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Wenn AMD kontert, legt Intel einfach nach

Von Uli Ries

Mehr als fünf Jahre nachdem Erzfeind Intel Centrino einführte, überraschte AMD mit einer eigenen Notebook-Plattform. Intel präsentierte unterdessen Centrino 2, so dass beide Firmen 2008 mit topaktueller Technik ins Rennen gingen.

Bis dahin waren Notebooks mit AMD-Technik meist im mittleren und unteren Preissegment zu finden. Diese Positionierung hatte zur Folge, dass sie sich bei Endkunden sehr viel größerer Beliebtheit erfreuten als im Firmenumfeld. Das könnte sich nun zumindest nach und nach ändern.

Unternehmen kalkulieren mit Laufzeiten

Durch den Aufkauf des Grafikchipherstellers ATI im Jahr 2006 konnte AMD – genau wie Intel – erstmals eine vollständige Notebook-Plattform anbieten: aus CPU Turion X2 Ultra (Codename „Griffin“), dem Chipsatz M780G und einem Wireless-LAN-Modul. Die komplette AMD-Plattform wurde zunächst unter dem Codenamen „Puma“ geführt, eingebürgert hat sich jedoch „Turion Ultra“. Im Unterschied zum Mitbewerber – der den Herstellern das Intel-eigene WLAN-Modul vorschreibt, bevor der Centrino-2-Aufkleber aufs Gehäuse darf – überlässt AMD dem Notebook-Hersteller die Wahl des Wireless-Moduls.

AMDs Strategiewechsel – weg von Einzelkomponenten, hin zur Plattform – ist eine ordentliche Basis, um auch im Firmengeschäft stärker Fuß zu fassen. Denn damit sind die im B2B-Umfeld so wichtigen kalkulierbaren Produktlaufzeiten zu erzielen.

Intel ist aber auch nicht faul: Das Stabilitätsprogramm Stable Image Platform Program (SIPP) verspricht, dass die im Unternehmen zur Betriebssystem- und Anwendungsinstallation notwendigen Software-Images nach einer dreimonatigen Qualifikations- und Testphase mindestens ein Jahr lang ohne Anpassung ausgerollt werden können, selbst wenn Intel z.B. das Stepping des Chipsatzes verändert.

Ob IT-Einkäufer sich sofort auf den neuen AMD-Weg einlassen, darf bezweifelt werden. Denn gerade die Umstellung der Software-Images und die Pflege zweier grundverschiedener Images gehen mit großem Ressourceneinsatz einher. So bestätigte der IT-Servicedesk-Leiter eines großen mittelständischen Industrieunternehmens gegenüber dem MittelstandsWiki, dass man der AMD-Plattform gegenüber grundsätzlich offen sei. Solange die Geräte aber keinen „immensen technischen Fortschritt“ oder zumindest „erhebliche Kosteneinsparungen“ brächten, käme ein Umstieg nicht in Frage.

Was Prozessor und Chipsatz können

Kernbestandteil beider Plattformen sind die CPUs. AMD bietet den momentan bis zu 2,4 GHz schnellen Turion-X2-Ultra-Prozessor, Intel setzt auf die Penryn-CPUs. Der AMD-Prozessor wird noch mit einer Strukturbreite von 65 Nanometer gefertigt, wohingegen Intel bereits mit 45 Nanometern fertigt und bis zu 3,06 GHz schnelle Prozessoren liefert. Technisch hat Intel somit die Nase weiter vorn und bietet seinen Kunden eine höhere Performance. Das gilt vermutlich auch für die Akkulaufzeit, denn auch die Energieaufnahme sinkt durch den Umstieg auf den neuen CPU-Fertigungsprozess.

Zwar hat AMD den Turion X2 Ultra als ersten AMD-Prozessor überhaupt speziell für den Einsatz in Notebooks konzipiert und ihm einige Stromsparmechanismen eingepflanzt. Die technische Basis der AMD-CPU (K8-Kern) kommt aber langsam in die Jahre und bedürfte einer Generalüberholung. Denn in Subnotebooks oder gar in die beliebten Nettops à la Asus Eee PC passt der Turion X2 Ultra aufgrund der Wärmeabgabe keinesfalls.

Allerdings trauen Experten dem Puma-Chipsatz M780G gerade aufgrund seiner Multimedia-Fähigkeiten mehr zu als den neuen Intel-Chipsätzen der „Mobile Intel 4 Series Express“. So packt AMD den vollwertigen Grafikchip Radeon HD 3200 in den Chipsatz. Die Leistung kann es durchaus mit herkömmlichen Einsteigergrafikkarten für Desktop-PCs aufnehmen und ist damit der von Intel-Chipsätzen weit überlegen. Zwar bietet Intel mit dem GM47 eine Highend-Variante mit integrierter Grafik. Dieser Chipsatz soll dank des auf 640 MHz erhöhten Takts der Grafikeinheit auf die doppelte Leistung des Vorgängers GM965 bringen. Aber nachdem der GM965 nicht für hohe Performance berühmt ist, meinen Experten, dass AMD hier dennoch besser dasteht.

