Mittelständische Beteiligungsgesellschaften

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Der Unternehmer bleibt Herr im Haus

violetkaipa

Von Sabine Philipp

Expandierende Unternehmen, die einen Kredit benötigen, aber nur eine geringe Eigenkapitalquote aufweisen, kennen das Problem: Das nötige Geld ist nur schwer zu bekommen und die Konditionen sind meist ungünstig. In solchen Fällen kann Mezzaninkapital eine Möglichkeit darstellen, die Eigenkapitalquote und damit das Rating zu verbessern. Im Mittelstandssegment engagieren sich seit den 1970er-Jahren die Mittelständischen Beteiligungsgesellschaften (MBGen). Dabei handelt es sich um privatwirtschaftlich organisierte Unternehmen, die in allen Bundesländern aktiv sind.

„Zu unseren Gesellschaftern zählen u.a. Banken, Verbände und Kammern. Sie engagieren sich, um ihre Mitglieder bzw. Kunden beim Aufbau von Eigenkapital zu unterstützen“, damit sie leichter an günstige Kredite kommen, erklärt Dr. Milos Stefanovic, Geschäftsführer der MBG Berlin-Brandenburg. Die eingesetzten Mittel stammen einerseits aus dem Gesellschafterkapital, andererseits aus dem ERP-Beteiligungsprogramm der KfW. Die Laufzeiten für das Mezzaninekapital liegen zwischen fünf und zehn in den alten und zwölf Jahren in den neuen Ländern.

Mezzanine stärkt die Eigenkapitalquote

Die MBGen engagieren sich in der Regel mit einer typisch stillen Beteiligung, erklärt Dr. Stefanovic: „Wenn wir 300.000 Euro investieren, erhalten wir am Ende der Laufzeit diesen Betrag nebst Vergütung wieder zurück. Im Gegensatz zu einer atypischen stillen Beteiligung partizipieren wir also nicht am Unternehmenswertwachstum.“ Den großen Vorteil von Mezzaninekapital sieht er darin, dass der Unternehmer Herr im eigenen Haus bleibt; er müsse „kein Stück seines Unternehmens hergeben“.

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Dr. Milos Stefanovic ist promovierter Betriebs­wirt und als Geschäfts­führer der Bürg­schafts­bank Bran­den­burg und der Mittel­ständischen Beteiligungs­gesellschaft Berlin-Branden­burg stark engagiert in der Finanzierung von mittel­ständischen Unter­nehmen. Verschiedene Auf­sichts­rats­mandate und die Mit­glied­schaft im Vor­stand des Bundes­verbandsDeutscher Kapital­beteiligungs­gesell­schaften (BVK) unter­streichen diese Rolle.

Die MBGen erhalten von den Unternehmen eine Vergütung, die sich aus einem fixen und einem gewinnabhängigen Anteil zusammensetzt; sie wird bei den MBGen in der Regel während der Laufzeit ausgezahlt. Die Höhe der Gesamtvergütung liegt zwischen 8 und 12 % p.a. „Mezzanine ist immer teurer als ein Bankkredit“, sagt Dr. Stefanovic. Das hat verschiedene Gründe. So müssten Gewinne zwar sofort reinvestiert werden und der Staat übernehme eine Rückbürgschaft zu 50 %. Die MBGen hätten aber auch Personalkosten und die Zinsen für den ERP-Kredit zu zahlen. Hinzu komme, dass nicht jede Beteiligung erfolgreich sei.

Fazit: Instrument für den Mittelstand

Der Fokus der MBGen liegt auf mittelständischen Unternehmen. So bewegen sich die Beteiligungen in einem Bereich zwischen 50.000 Euro und 1 Mio. Euro. Aktuell sind die MBGen laut Dr. Stefanovic mit 1,2 Mrd. Euro an etwa 3300 Unternehmen aller Branchen beteiligt. 2012 hätten die MBGen insgesamt 591 Beteiligungen in Höhe von 182,3 Mio. Euro genehmigt.

Auswirkung im Bilanzbild
Mezzaninekapital ist eine Mischform zwischen Eigen- und Fremdkapital. Es zeichnet sich zum einen durch lange Laufzeiten aus (sie liegen in der Regel zwischen fünf und zehn Jahren), zum anderen dadurch, dass es bei einer Insolvenz nachrangig bedient wird. Da es bilanziell als wirtschaftliches Eigenkapital anerkannt werden kann, können Unternehmen mit Mezzaninekapital die Eigenkapitalquote stärken. Das verbessert das Rating, sodass Unternehmen wieder einfacher und günstiger Fremdkapital aufnehmen können.

Dabei handelt es sich Dr. Stefanovic zufolge in der Regel um stark expandierende Unternehmen. „Unsere Kunden sind Firmen mit einem starken Wachstum, die ihr Fundament, sprich: ihre Eigenkapitalquote, in derselben Geschwindigkeit ausbauen müssen, mit der sie expandieren.“ Aber auch hier gilt: Um das Kapital zu erhalten, müssen die Unternehmen und Unternehmer überzeugen.

„Generelle K.o.-Kriterien haben wir nicht definiert. Wenn wir aber das Gefühl haben, dass ein Scheitern wahrscheinlich sein könnte, engagieren wir uns nicht“, stellt der Fachmann klar. Eine tragende Rolle spielt dabei der Business-Plan. „Wir erwarten eine Planrechnung, in der der Unternehmer darlegt, wie sich das Vorhaben in seiner Gewinn-Verlustrechnung niederschlagen wird. Er muss uns genügend Unterlagen und Argumente liefern, die uns an das Thema glauben lassen. Wenn ein Unternehmer nicht in Zahlen ausdrücken kann, warum er sein Geschäft führt, haben wir auch ein Problem.“

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