Netscout AirCheck G2

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Kanalfahrt mit dem grünen Netztester

© Harald Karcher

Es gibt ja viele kostenlose WiFi-Analyseprogramme für Smartphones und Laptops. Damit kann man WLAN-Fehler suchen und WiFi-Hotspots optimieren. Wer oft und professionell an großen Funkinstallationen arbeitet, wird sich früher oder später einen professionelles Analysegerät wie den Netscout AirCheck G2 Wireless Tester wünschen. Die Vorteile liegen zum einen in der Verarbeitung – es ist ein robustes Ruggedized-Handgerät –, zum anderen in den erweiterten Fähigkeiten: Der AirCheck G2 erkennt 3×3-Stream-802.11ac und berücksichtigt auch Non-WiFi-Störungen, außerdem hat es eine optionale externe Richtantenne, Cloud-Anbindung und etliches mehr.

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Das Netzwerk namens @BayernWLAN besteht laut Netscout AirCheck G2 aus zwei Access Points. Der erste AP funkte bei unserem Test gerade auf Kanal 11 im 2,4-GHz-Band, der zweite auf Kanal 136 im 5-GHz-Bereich. (Bild: Harald Karcher)

Die Profilösung wurde in Deutschland Anfang 2017 im Internet ab circa 2600 Euro angeboten, was für gelegentlichen Einsatz wohl zu teuer, im Vergleich zu ebenfalls professionellen Messgeräten, etwa von Rohde & Schwarz, aber fast noch günstig erscheint.

Praktisch, flott und ausführlich

Das AirCheck G2 ist ein All-in-one-Handmessgerät für alle gängigen WiFi-Technologien nach IEEE 802.11a/b/g/n/ac. Der Hersteller verspricht fünf Stunden Akkubetriebsdauer, Bedienbarkeit mit einer Hand, robustes Design und damit Eignung für den Außendienst. Das berührungsempfindliche Display misst 5 Zoll, bietet eine gute Übersicht und einfachen Zugriff auf alle verfügbaren Operationen.

Hier sehen wir uns die Details jenes Access Points an, der auf Kanal 11 im 2,4-GHz-Band funkt: Das rote Schloss besagt, dass die Security gerade völlig open ist. Logisch, sonst käme ja kein Surfgast in dieses Public WLAN. (Bild: Harald Karcher)
Netzwerk-Überblick: Hier zeigt der grüne Netscout AirCheck G2 WLAN Tester den Zustand des @BayernWLAN-Hotspots. Tippt man links unten auf „Connect“, dann wird das ausgewählte Funknetz weiter analysiert, und man sieht (rechtes Bild) alle relevanten IP-Adressen des Hotspots. Klickt man rechts auf einen der Pfeile, gibt es weitere Details. Klickt man ganz unten auf „Upload Results to Link-Live“, gehen die Ergebnisse in die Cloud hoch. (Bild: Harald Karcher)
Wenn das Surf-Erlebnis nicht ganz befriedigt, schaut man sich die Details der Netzwerkelemente an. Wenn irgendwo Pings verloren gehen, wie im linken Bild, dann sucht man just an diesem Netzwerkelement weiter nach Schwachstellen. Die nominale Bruttodatenrate lag auf der MS Starnberg 2015 und 2016 oft bei 300 MBit/s, wie man das im rechten Bild auch Weiß auf Blau markiert sieht. Netto kamen bei etlichen Messungen allerdings nur Bestwerte von 1 bis 2 MBit/s an. (Bild: Harald Karcher)

Im Test fährt das Gerät schnell hoch: 4 s nach Druck auf den grünen Startknopf war das Startmenü bei unserem G2-Analyzer komplett geladen. Nach weiteren 7 s lag bereits ein guter Überblick über eine städtische WLAN-Umgebung mit neun verschiedenen WLAN-Netzen vor. Der AirCheck G2 beginnt nach dem Start nämlich automatisch, Netzwerke, Access Points und Kanalaktivitäten in der näheren Umgebung zu ermitteln. Das Startmenü des Netscout AirCheck G2 ist sehr übersichtlich gestaltet und plakativ genug, sodass man es auch mit einem dicken Daumen bedienen kann. Der touch-sensitive Bildschirm hat im Test allzeit gut reagiert.

Der AirCheck G2 stellt mittels WEP, WPA, WPA2 oder 802.1x eine Verbindung zu Netzwerken oder bestimmten Access Points her, ermittelt IP-Adressen und sendet Ping-Signale an Router, Gateway und benutzerdefinierte Adressen, um Verbindungen und Netzwerkzugriff innerhalb und außerhalb der Firewall zu prüfen. Dabei stellt er Wi-Fi-Datenverkehr und Störungen fest, ermittelt nicht autorisierte Access Points und nicht ordnungsgemäß funktionierende Clients. Mit optischen und akustischen Hilfen lassen sich baulich gut versteckte Access Points, Schwachpunkte, Störer, Gefahren und Missetäter in Netz aufspüren. Last, but not least kann der Besitzer eines AirCheck G2 seine Testergebnisse auch in die Link-Live-Cloud hochladen, muss dies aber nicht und kann auch nur lokal damit arbeiten.

WLAN-Diagnose im Feldeinsatz

Zum Praxistest nahmen wir den AirCheck G2 auf einen Ausflug zum kostenlosen @BayernWLAN-Hotspot auf der MS Starnberg der bayerischen Seenschifffahrt mit. Der Tester saß dabei im Schiffsrestaurant im ersten Obergeschoss. Eine Etage höher, auf dem Sonnendeck, war unter dem Sonnensegel ein professioneller Lancom OAP-322 als Access Point montiert: Der bezieht das Internet über eine LTE-Anbindung vom Ufer her und funkt es dann per WLAN an die surfwilligen Passagiere mit WLAN-fähigen Smartphones und Laptops weiter.

Die WLAN-Analysen machten wir vorsätzlich erst weit draußen auf dem See, weit weg vom Ufer. Das bedeutet, dass bei unseren Messungen auf dem Schiff nur noch das offizielle @BayernWLAN präsent war. Die restlichen WLAN-Hotspots aus privaten Häusern, Hotels, Häfen, Klubs, Cafés und Restaurants waren weit weg. Der Vorteil: In dieser ungewöhnlich sauberen Funkumgebung können wir sowohl den WLAN-Analyzer wie auch den WLAN-Hotspot leichter erklären, als wenn Dutzende Funknetze gleichzeitig kreuz und quer durcheinander funken, wie das in dicht besiedelten Gebieten der Normalfall ist.

Selbstverständlich eignet sich der Netscout AirCheck G2 WLAN-Tester aber auch für WiFi-Analysen im dichten WLAN-Dschungel der Großstadt. Da fallen bei einem Wardriving dann aber binnen weniger Minuten sehr viele Daten an, die man auf begrenztem Seitenumfang kaum übersichtlich darstellen kann. Der Haupteinsatz des Netscout AirCheck G2 dürfte jedoch nicht das Wardriving sein, sondern die Unterstützung bei Planung, Aufbau, Fehlersuche und Optimierung großer WLAN-Installationen in Firmen, Hotels, Behörden und an öffentlichen WiFi-Hotspots. Unsere Bilder können nur einen kleinen Ausschnitt aus dem großen Funktionsumfang des neongrünen Messgerätes zeigen.

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Schwarz auf weiß: Dieser Beitrag erschien zuerst in unserer Magazinreihe „Kommunikation und Netze“ 2/2016 als Beilage zur iX 01/2017. Einen Überblick mit freien Links zu sämtlichen Einzelheften bekommen Sie online im Pressezentrum des MittelstandsWiki.

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