Jetzt ist der Notebook-Handel am Zug
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Als gründliche Marktkennerin gibt Eszter Morvay, Senior Research Analyst für PCs und Notebooks bei IDC, im Gespräch Auskunft über AMDs Chancen, Intel mit der neuen Puma-Plattform gefährlich zu werden.

MittelstandsWiki: Wird AMD dem Konkurrenten Intel mit Puma nun Marktanteile abjagen?

Eszter Morvay: Überzeugende Technik und eine stimmige Marketing-Strategie führten in den letzten Jahren dazu, dass sowohl Business-Kunden als auch Konsumenten auf Centrino vertrauen. AMD muss sich sehr anstrengen, hier zu Intel aufzuschließen. Zwar könnte der Plattform-Gedanke helfen, insbesondere im B2B-Umfeld stärker Fuß zu fassen. Aber solange AMD es weiterhin nicht schafft, die Vorteile der eigenen Technik durch Marketing-Maßnahmen und geschulte Verkäufer zu kommunizieren, bin ich sehr skeptisch.

MittelstandsWiki: Was müsste AMD neben der Kommunikation verbessern, um im B2B-Umfeld zu punkten?

Eszter Morvay: AMD selbst kann hier recht wenig machen, außer die Notebookhersteller zu motivieren, geeignete Modelle ins Portfolio zu heben. Nachdem in diesem Markt Dinge wie ein Servicekonzept wichtiger sind als die CPU-Leistung, hängt es einzig an den Herstellern. Sie müssen die Notebooks entsprechend positionieren und in ein attraktives Servicekonzept einbetten. Bislang gibt es nur sehr wenige B2B-Notebooks auf AMD-Basis, und ich bezweifle, dass Puma daran etwas ändert.

MittelstandsWiki: Sehen Sie einen Markt, in dem AMD die Nase vorn hat?

Eszter Morvay: Für Consumer sind AMD-Notebooks aufgrund der niedrigen Preise und der guten Systemleistung oft die bessere Wahl. Außerdem sehe ich gute Chancen im öffentlichen Bereich. Denn Behörden, Schulen und andere staatliche Stellen stehen unter großem Preisdruck, so dass die günstigen Puma-Modelle den Vorzug gegenüber den teureren Centrino-2-Notebooks bekommen könnten.

Fazit: Wenn Arbeitsgeräte Spaß machen

Beide Hersteller werben damit, dass ihre Chipsätze auch hochauflösende Blu-ray-Filme ruckfrei wiedergeben können. Intel will Performance und Laufzeit der Centrino-2-Plattform so weit optimiert haben, dass der Anwender einen Spielfilm in bester Qualität und normaler Länge von der Blu-ray-Disc bis zum Ende sehen kann. Unter anderem soll die Verwendung von modernem DDR3-Speicher – der von den Intel-Chipsätzen unterstützt wird, vom AMD 780G hingegen nicht – für bis zu zehn Minuten mehr Laufzeit bei der Blu-ray-Wiedergabe bringen. Ob dem wirklich so ist, müssen Tests der ersten Centrino-2-Geräte zeigen.

An dieser Stelle ließe sich einwenden, dass HD-Wiedergabe im Business-Einsatz nichts verloren hat. AMD argumentiert dagegen, dass der Markt der 13- bis 15-Zoll-Notebooks über 70 % aller verkauften Notebooks umfasst, wenn man das Endkunden- und das SMB-Segment addiert. Auf diese Märkte konzentriert sich AMD und meint, dass diese Käufergruppen gesteigerten Wert auf Multimedia-Funktionen legen.

Der Grund: Laut AMD werden Notebooks vor allem von Mitarbeitern in kleineren Unternehmen und von Selbständigen auch privat genutzt – und dann stehen Multimedia-Funktionen ganz oben auf der Wunschliste. Dass sich die Grenzen zum Endkunden verschleifen, erklärt AMD durch den Generationenwechsel: Wer heute ins Berufsleben eintritt, ist mit PC, Internet und Mobiltelefon aufgewachsen. Notebooks gelten nicht länger als dröge Arbeitsmittel, sondern sollen Entertainmaint nebenbei beherrschen. Tatsächlich ist eine Doppelnutzung – Stichwort: Consumerization – inzwischen auch mit internen IT-Richtlinien vereinbar, etwa indem Administratoren eine virtuelle, private Betriebssystemumgebung zur Verfügung stellen.

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