 2013 auf der S8-Gesamtstrecke haushoch. Das Netz von Vodafone konnte zwar einen passablen Durchschnitt dank etlicher Ausreißer nach oben optisch retten, eierte aber auch nach unten wie eine Achterbahn. Kein echter Spaß! o₂ dagegen zeigte 2013 beim mobilen Highspeed-Internet eine deutliche Diskrepanz zwischen PR-Proklamationen und gemessener Realität. Von E-Plus und Highspeed sprachen wir damals noch gar nicht. Die hatten es mit LTE noch nicht so eilig.

Erstaunlich war schon damals, dass die Telekom nicht nur in den modernsten 4G-Netzabschnitten, sondern auch in den älteren 3G-Segmenten oft satte Speed-Werte weit oberhalb von 10 MBit/s lieferte. Die Mobilfunkgenerationen 2G-3G-4G waren dort offenbar gut aufeinander abgestimmt und die Übergänge flutschten sehr geschmeidig. Nur drei Mal schaltete das Samsung S4 mit der Telekom-SIM auf das langsame 2G-EDGE herunter. Das noch viel lahmere 2G-GPRS kam via Telekom überhaupt nie aufs Display.

Nostalgiereisen mit EDGE
EDGE war und ist z.B. für all jene wichtig, die noch das schöne Uralt-iPhone mit dem massiven Chromrand haben: Im November 2007 kam dieses allererste Apple-Phone auf den deutschen Markt. Der schnellste Surfmodus war damals eben 2G-EDGE mit ca. 200 kBit/s. Nur die Telekom hatte damals schon ein sehr gut ausgebautes 2G-EDGE-Netz. Deshalb passte das iPhone, rein technisch gesehen, am besten zum Telekom-Netz. Schon Ende 2007 konnte der Tester damit auf der A8 von München bis zum Irschenberg im fahrenden Auto die neuesten Musikvideos via YouTube in brauchbarer Auflösung live aus dem Internet anschauen (natürlich nur als Beifahrer, nicht als Fahrzeuglenker).

Der souveräne Testsieg der Telekom 2013 hatte gute Gründe: Vermutlich hatte die Telekom auf unserer Strecke über 31 Bahnhöfe hinweg seinerzeit schon das mit Abstand meiste Geld in die schnelle LTE-Technik investiert: Der Telekom-Rollout war aufgrund der kleinen LTE-1800-Zellen pro Quadratmeter viel teurer als der Vodafone-Rollout mit den viel größeren LTE-800-Zellen. o₂ dagegen hatte per Mai 2013 auf unserer Teststrecke offenbar am wenigsten in LTE investiert und durfte sich nicht wundern, dass wir mit dem Samsung S4 keine besseren Messwerte bescheinigen konnten.

Reality-Check 2015: Apple, Huawei und LG

Zurück in die Gegenwart: Im März 2015 wiederholten wir den Testaufbau aus dem Jahr 2013 in fast identischer Versuchsanordnung, damit die Messergebnisse halbwegs vergleichbar bleiben. Allerdings hatten wir 2013 auch noch Positionen außerhalb der fahrenden Züge in die Durchschnittswerte eingerechnet, etwa den Dampfersteg in Herrsching oder den Marienplatz in München (oberirdisch). Diese Messpunkte außerhalb der fahrenden S-Bahn ließen wir 2015 weg und berechneten die alten Excel-Tabellen von 2013 neu, damit sie besser mit den reduzierten Messpunkten von 2015 zusammenpassen. (Wer also die alten Auswertungen von 2013 im Internet aufstöbert, wird dort marginal andere Durchschnittswerte finden.)

Im Gegensatz zu 2013 nahmen wir 2015 auch E-Plus in den Datendurchsatztest, weil die grünen Düsseldorfer seitdem auch LTE nennenswert ausgerollt haben. Gerne hätten wir auch wieder mit absolut baugleichen Smartphones getestet. Der Autor hatte die drei Galaxy S4 aber längst an die damaligen Leihgeber zurückgeschickt, musste 2015 also das nehmen, was er griffbereit hatte. Deshalb waren es im März 2015 vier ganz andere LTE-Phones, mit jeweils „ungebremsten“ SIM-Karten: ein Huawei Ascend Mate 7 mit einer SIM von E-Plus, ein LG G Flex mit einer SIM-Karte von o₂, ein Apple iPhone 6 Plus mit einer SIM der Deutschen Telekom und ein LG G3 mit einer SIM-Karte von Vodafone.

