OpenUp Camp 2014

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Forum, Werkstatt und Ideenschmiede

OSBF

Von Sabine Philipp

In Nürnberg fand im Februar 2014 die erste Unkonferenz der Open Source Business Foundation (OSBF) statt: das OpenUp Camp, ein Event, das z.T. weit über das Thema Open Source hinausreichte, z.B. mit Open Education, Open Innovation, offene Lizenzierung, Crowdfunding, Service Design Thinking, Gamification, Culture Hacking und Business Model Innovation.

Statt festen Vorträgen gibt es beim OpenUp Camp 45-minütige Sessions zu Themen, die das Publikum vorschlägt. Dabei kann sich jeder Teilnehmer – unabhängig vom Beruf und Erfahrung – einbringen und mitdiskutieren. Das Ergebnis ist manchmal überraschend. So schafften es in Nürnberg nicht nur Vorschläge zu Open Access, Open Hardware oder Patent-Sharing auf die Agenda, sondern auch Topics wie „Was können Unternehmen von Clowns und Narren lernen?“ oder „Visionen, Ideen & Hindernisse aufstellen“.

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Stefan Probst ist Informatiker und Gründer von Entresol Open Business Consulting. Er ist Vorstand für Open Technology bei OpenBIT – der Verein veranstaltete bereits 2007 eines der ersten BarCamps in Deutschland. Stefan Probst ist auf Geschäfts­modell­innovation spezialisiert und holte 2009 das Unkonferenz­konzept Startup Weekend nach Nürnberg.

Seit 2007 gibt es derartige Unkonferenzen zu den unterschiedlichsten Bereichen, LawCamps ebenso wie GründerCamps. Sie finden meist über das Wochenende statt und erfreuen sich einer wachsenden Anhängerschaft. „Jeder kann im Vorfeld Themenvorschläge einreichen“, sagt Stefan Probst, Vorstandsmitglied des OSBF. „Die Teilnehmer entscheiden dann vor Ort, welche Themen sie interessieren und worüber sie sich in diesem Moment konkret austauschen wollen.“

Wer als Session-Eröffner ein Thema vorschlägt, hat zwar eine Art Moderatoren­funktion inne, ist aber den anderen Teilnehmern ansonsten gleichgestellt. Ein besonders großes Fachwissen ist also nicht erforderlich. „Es reicht z.B. aus, wenn der Session-Eröffner aus seinem Arbeitsalltag erzählt oder eine Frage zu einem bestimmten Bereich in den Raum wirft“, meint Probst. „Meist stellt sich eine fruchtbare Diskussion ein, von der am Ende alle profitieren.“

Frei, konstruktiv und konzentriert

Das Format der Unkonferenzen entstand aus der Erkenntnis heraus, dass auf den üblichen Konferenzen die interessantesten Gespräche oft in der Kaffeepause stattfinden. Also drehte man den Spieß um und machte den zwanglosen Austausch systematisch zur Hauptsache. Anders als man vermuten möchte, ist die Gefahr, dass besonders mitteilungsbedürftige Naturen das Wort an sich reißen, übrigens gering: „Innerhalb der Gruppe reguliert sich das automatisch“, betont Probst.

Es war dann auch ein anderer Umstand, der den Veranstaltern im Vorfeld des OpenUp Camps ein wenig Sorge bereitete: Der Veranstaltungsort war Internet-technisch nicht gut angebunden – ein Umstand, der sich auch nicht über eine mobile GSM-Anbindung sinnvoll verbessern ließ. Ein offenes drahtloses Netz in der benötigten Größenordnung war daher technisch nicht machbar. „Irgendwann haben wir aber realisiert, dass das vielleicht doch kein K.o.-Kriterium sein muss“, berichtet Probst. Und tatsächlich: „In der ersten Feedback-Runde am Samstagabend kann dann auch prompt die Rückmeldung, dass es super sei, ausnahmsweise kein WLAN zu haben. Dadurch könnten sich die Teilnehmer in den Sessions wieder intensiver miteinander und mit den Themen beschäftigen, anstatt immer wieder in die Online-Welt abzuschweifen“, freut sich der Mitorganisator.

Serie: Open Source 2014
Teil 1 fragt sich, wo eigentlich Linux steckt. Die Antwort: In Serverschränken, Smartphones und in jeder Menge Unterhaltungselektronik. Teil 2 schildert anhand der Beispiele Freiburg und München, wie die Umstellung auf OpenOffice und Open-Source-Systeme laufen kann. Teil 3 erklärt, was bei solchen Projekten zu beachten ist. Außerdem wollen wir wissen, wo es quelloffene Software für Unternehmenszwecke gibt.

Erfolgsmodelle für die Wirtschaft

Mit Spannung erwartete das Team auch, wie die Firmenvertreter den OpenUp Business Day am Vortag annehmen würden. Denn da sich der konkrete Mehrwert einer Unkonferenz schwer bemessen lässt und kaum vorherzusagen ist, reagieren viele Unternehmen noch zurückhaltend. Außerdem musste der OpenUp Business Day an einem Wochentag während der regulären Arbeitszeiten stattfinden, wohingegen das OpenUp Camp eine typische Wochenend­veranstaltung ist. Aus diesem Grund hatte man den OpenUp Business Day so gelegt, dass sich die Fortsetzung im OpenUp Camp am folgenden Tag ohne Mehrkosten für die Teilnehmer geradezu anbot.

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Schwarz auf Weiß
Dieser Beitrag erschien zuerst in unserem Magazin zum Open Up Camp 2014. Einen Überblick mit Download-Links zu sämtlichen Einzelheften bekommen Sie online im Pressezentrum des MittelstandsWiki.

Auch beim OpenUp Business Day drehte sich alles um offene Konzepte, wobei das Spannungsfeld beträchtlich war: „Auf der einen Seite gab es die klassischen Unternehmen und Konzerne, auf der anderen Seite die Open-Source-Idee mit ihren ganz eigenen Communities. Die Diskussion ergab jedoch, dass beide Seiten in gemeinschaftlichen Anwenderkonsortien ein neues Erfolgsmodell für die Wirtschaft sehen.“ Denn es zeigte sich, dass dem gefühlten Verlust von Kontrolle oder Intellectual Property ganz wesentliche Vorteile gegenüberstehen, allen voran die Unabhängigkeit von einzelnen Anbietern („Freedom from Vendor Lock-in“); hinzu kommen handfeste Vorteile wie offene Schnittstellen, die unabhängige Dienstleister einladen, Mehrwerte einzubringen, oder eine gesteigerte Innovationskraft.

Fazit: Der Letzte lässt die Tür auf

Die Teilnehmer tauschten sich in Nürnberg am OpenUp Business Day tatsächlich intensiv über die Ausgangssituationen, die rechtlichen Rahmenbedingungen und den Betrieb von Open-Source-Konsortien aus. Und das Kalkül ging auf. Wie Stefan Probst feststellen konnte, fanden tatsächlich etliche der über 50 Teilnehmer den Weg in das OpenUp Camp und ließen sich von der offenen Atmosphäre der Werkstattdiskussionen mitreißen.

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Das OpenUp Camp mit dem OpenUp Business Day haben Probst und seine Mitstreiter auf jeden Fall als festen Bestandteil in die Planung aufgenommen. Die Fortsetzung im nächsten Jahr ist bereits beschlossene Sache.

Nützliche Links

Vom OpenBusiness Day 2014 findet man die Vorträge des Vormittags online auf YouTube dokumentiert.