Maker-Szene im deutschen Westen

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Hightech Marke Eigenbau

© ThisisEngineering RAEng – Unsplash

Von Roland Freist

Die Übersichtskarte der Zeitschrift „Make:“, die als zentrales Medium der Szene gilt, verzeichnet in NRW mehr als 30 Treffpunkte, an denen Bastler ihre Leidenschaft für moderne Technik ausleben. Hier treffen sich Gleichgesinnte, um gemeinsam zu programmieren, zu löten und zu fräsen. Außerdem experimentieren sie auch gern mit 3D-Druckern und Lasercuttern. Sie alle sind Teil einer Szene, die in den vergangenen Jahren überall auf der Welt begeisterte Anhänger gefunden hat.

Die Maker-Szene entstand in den 1990er-Jahren in den USA. Richtig in Schwung kam die Entwicklung jedoch erst Anfang des letzten Jahrzehnts, als mit Arduino und Raspberry Pi preiswerte und programmierbare Mikro- und Ein-Platinen-Computer im Scheckkartenformat zur Verfügung standen. Hinzu kam, dass die bereits länger existierenden 3D-Drucker im Preis endlich so weit gefallen waren, dass sie auch für private Anwender erschwinglich wurden. Die Verfügbarkeit von Lasercuttern und CNC-Fräsen für den Heimbereich beschleunigte die Entwicklung noch zusätzlich. Auch bei der Software veränderte sich etwas: Seit Anfang des Jahrtausends wurden zunehmend kostenlose Open-Source-Programme und -Entwicklungsumgebungen angeboten, sodass die Maker ihre Kreativität auch in puncto Software ausleben konnten.

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Aus der Region, in der Region

Obwohl es sich bei den Makern um eine weltweite Bewegung handelt, ist der lokale Bezug äußerst wichtig für die Szene. Ihre Mitglieder treffen sich in Makerspaces beziehungsweise FabLabs (Fabrication Laboratories) oder Hackerspaces. Dort tauschen sie Erfahrungen aus, entwickeln neue Ideen und lernen unter Anleitung erfahrener Anwender, wie man die diversen Werkzeuge bedient oder mit sie einem Raspberry Pi und einfachen Skripts steuert.

Makerspaces an Rhein und Ruhr

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Eine komplette Kartenübersicht zu allen Makerspaces (und den Maker Faires) gibt es auf https://maker-faire.de/makerspaces/. (Bild: Maker Media GmbH)

Diese Makerspaces entstehen durch unterschiedliche Initiativen. Einige sind an Hochschulen angesiedelt, die dafür einen oder mehrere Räume bereitstellen, andere werden von Unternehmen für ihre Mitarbeiter und teilweise auch externe Gäste eingerichtet. In den meisten Fällen jedoch kommt ein Makerspace auf Initiative einer lokalen Gruppe von begeisterten Bastlern zustande, die sich zu einem Verein zusammengeschlossen und passende Räumlichkeiten angemietet haben. Für regionale Unternehmen bietet sich in den Makerspaces die Chance, sich als moderne, innovative Firmen mit flachen Hierarchien zu präsentieren. Zudem kommen sie auf diesem Weg in Kontakt mit jungen, kreativen Köpfen und können sich ihnen als attraktiver Arbeitgeber vorstellen, weshalb viele Makerspaces von der Wirtschaft gesponsort werden. Die Vorstellung der Maker- und Hackerspaces, Repair Cafés und FabLabs in NRW kann in diesem Artikel nur einige Beispiele herausgreifen und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

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Schwarz auf Weiß
Dieser Beitrag war für unsere Magazin­reihe „IT-Unternehmen aus der Region stellen sich vor“ geplant, konnte aber in der Ausgabe 2020 nicht erscheinen. Einen Über­blick mit freien Down­load-Links zu sämt­lichen bereits verfügbaren Einzel­heften bekommen Sie online im Presse­zentrum des MittelstandsWiki.