Abb03-KommRZ1.2015.ID02 Bahn.JPG Das innovative LG G3 bestückten wir für die Messfahrt im März 2015 mit einer SIM-Karte von Vodafone. Die zuvor noch via Bluetooth verkoppelte Google-Wear-Uhr Marke LG G Watch R entkoppelten wir vor der Messfahrt, um die Speed-Messungen und den Handy-Akku nicht mehr als nötig zu belasten. (Bild: Harald Karcher)

Das innovative LG G3 erhitzte sich im Test übrigens am stärksten und hatte auch als erstes Gerät einen leeren Akku. Dafür hielt das gebogene LG G Flex aus demselben Hause am längsten ohne Nachladen durch und wurde im stundenlangen 2G-3G-4G-Dauerstress nur handwarm. Die ebenfalls edlen Phones von Apple und Huawei lagen in puncto Hitzeproduktion und Akkulaufzeit zwischen den beiden Extremen von LG.

Netzvergleich: E-Plus, o₂, Telekom und Vodafone

E-Plus hat offenbar in aller Stille ein brandneues 4G-Netz vom Airport über den Ostbahnhof und Hauptbahnhof bis in den Münchener Westen ausgerollt. Nur im letzten Rest der Strecke Richtung Ammersee, bei Steinebach, Seefeld-Hechendorf und Herrsching, ging der Spaß am mobilen Surfen mit E-Plus in der fahrenden S-Bahn komplett auf null (!) herunter. Weitere E-Plus-Schwachpunkte befanden sich in den unterirdischen Bahnhöfen Unterföhring und Ismaning, wo ebenfalls auf das lahme 2G-EDGE zurückgeschaltet wurde. Das Huawei Ascend Mate 7 brachte mit der SIM-Karte von E-Plus in 13 % aller Messungen keinen Durchsatz zustande. Das lag wohl kaum am Handy, sondern am lückenhaften LTE-Netzausbau.

o₂ hat mittlerweile ebenfalls modernste 3G-4G-Versorgung in die Münchener S8-Bahnluft gebracht. Größere Durchsatzprobleme gab es nur noch rund um Harthaus, Geisenbrunn und Herrsching, also ähnlich wie bei E-Plus im landschaftlich schönsten Teil der Strecke. Das LG G Flex mit der SIM-Karte von o₂ schaffte in 4 % aller Messungen keinen Durchsatz.

Falls also E-Plus und o₂ künftig auch noch ihre 4G-LTE-Netze zusammenschalten sollten, könnten sie entweder nennenswerte Kosten in Technik und Betrieb einsparen oder den Mobilfunkservice schlagartig so massiv erhöhen, dass der Stand 2015 schon etwas verringerte Vorsprung der Telekom vielleicht sogar abschmelzen könnte.

Die Deutsche Telekom hatte schon 2013 das weitaus beste LTE-Netz und musste daher auch kaum nachbessern. Das Netz der Telekom war 2015 an einigen Stellen sogar etwas langsamer geworden, vermutlich weil inzwischen viel mehr LTE-User mit ihren iOS-, Android- und Windows-Phones nonstop in der S-Bahn surfen, mailen, chatten, facebooken oder videostreamen wollen. Das Netz war aber auch im März 2015 noch immer so üppig dimensioniert, dass es vom Airport bis zum Ammersee unterm Strich das stabilste und ausgewogenste Surfgesamterlebnis bieten konnte: Das Apple iPhone 6 Plus mit der SIM-Karte der Deutschen Telekom hat über viele Stunden hinweg keine einzige Messung verpatzt – und das in der fahrenden (!) S-Bahn.

Im Netz von Vodafone spürte man 2015 ganz klar die positiven Auswirkungen der bundesweiten Modernisierungsaktion mit jährlich 2 Mrd. Euro Sonderbudget. Das war für Vodafone auch dringend nötig, denn sonst hätte sowohl E-Plus als auch o₂ die Düsseldorfer locker auf den hintersten Platz verschoben, zumindest auf unserer Teststrecke im Großraum München. Stattdessen lag Vodafone 2015 in allen drei Messgrößen (Download, Upload und Ping) knapp hinter dem Gesamtsieger Telekom, allerdings auch nur noch knapp vor den LTE-Spätzündern E-Plus und o₂. Das LG G3 mit der SIM-Karte von Vodafone brachte nur in 3% aller Messungen keinen Durchsatz zustande.

Abb04-KommRZ1.2015.ID02 Bahn.png Download-Mittelwerte über die gesamte S8-Bahnstrecke per Mai 2013: E-Plus (grün) hatten wir mangels LTE noch nicht im Test; o₂ (blau) war mit 2,54 MBit/s nicht ganz im LTE-Zeitalter angekommen. Die Deutsche Telekom (magenta) hatte dank vieler schneller LTE-1800-Zellen mit 25,31 MBit/s einen überragenden Vorsprung. Vodafone (rot) hatte 2013 gerade ein tolles Sammelsurium von langsamen und schnellen Zellen. Der Schnitt von 6,74 MBit/s sieht besser als, als er sich anfühlte – im Ergebnis war das mobile Surfen eine echte Zumutung. Es gab 2013 nur einen haushohen Gewinner, auch angesichts der jeweils entsprechenden Upload-Messwerte und Ping-Zeiten: die Deutsche Telekom. (Bild: Harald Karcher)

