Mit Spiele-Apps Geld verdienen

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Die besten Mobile Games leben von Werbung

Syda Productions

Von Sabine Philipp

Der kleine Vogel hat Maßstäbe gesetzt, und seinen Entwickler zu einem wohlhabenden Mann gemacht. Das simpel gestrickte Gratisspiel Flappy Bird war der Überraschungserfolg 2013/2014 – und ein Ansporn für viele Entwickler. Coups wie diese werden wohl auch weiterhin die Ausnahme bleiben. Aber die Chancen, mit Apps Geld zu verdienen, stehen nicht schlecht.

Der Digitalverband BITKOM hatte schon für 2014 prognostiziert, dass allein in Deutschland 717 Mio. Euro mit Apps umgesetzt werden – tatsächlich wurden es dann 910 Mio. Euro. Die Schätzungen für 2015 liegen bereits bei 1,3 Mrd. Euro. Das wäre noch einmal ein deutlicher Zuwachs von 41 % gegenüber 2014.

Vor allem Games sind offenbar beliebt. Laut BIU (Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware) sind unter den 20 erfolgreichsten Apps der verschiedenen Stores überwiegend Spiele. Wie der Verband unter Berufung auf GfK-Marktdaten mitteilt, wuchs der Markt für Spiele-Apps im Jahr 2014 um 153 % auf 263 Mio. Euro; mit dem Verkauf der Apps wurden 46 Mio. Euro umgesetzt, mit Mikrotransaktionen bei Free-to-Play-Spielen 217 Mio. Euro.

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Der Store behält sich 30 % für die Abrechnung

„Bei dem Modell Free to Play ist das Spiel selbst kostenlos. Der Spieler muss aber für verschiedene Dinge wie z.B. Ausrüstungsgegenstände oder weitere Kapitel Geld bezahlen“, erklärt Thorsten Rendel, Partner Business Evangelist Mobile Gaming bei Microsoft. „Die Preise für In-App-Käufe beginnen in Regel bei 99 Cent, allerdings sind nach oben kaum Grenzen gesetzt. Es gibt Entwickler, die In-App-Käufe für 99 Euro anbieten – und die auch gekauft werden“, sagt Rendel. „Das sind aber eher Ausnahmeerscheinungen und nur bei einer entsprechenden Userbase möglich.“ Beim App-Verkauf kommt der Games-Verband BIU auf einen Durchschnittspreis von 3,83 Euro. In Anbetracht solcher Kleckerbeträge stellt sich die Frage, wie ein kleiner Entwickler diese kassieren kann, ohne einen Großteil für die Verwaltung auszugeben.

„In der Regel bieten die größeren Plattformanbieter wie Google, Apple, Microsoft oder Amazon die Abwicklung als Serviceleistung an. Dafür verlangen sie gewöhnlich 30 % der Einnahmen. In diesen 30 % sind dann auch die Kosten für diese Mikrotransaktionen enthalten“, erklärt Rendel. Dabei kann der Entwickler entscheiden, welche Zahlungsmöglichkeiten er anbieten möchte. In der Regel sind das PayPal, Kreditkartenzahlung oder das sogenannte Operator Billing. Bei dieser Option bezahlt der Käufer die Apps über seine Mobilfunkrechnung. Sie ist in Ländern wie Brasilien sehr populär, in denen PayPal und Kreditkarten weniger verbreitet sind.

Bei einigen Plattformen kann der Entwickler sogar eigene Zahlungssysteme angeben. „Früher gab es diese Möglichkeit häufiger. Heute geht der Trend aber dahin, die Abrechnung komplett an den Betreiber auszulagern“, sagt dazu der Games-Spezialist.

Serie: Apps monetarisieren
Teil 1 beginnt mit Spiele-Apps und erklärt die drei Grundformen: Verkauf, In-App-Verkauf und Werbung. Teil 2 erklärt, wie App-Marketing funktioniert, und sagt, wann neue Geschäftsmodelle auf App-Basis erfolgreich sind.

In-App Advertising in den Spielepausen

Eine weitere Gelegenheit, Apps zu monetarisieren, ist die Schaltung sogenannter In-App-Werbung. Ob sich das In-App Advertising rentiert, hängt stark von der Reichweite an. Beim Gratisspiel Flappy Bird betrugen die Werbeeinnahmen nach Angaben des Entwicklers Dong Nguyen 50.000 US$ – pro Tag.

Aber wie findet man mögliche Interessenten? „Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Werbung in seinen Apps zu schalten. Die Plattformbetreiber bieten hier verschiedene Modelle an, aber es gibt auch Unternehmen, die die Schaltung von Werbung als Dienstleitung anbieten“, erläutert Thorsten Rendel. Um die Gestaltung der Werbung muss sich der Entwickler keine Gedanken machen. Die Anzeigen werden in der Regel direkt vom Werbepartner befüllt.

Bei den Werbeformaten selbst gibt es verschiedene Varianten. Werbung kann in Form von Pop-ups, Videos oder Bannern erfolgen. „Gerade im Free-to-Play-Bereich wird auf das Mittel der In-App-Werbung gesetzt“, kommentiert der Games-Profi. Er nennt ein Beispiel: „Es gibt viele Free-to-Play-Spiele, die mit sogenannten Timern arbeiten. Der Spieler muss beispielsweise eine Zeit lang warten, bis sich seine Energie wieder aufgefüllt hat oder bis ein Gebäude fertiggestellt wird. Dies kann Minuten dauern, aber auch Tage. Der Spieler hat verschiedene Möglichkeiten, diese Wartezeit abzukürzen, beispielsweise durch eine Zahlung oder durch das Anschauen von Werbung.“

Teil 2 dieser Serie zeigt, wie eine App ein ganz neues Geschäftsmodell etablieren kann, und erklärt die Grundlagen von gutem App-Marketing.

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