Multimedia-Blogs

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Wenn das Web auf Sendung geht

Von Loredana Covaci/Peter Riedlberger

Begriffe wie Podcast oder Video-Blog beziehen sich auf Technologien, die Blogs um Multimedia-Elemente erweitern. Was damit genau gemeint ist, wird oft recht unscharf definiert. Das eigentliche Prinzip, das ihnen allen zugrunde liegt, ist allerdings nicht weiter kompliziert: Multimediadateien statt Text.

Ein Blog im Internet besteht bekanntlich aus chronologisch sortierten Texteinträgen, die der Besucher am Bildschirm liest. Nun spricht wenig dagegen, einen Blog aus Multimediadateien statt aus Texten zusammenzusetzen. Statt neuer Texte findet der Besucher auf der Website also z.B. neue Sounddateien oder, wenn man so will, Sendungen.

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Podcast

Eine solche Datei, die Audio-Inhalte bloggt, nennt man „Podcast“; gleichzeitig wird der Begriff auch dazu benutzt, die ganze Serie zu bezeichnen. Bestimmte Audioprogramme – allen voran iTunes von Apple sowie Podspider – dienen als Feedreader für Podcasts, d.h. sie zeigen neu verfügbare Sendungen automatisch an, ohne dass der Benutzer selbst immer wieder die entsprechende Website aufsuchen und prüfen müsste.

Während man einen Text schnell überfliegen und mit dem Auge direkt zu den interessanten Partien springen kann, ist dies bei einem Audiofile nur eingeschränkt möglich. Zudem entfällt bei einem Podcast komplett die Möglichkeit, nach bestimmten Schlagworten zu suchen. Das bedeutet, dass ein Textblog normalerweise vorzuziehen ist.

Ausnahmen liegen vor, wenn das Gehörte wichtig ist. Das gilt z.B. dann, wenn das Blogthema Musik ist. Dann ist es natürlich praktisch, die Beispiele direkt in der Audiodatei abzuspielen. Dies ist der Grund, warum die allermeisten Podcast-Anbieter Musiksendungen anbieten.

Eine andere Ausnahme sind Interviews im Originalton. Ein Transskript würde nie dieselbe Authentizität wie das Original erreichen. Genau deswegen werden solche Interviews meist in Form eines Podcasts angeboten.

Video-Blog

Ein Video-Blog (auch „Vlog“, „Video-Podcast“ oder „Vidcast“ genannt) ersetzt wie ein Podcast die Texteinträge eines Blogs durch Multimediadateien – nur, dass es sich in diesem Fall eben um Videoclips handelt.

Die besondere Herausforderung bei Video-Blogs besteht darin, handwerklich gute Videos herzustellen. Während praktisch jeder einen Text schreiben kann, ist bereits für einen Podcast eine gute Sprecherstimme sowie, als technisches Equipment, ein Mikrofon nötig. Für einen Video-Blog sind die Anforderungen ungleich höher: Der Produzent benötigt nicht nur eine Videoausrüstung, sondern auch einen geeigneten Aufnahmeraum. Auch muss das Video geschnitten werden. Und wenn man so großen Aufwand betreibt, liegt es auch nahe, eine professionelle Schauspielerin oder einen Schauspieler als Moderator zu engagieren, sofern nicht ohnehin ein Medienprofi als Sprecher zur Verfügung steht (wie beim Video-Podcast der Bundeskanzlerin).

Die hohen technischen Voraussetzungen haben zur Folge, dass man zwei Arten von Video-Blogs unterscheiden kann: Einerseits professionell produzierte Blogs wie Rocketboom oder Ehrensenf, hinter denen echte Firmen stecken, und andererseits zumeist sehr amateurhafte Blogs mit selbst gemachten Videos, die in der überwiegenden Mehrheit bei YouTube gehostet werden.

Downloads, Streaming und Webcasts

Multimedia-Inhalte lassen sich technisch auf zwei verschiedene Arten und Weisen bereit stellen: Bei direkten Downloads wird erst die gesamte Datei auf den Zielcomputer übertragen und dort gespeichert. Dann kann sie der Empfänger betrachten. Bei Streaming Video/Audio beginnt die Wiedergabe in dem Moment, in dem der Besucher auf den Link klickt: Die Daten, die gerade ankommen, werden nahezu zeitgleich auf dem Zielcomputer als Audio oder Video wiedergegeben.

Der Vorteil für den Empfänger ist, dass er nicht lange warten muss, allerdings kann er normalerweise die Datei nicht speichern. Dies kann wiederum ein Vorteil für den Betreiber der Website sein, denn so ist der Besucher gezwungen, die Website wiederholt zu besuchen, wenn er dasselbe Video- bzw. Audio-Stück erneut wiedergeben will.

Einen Spezialfall stellen die Webcasts dar. Hier wird Video gestreamt, aber nicht der Inhalt einer einzelnen Datei, sondern beispielsweise das laufende Programm eines Fernsehsenders. Bei einem Webcast ist es also nicht möglich, das bereits gesehene noch einmal zu betrachten, weil stets neuer Inhalt gezeigt wird. Üblicherweise bieten aber nur TV-Stationen Webcasts an.

Fazit: Der Aufwand muss sich auszahlen

Bei jeder Form der Unternehmenskommunikation muss das professionelle Erscheinungsbild eine der zentralen Prioritäten sein. Es lässt sich bei einem Blog relativ einfach wahren, wenn man nur einen begabten Texter beschäftigt. Dagegen bedeutet es einen erheblichen Mehraufwand, Sprecher oder gar telegene Moderatoren einzustellen. Des Weiteren stellt sich die Frage nach den Musikrechten. Für private Podcaster existiert ein relativ günstiges GEMA-Modell, das aber auf Firmen nicht anwendbar ist. Aus diesen Gründen dürften Multimedia-Blogs für Firmen, die nicht selbst Medienanbieter sind, eher selten von Interesse sein.

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