Abb05-KommRZ1.2015.ID02 Bahn.png Download-Mittelwerte per März 2015: E-Plus (grün) holt sich mit seinem neuen LTE-Netz einen respektablen Schnitt von 13,53 MBit/s, vor allem durch die guten Einzelwerte im Streckenbereich vom Airport bis zum Münchner Westen. o₂ (blau) hat fast die gleichen Stärken wie E-Plus – sprich: vom Airport bis zum Münchner Westen – und fast die gleichen Schwächen auf dem Rest der Strecke: Das reicht gerade für den letzten Platz mit 12,95 MBit/s. Die Deutsche Telekom (magenta) hatte auch im März 2015 mit 17,62 MBit/s noch die Nase vorne. Dieses Netz war über die gesamte Strecke hinweg am stabilsten. Vodafone (rot) lag liegt 2015 mit 13,70 MBit/s nur um Haaresbreite vor den LTE-Spätzündern o₂ und E-Plus. (Bild: Harald Karcher)

Knapper Vorsprung für die Telekom 2015

Wer auf der Teilstrecke vom Airport bis zum Münchener Westen im Zug oft und gerne das mobile Internet benutzt, kann sich heutzutage getrost bei allen vier Netzbetreibern umschauen. Wer Mobilfunkdatenanschluss jedoch speziell im Bereich der südwestlichen Bahnhöfe bis hinaus zum Ammersee braucht, ist mit Telekom oder Vodafone vorerst noch besser bedient. Das stabilste Netz hatte auch im März 2015 noch immer die Telekom.

Last, but not least sei angemerkt: Mobiles Internet im fahrenden Zug ist für die Anbieter eine besondere Herausforderung. Hätten wir die gleichen Messungen außerhalb der Züge stationär auf den Bahnhöfen durchgeführt, dann wären in den meisten Fällen noch weitaus bessere Messwerte herausgekommen. Die meisten Großstadtmenschen sitzen aber sicher länger mobil surfend in den fahrenden Zügen als draußen auf den S-Bahnhöfen.

Fazit: Die Bilanz von zwei Jahren Netzausbau

Vergleichen wir die Messdaten vom Mai 2013 mit jenen vom März 2015, so haben sich die Netze von E-Plus, o₂ und Vodafone zum Teil drastisch verbessert. Nur die Deutsche Telekom hat sich in allen drei Kriterien (Ping, Download, Upload) leicht verschlechtert, was sie sich aber leisten kann, weil sie damit noch immer das beste Netz betreibt.

Für E-Plus können wir keine Verbesserungswerte angeben, weil wir die grünen Düsseldorfer mangels LTE-Relevanz im Mai 2013 noch gar nicht in den Test aufgenommen hatten. o₂ hat seine durchschnittliche Ping-Zeit auf unserer Teststrecke von superlahmen 658 auf passable 174 ms gesenkt. Den Download-Schnitt hat o₂ um satte 510 % von 2,54 auf 12,95 MBit/s gesteigert. Der o₂-Upload hat sich in den knapp zwei Jahren sogar um 557 % von 0,87 auf 4,85 MBit/s verbessert. Das war alles auch dringend nötig.

Die Deutsche Telekom hat sich zwischen Mai 2013 und März 2015 auf ihren wohlverdienten LTE-Lorbeeren ausgeruht, wenngleich auf einem sehr hohen Niveau: Der Ping ist von tollen 77 auf immer noch sehr gute 96 ms gefallen; der gemittelte Download-Schnitt von 25,31 auf 17,62 MBit/s; der Upload von 4,89 auf 3,26 ms. Das Netz der Telekom war dennoch nonstop sehr stabil, leistete sich keinen einzigen Verbindungsabriss und fühlte sich schlichtweg am besten an.

Vodafone hat seine durchschnittliche Ping-Zeit in knapp zwei Jahren von 190 auf 98 ms herunterbekommen. Der Download-Schnitt hat derweil um 203 % von 6,74 auf 13,70 MBit/s zugelegt. Nur der Upload hat marginal von 3,19 auf 2,98 ms nachgelassen. Falls die laufenden Modernisierungsaktivitäten der Vodafone-Netzexperten aus der Münchener Kastenbauerstraße in den nächsten Monaten noch weitere Verbesserungen auf die Schiene bringen sollten, muss sich die Deutsche Telekom bald etwas einfallen lassen, wenn sie den guten Ruf des besten Netzbetreibers auch weiterhin verteidigen will.

In jedem Fall bleibt es spannend. Denn eine Zusammenschaltung der bei Testschluss im März 2015 noch getrennten LTE-Netze von E-Plus und o₂ könnte die Anordnung auf dem Siegertreppchen bald komplett verändern.

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