Maker Faires als Drehscheiben

Für den überregionalen Austausch zwischen den Makern sind die Maker Faires zuständig. Bei diesen Veranstaltungen präsentieren die Elektronik- und Werkzeugfirmen Zubehör für die Konstruktionen der Maker, und die Maker selbst stellen ihre neuesten Entwicklungen vor. Das Rahmenprogramm umfasst Workshops und Seminare, die Anleitungen zu häufig benötigten Arbeitstechniken geben, die Funktionen der neuesten Werkzeuge und Bauteile vorstellen oder beispielsweise demonstrieren, wie man sich per Crowdfunding Kapital für sein Projekt besorgen kann. Auf vielen Messen wird auch ein CoderDojo angeboten, ein Workshop für Jugendliche zwischen sieben und 17 Jahren, die dort erste Einblicke in die Programmierung erhalten. Die wichtigsten Funktionen dieser Messen sind jedoch häufig der Austausch zwischen den Szenemitgliedern und die Kontaktpflege zwischen den regionalen Gruppen.

Auch die Maker-Szene in NRW weist die beschriebenen Strukturen auf. Die zentrale Veranstaltung ist die Maker Faire Ruhr, die seit 2016 jährlich in der Dortmunder DASA stattfindet. 2019 versammelten sich dort rund 60 Aussteller und über 6000 Besucher, um etwa die 3D-gedruckten Figuren und Gesichter von The Bobbleshop zu bestaunen oder Vorträgen zum Beispiel zum Eigenbau eines Temperatursensors zu lauschen. Nach den Events in Hannover und Berlin gilt die Dortmunder Maker Faire als drittgrößtes Treffen in Deutschland. Die für den März geplante Maker Faire Ruhr 2020 musste wegen der Coronakrise abgesagt werden.

Thema: Maker-Szene
Die Einführung gibt einen ersten Überblick über Ziele, Organisationsformen und die wichtigsten Treffs und Termine in Deutschland. Ein erster Schwerpunktbeitrag geht dann genauer auf die Makerspaces an Rhein und Ruhr ein. Weitere Regionalreports sind in Vorbereitung.

Maker-Zentrum Dortmund

Nicht nur wegen der Messe steht Dortmund im Zentrum der NRW-Maker-Szene. An der Fakultät Maschinenbau der Technischen Universität ist der Makerspace Engineering Education (M.EE) angesiedelt, wo Maschinenbaustudenten nach einer Sicherheitsunterweisung eigene Ideen und Projekte entwickeln und realisieren können. Zur Ausstattung zählen unter anderem 3D-Drucker und -Scanner, Lasercutter, CNC-Fräsen, Ein-Platinen-Computer und Lötarbeitsplätze. Außerdem gibt es Workshops zu den einzelnen Werkzeugen, aber auch zu Themen wie KI und Natural Language Processing oder Virtual Reality.

Der Makerspace Selfmade hat seinen Platz in den Werkstätten der Arbeiterwohlfahrt Dortmund gefunden. Er beschäftigt sich vor allem mit den Möglichkeiten des 3D-Drucks und legt sein Augenmerk dabei auf selbst entwickelte Objekte, die Menschen mit körperlichen und motorischen Beeinträchtigungen oder Einschränkungen von Sprache und Kommunikation dabei helfen, am Alltags- und Arbeitsleben teilzuhaben. Im Katalog auf der Website findet man beispielsweise rollstuhlgeeignete Halterungen für Tassen und Handys oder Griffverdickungen für Stifte und Besteck. Alle Produkte stehen unter einer Open-Source-Lizenz, die Steuerungsdateien für den 3D-Drucker zum Herstellen der Objekte lassen sich kostenlos herunterladen.

Der Chaostreff Dortmund wiederum ist ein eingetragener Verein und ein Erfa-Kreis (Erfa steht für Erfahrungsaustausch) des Chaos Computer Clubs. Hier entstehen Projekte wie etwa ein Bobbycar mit Vierradantrieb oder ein auf LED-Streifen basierendes Tischlicht. Einmal im Monat können Personen von außerhalb des Clubs im Repair Café mit Hilfestellung der Chaostreff-Maker defekte Gegenstände reparieren.

Angegliedert an das Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT ist die Dortmunder Dezentrale. Sie bietet Makern in ihrem FabLab unter anderem 3D-Drucker, Lasercutter und 3D-Scanner an. Im BioLab werden beispielsweise pilzbasierte Werkstoffe für Dämmung und Akustikanwendungen erforscht oder Versuche zu lederähnlichen Flächenmaterialien durchgeführt.

