Serverkonsolidierung, Teil 2

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Geballte Ressourcen je nach Last

Von Sabine Philipp

Außer auf Blades kam Teil 1 dieser Serie bereits auf virtualisierte Serversysteme zu sprechen. Der Hauptvorteil davon ist, dass das Unternehmen dann flexibel Hauptspeicher und CPUs zuweisen kann. „Somit bekommt jedes System so viel Rechenleistung, wie es wirklich braucht“, sagt MittelstandsWiki-Fachmann Jens Tintrup. „Das ist besonders praktisch, wenn man viele Systeme hat, die hohe Peaks über den Tag verteilt haben, wie z.B. Datenbanken, die stündlich für fünf Minuten die Updates oder Indizierungen fahren und den Rest des Tages mehr oder weniger ruhen.“

Aus praktischer Erfahrung

Die Sache mit der Virtualisierung hat unter Umständen allerdings einen Haken. Denn nicht jede Software taugt für die Virtualisierung. Ob ein bestimmtes Programm, das Sie im Betrieb brauchen, für eine solche Umgebung überhaupt geeignet ist, kann man im Vorfeld schlecht erkennen. „Im Einzelfall müssen Sie das mit den Softwareherstellern abklären“, meint Tintrup.

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Jens Tintrup ist Geschäftsführer der Tintrup Com­puter GmbH. Als Kauf­mann und Netz­werk­spezialist weiß er, wie wichtig es für KMU ist, dass sich neue Infra­struktur bald be­zahlt macht. Weil das Lüding­hauser Unter­nehmen auf quali­fizierte (und zerti­fizierte) Her­steller­kontakte setzt, hat Tintrup genau im Blick, was die ein­zelnen Lö­sungen leisten.

Ein weiterer Nachteil ist, dass bestimmte Schnittstellen, z.B. USB, nicht zur Verfügung stehen. „Zudem ist die Performance in klein wenig schlechter als bei einem klassischen System“, meint der IT-Experte. Allerdings sei dies zu vernachlässigen: „Bei einem Linux-System würden die Einbußen 2 bis 4 % betragen, bei Windows 5 bis 10 %.“ Mit Blick auf die Vorteile sei dies sicherlich zu verschmerzen.

Der größte Schwachpunkt an virtuellen Servern ist aber die Virtualität an sich. Sobald das System ausfällt, kann das zu einem ernsten Problem werden. „Der Virtualisierung liegt ja immer ein Stück Software zugrunde, das zuerst gestartet wird“, betont Tintrup. „Danach werden die anderen Programme, die Gastsysteme, hochgefahren.

Serie: Serverkonsolidierung
Teil 1 stellt die beiden Haupt­strategien vor: Blades und Virtualisierung. Teil 2 sieht ge­nauer nach, wo vir­tuelle Systeme noch haken, und er­klärt, warum sie dop­pelt sicher sein müssen. Teil 3 wägt Ersparnis und Mehr­leistung ab; außer­dem gibt es Tipps für den Um­zug auf die neuen Maschinen.

Wenn sich also ein Softwarefehler einschleicht, sind sofort alle anderen Systeme betroffen, weil ohne den Start der Virtualisierungssoftware nichts läuft.“ Von Hardwarefehlern einmal ganz abgesehen. Nicht zuletzt schwelt weiterhin die entscheidende Frage, inwieweit das Startsystem anfällig für Hackerangriffe ist.

Mit feuerfesten Notfallplänen

Daher brauchen virtualisierte Systeme eine besonders gute Planung was Disaster Recovery bzw. Datensicherheit und -rettung angeht. Backups und eine Spiegelung der Systeme sind also exorbitant wichtig (übrigens kaum weniger bei physikalischen Servern). Daher ist es sinnvoll, ein zweites Rechenzentrum in einem zweiten Brandabschnitt im Gebäude anzubinden bzw. die Daten übers Internet an einen entfernten Ort zu spiegeln.

Spiegeln oder sichern?
Bei einer Spiegelung wird das ganze System in Echt­zeit auf einen parallelen Server übertragen – so wie ein Spiegel jede Bewegung mitmacht. Jede Ver­änderung wird sofort registriert. Eine Spie­gelung dient der Daten­sicherheit, d.h. wenn die Platten auf der einen Seite z.B. durch einen Brand, ausfallen, kann mit den Daten auf den gespie­gelten Fest­platten fast ohne Unter­brechung weiter­gearbeitet werden. Backups werden zusätzlich erstellt und dienen der Daten­sicherung. Dabei wird der Daten­bestand turnus­gemäß, meist nur einmal pro Tag, auf speziellen Medien abgespeichert.

Da der Prozess bei einer Spiegelung sehr rechenintensiv ist, weil die Maschinen große Datenmengen sowohl hoch- als auch herunterladen, werden Sie mit einem gutbürgerlichen ADSL-Anschluss nicht glücklich. Ein SDSL-Anschluss oder das besonders schnelle VDSL mit einem Upload-Download-Verhältnis von 50/10 MBit/s sollten es schon sein.

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Schwarz auf weiß
Dieser Beitrag erschien zuerst in unserer Magazin­reihe. Einen Über­blick mit freien Down­load-Links zu sämt­lichen Einzel­heften bekommen Sie online im Presse­zentrum des MittelstandsWiki.

Selbst voll professionelle Spiegelungssysteme machen Backups nicht überflüssig. Es kann immer geschehen, dass wichtige Dateien versehentlich oder durch Schadsoftware gelöscht werden. Wer dann keine Sicherungskopien parat hat, ist verloren.

Was die Serverkonsolidierung für den Speicherplatz bringt und was Unternehmen bei der Migration beachten sollten, schildert Teil 3 dieser Serie.

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