Offshoring

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Lange Projekte sparen am meisten

Von Dr. Robert Martignoni/Dr. Jörg Stimmer, pliXos GmbH

Offshore-Outsourcing hat meist keine gute Presse, weil sich Leitartikel lieber landestreu auf spektakuläre Produktionsmängel und Rückzieher stürzen, wenn Unternehmen Teile ins Ausland verlagert haben. In Wahrheit betrifft der größte Offshoring-Anteil Software- oder IT-Dienstleistungen – und hier greifen die Vorteile eines entfernten, günstigeren Standorts wie Osteuropa oder Indien besser denn je.

Interessant ist für Mittelständler vor allem, dass Outsourcing-Projekte, die lange Zeit Großunternehmen vorbehalten waren, mittlerweile für KMU tragfähig und realisierbar werden. Wie bei Software as a Service ermöglichen die fortgeschrittene Kommunikationstechnologie und die Erfahrung mit bereits erfolgreichen Projekten neue Geschäftsmodelle, die sich z.T. ganz gezielt an kleine und mittlere Unternehmen wenden und so auch dem Mittelstand die Möglichkeit bieten, die eigene Wettbewerbsposition nachhaltig zu verbessern.

Faustregeln im Vorfeld

Generell gibt es zwei Offshoring-Varianten:

  • die Zusammenarbeit mit Offshore-Dienstleistern (non captive) oder
  • den Aufbau eines eigenen Standortes (captive).

Unterm Strich bleibt bei beiden Möglichkeiten eines entscheidend: dass sich das Projekt rechnet. Im Gegensatz zu den internationalen Konzernen, die intern umfangreiche Kompetenz und eigene Standards zur Outsourcing-Umsetzung entwickelt haben, benötigen KMU der Projektgröße entsprechende Vorgehensweisen. Im Wesentlichen sollten die folgenden Punkte im Rahmen der Auslagerungsentscheidung eruiert werden:

Gegenstände ins Auge fassen

Die Auswahl des Projektes, d.h. die Entscheidung darüber, welche Entwicklung oder welcher Teil des Betriebs ausgelagert wird, entscheidet maßgeblich über den Erfolg. Die Eignung des potenziellen Outsourcing-Gegenstandes sollte daher detailliert untersucht werden; sie umfasst u.a. Aspekte wie Einschränkungen bezüglich Sprache, aber auch Dokumentation, Prozesse, Interaktion oder Komplexität.

Die Empfehlung lautet rundheraus: von Projekten mit exotischen Inhalten zu Beginn einer Partnerschaft im Offshore-Outsourcing Abstand zu nehmen.

Projektvolumen umreißen

Ein wirtschaftlich sinnvolles Offshoring-Projekt sollte mindestens ein Projektvolumen von 50 Personenmonaten pro Jahr umfassen. Ein kleineres Projekt ist aufgrund der Projektnebenkosten wirtschaftlich meist nicht sinnvoll umsetzbar.

Nach Laufzeit kalkulieren

Die Laufzeit eines Outsourcing-Projekts ist eine der wichtigsten Einflussgrößen des Einsparungspotenzials. Es hat sich gezeigt, dass die zu erwartenden Einsparungen umso größer sind, je länger ein Projekt angesetzt ist. Die laufenden Kosten eines Offshoring-Projektes sollten im Vergleich zu einem ursprünglichen Vorgehen spätesten nach einem Jahr deutlich geringer ausfallen und ein Break even, also die Kostendeckung aller aufsummierten Anfangsinvestitionen durch die andauernden Einsparungen, sollte spätestens nach zwei Jahren erreicht sein.

Offshoring-Einsparpotenzial.png Einsparungspotenzial in Abhängigkeit der Projektlaufzeit, exemplarisch für zwei IT-Outsourcing-Projekte

Auf Produktivität achten

Die geringeren Offshore-Lohnkosten, sollten die Unternehmer nicht dazu verführen, die Effizienz in den Outsourcing-Projekten zu vernachlässigen. Suboptimale Prozesse kosten doppelt – einmal beim Dienstleister selbst und zugleich bei der Steuerung des Dienstleisters. Im Extremfall ist auf mittlere Sicht kein Kostenvorteil mehr realisierbar.

Werkzeuge ausgeben

Kommunikation und Kontrolle zwischen Dienstleister und Kunde sind essenziell für den Projekterfolg. In der verteilten Softwareentwicklung werden z.B. Werkzeuge zur Fehlerkorrektur oder als Quellcode-Management-Standard benötigt. Ein Unternehmer sollte schon vor Projektbeginn eine entsprechende Vision der Projektumsetzung haben und diese auch von den Kosten her berücksichtigt haben.

Fazit: Vom Start weg lauffähig

Das Ziel besteht für KMU – wie für jedes Unternehmen – darin, Outsourcing-Projekte mit minimalem administrativem Aufwand umzusetzen. Die vorgestellten Faustregeln sollten das Auge des Unternehmers auf die wesentliche Aspekte lenken, die besonderer Aufmerksamkeit bedürfen. Denn sobald sich ausgelagerte Prozesse einmal räumlich entfernt haben, sind Kurskorrekturen weitaus schwieriger. Beim Offshoring entscheidet daher eine saubere und wohl überlegte Planung über den praktischen Erfolg.

Nützliche Links

Ein systematisch dargestelltes Großbeispiel stellt Dr. Jörg Stimmers (englischsprachige) Präsentation Global Sourcing Partner in IT-Projekten steuern vor, die es auf www.competence-site.de als PDF-Download gibt.