Düsseldorf: die Maker-Metropole

In Düsseldorf sind auf der Karte von Maker Faire zwei Makerspaces verzeichnet, und zwar von den Vereinen Chaosdorf und GarageLab. Das GarageLab betreibt mit seinen über 200 Mitgliedern den größten Makerspace der Region. Im Coworking Space Super7000 in Düsseldorf entstanden in den vergangenen Jahren auf mehreren Hundert Quadratmetern Holz-, Elektronik-, Fahrrad-, Keramik-, Metall- und Textilwerkstätten, Arbeitsplätze mit CAD-tauglichen Computern oder auch eine Digitalwerkstätte für Projekte rund um die Physical-Computing-Plattform Arduino. Zu den Projekten zählen unter anderem die Restaurierung eines Lastenrads, Roboterbau-Workshops oder Vorträge zu 3D-Druck. An jedem letzten Samstag im Monat findet in den Räumlichkeiten des Vereins zudem ein Repair Café statt.

Beim Chaosdorf handelt es sich dagegen um einen Hackspace des Chaos Computer Clubs Düsseldorf. Die Themen sind deshalb stark softwarelastig. Es gibt Meetups zu verschiedenen Programmiersprachen wie etwa Python, Workshops zum Reverse Engineering, aber auch ein Board Game Jam, bei dem die Teilnehmer gemeinsam Brett- und Kartenspiele entwickeln.

Im nahe gelegenen Neuss organisiert sich die Szene einerseits im Reparatur Café im Ons Zentrum des Caritasverbands. Jeden letzten Samstag im ersten Monat eines Quartals versuchen dort freiwillige Helfer, elektrische Haushaltsgeräte, Unterhaltungselektronik, Lampen, Computer oder Fahrräder wieder in Gang zu bekommen. Im Hackerspace des fNordeingang e.V. treffen sich computeraffine Maker und Mitglieder der Freifunk-Initiative beispielsweise zu Vorträgen zum Programmieren mit Delphi und zum gemeinsamen Basteln, Programmieren und Löten.

Bochum, Bottrop, Recklinghausen

In Bochum übernimmt das Labor die Rolle des lokalen Makerspaces. Die Mitglieder des Vereins setzen sich vor allem aus aktuellen und ehemaligen Studenten sowie wissenschaftlichen Mitarbeitern zusammen. Laut Website beschäftigen sie sich in erster Linie mit dem Einsatz und der Programmierung von freier Software und Mikrocontrollern. Auf dem Sommerfest des Chaos Computer Clubs präsentierten die Bochumer Maker im Jahr 2019 aber auch drei Fahrzeuge – gebaut aus Türblättern, einer Europalette und Getränkekisten sowie einem Motor und etwas Elektronik. Daneben bietet das Labor aber auch Vorträge, Workshops und Diskussionen zu verschiedenen Technologien an.

Das HRW FabLab in Bottrop gilt hingegen als eng verzahnt mit der Hochschule Ruhr West, und zwar besonders mit dem Informatiklehrstuhl von Prof. Michael Schäfer. Außerdem arbeitet das FabLab mit dem zdi Schülerlabor Nordrhein-Westfalen zusammen, das landesweit MINT-Kurse für Schüler und Lehrer organisiert. Zu den aktuellen FabLab-Projekten zählt zum Beispiel ein magnetgelagerter Mendocino-Motor. In den vergangenen Semestern entstand auch ein 3D-gedruckter Quadrocopter. Offene Abende gibt es jeden ersten und dritten Mittwoch im Monat von 15:30 bis 19:30 Uhr, offene Projektarbeit findet jeden ersten, zweiten und dritten Dienstag im Monat statt, ebenfalls von 15:30 bis 19:30 Uhr. Veranstaltungsort ist jeweils das HRW FabLab in Raum 04.101 in der Hochschule Ruhr West.

In Recklinghausen hat der Chaostreff Recklinghausen des Vereins c3RE einen Hackerspace aufgebaut. Man trifft sich in der Hackerhütte, einer kleinen Hütte vor der Zeche Blumenthal Schacht 7. Die nächsten Termine stehen jeweils auf der Website des Vereins.

Maker-Treffs in Köln und Umgebung

Die Stadt Köln stellt einen Makerspace in der vierten Etage der Zentralbibliothek zur Verfügung. Dort können Bastler in Workshops eine Lizenz erwerben, um anschließend die 3D-Drucker und -Scanner der Einrichtung nutzen zu dürfen. Weitere Workshops beschäftigen sich mit Themen wie etwa Fotobearbeitung, Social Media und Online-Recherche beziehungsweise Musikproduktion mit iPad und Launchpad, virtuelle Realität, 3D-Modellierung und 3D-Druck, Arduino oder Schreiben für Blogger.

Im FabLab des Vereins DingFabrik stehen den Mitgliedern Dutzende von Geräten zum Sticken, Stricken, Löten, Sägen, Drechseln, 3D-Drucken, Styroporschneiden und Lasercutten zur Verfügung. Den zentralen Treffpunkt bildet der Bastelnachmittag, der jeden Freitag ab 19 Uhr stattfindet, also nicht nachmittags. Ansonsten gibt es Workshops für Anfänger, einen Arduino- und Raspberry-Treff, einen 3D-Druck-Stammtisch und ein regelmäßig geöffnetes Repair Café.

Außerdem befindet sich in Köln eine Zweigstelle des Chaos Computer Clubs. Am letzten Donnerstag im Monat veranstaltet dieser jeweils ein sogenanntes „OpenChaos“, bei dem die Gelegenheit besteht, den Club, seine Mitglieder und Ziele kennenzulernen. Treffpunkt ist das ChaosLabor des Vereins, in dem Mitglieder mit Computer- und Netzwerktechnik experimentieren können.

Auch in Bonn etablierte sich vor rund zwei Jahren ein Makerspace. Die Telekom spendierte 240 m² in einem ihrer Technikgebäude, weitere Sponsoren folgten. Mittlerweile kann der Verein auf eine umfangreiche Ausstattung für Elektro-, IT-, Holz- und viele weitere Arbeiten verweisen – mit dabei sind unter anderem 3D-Drucker, Lasercutter und CNC-Fräsen. Der Makerspace Bonn beschreibt sich als offene Werkstatt, die Kindern und Jugendlichen das Programmieren beibringt und bei Bastelprojekten unterstützt. Erwachsene können eigene Ideen und Projekte umsetzen oder in Hobby und Beruf gesammelte Erfahrungen weitergeben.

Ein paar Kilometer den Rhein hinunter hat das Probierwerk Leverkusen seinen Sitz. Es wird betrieben vom Ausbesserungswert Leverkusen e.V. und bietet jeden Donnerstag von 17 bis 19 Uhr eine offene Werkstatt an. Auf 240 m² finden Maker hier eine reiche Auswahl an Maschinen, Werkzeugen und sonstigem Equipment. Eine Besonderheit ist, dass die Räumlichkeiten für individuelle Kurse, aber beispielsweise auch für Firmenevents angemietet werden können. Außerdem organisiert der Verein Methoden- und Technologieworkshops.

Maker in Münster

In Münster steht Technikbegeisterten das FabLab Münster des Vereins münsterLAND.digital offen. Dort finden sie nicht nur die neuesten digitalen Werkzeugmaschinen, 3D-Drucker und -Scanner, Mikrocontroller und andere Tools, sondern können auch an Workshops zum Umgang mit den Geräten teilnehmen. Der Kalender auf der Website zeigt die OpenLabDay-Termine an, an denen die Benutzung nichts kostet. Für regelmäßige Besuche empfiehlt sich eine kostenpflichtige Mitgliedschaft.

Ebenfalls in Münster hat der Hackerspace warpzone seinen Sitz. Der Verein trifft sich jeden Mittwoch und Samstag zu Austausch und Organisation sowie regelmäßigen Hack-and-Breakfast-Events. Die Schwerpunkte der Mitglieder liegen auf den Themen Programmierung, Netzwerktechnik, Elektronik und Löten. Darüber hinaus beschäftigen sie sich aber auch mit Teleskopen, Koptern oder selbst gezüchteten Mikroorganismen. Außerdem bauen sie Lasercutter, CNC-Fräsen und Popcorn-Maschinen.

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