Service 2 Cloud Award 2010

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Eigene Server und Softwarepakete haben ausgedient

Von Thomas Jannot

Selbst Freiberufler und Einmannbetriebe kommen an virtuellen Dienstleistungen nicht mehr vorbei, wenn sie sich bei ihrer Buchhaltung nicht allein auf ihren Steuerberater verlassen. Früher oder später müssen sie Einkommensteuer und Umsatzsteuervoranmeldung über Elster oder Collmex erklären und dafür auf staatlich legitimierte Softwaredienstleistungen im Web zugreifen. Sobald die nächste Wirtschaftsprüfung auf den GoBD besteht, hängen selbst Totalverweigerer mitten im System. Tatsächlich nutzt mittlerweile nahezu jeder, der im Internet unterwegs ist, bereits Cloud-Dienste; er weiß es oft nur nicht.

Die Grenze zwischen SaaS und Cloud Computing ist nur für Experten deutlich. Beide sind IT-Geschäftsmodelle, beide machen IT als Dienstleistung übers Internet verfügbar und beide stellen präzise das in Rechnung, was über einen bestimmten Zeitraum tatsächlich gebraucht wird. Während sich SaaS dabei auf die Bereitstellung von Software konzentriert (was noch vor einigen Jahren Application Service Providing hieß), wagt sich der Cloud-Ansatz an so gut wie alles, was über ordentliche Leitungen vermittelbar ist: von Programmpaketen und Arbeitsumgebungen über Server- und Rechenleistung pur bis hin zu kompletten Infrastrukturen.

Schlicht und einfach

Für Dr. Astrid Auer-Reinsdorff, Fachanwältin für IT-Recht, beginnt Cloud Computing bereits beim klassischen Webhosting, wenn Kundendaten über ein Formular erfasst und weiterverarbeitet werden. Die Komplexität der Anwendung spielt für dieses Verständnis keine Rolle.

Das MittelstandsWiki zieht – wenn überhaupt – nur eine hauchdünne Grenze. Die Abrufbarkeit von mehr Rechenleistung über externe Hardware bei Bedarf macht den Unterschied. Ob ein mittelständischer Betrieb aber mit partiellen Softwaredienstleistungen im Web oder mit komplexen Rechenleistungen in der Wolke IT-Kosten spart, ist unerheblich. Hauptsache, die elektronische Datenverarbeitung (EDV) wird leichter, schneller und günstiger. Je weniger Geschäftsanwender darüber nachdenken müssen, umso besser.

Schlank und effizient

Wirtschaftlich interessant sind alle Anwendungen, die sich heutzutage komplett auslagern lassen. Das beginnt beim eigenen Webserver, geht über klassischen Festplattenspeicher und endet bei der revisionssicheren Datenarchivierung, die wenigstens bis zur gesetzlich vorgeschriebenen Aufbewahrungsfrist halten muss.

Angesichts der immer kürzeren Produktzyklen von Computerhardware und Softwareprogrammen ist es heutzutage von essenzieller Bedeutung, die eigene IT auf ein Minimum zu beschränken und flexibel zu halten, dabei aber nicht an Stabilität und Sicherheit zu verlieren. Wer sich keine eigene IT-Abteilung leisten kann, braucht kompetente Dienstleister, die mit der deutschen Gesetzgebung mithalten und laufend notwendige Aktualisierungen zeitnah umsetzen können. Gesetzliche Vorgaben und ständige Updates sind daher die neuralgischen Punkte, die vor allem kleinste, kleine und mittlere Unternehmen um ihr Kerngeschäft bringen können, sogar dann, wenn sie selbst auf IT-Dienstleistungen spezialisiert sind.

Garantien gegen Gebühr

Viele Softwareanbieter sind momentan dabei, ihre Programme mehr oder weniger voll funktionsfähig ins Web zu verlagern. Die Tage von eigenen Hardwareservern und Softwareverpackungen sind gezählt.

So bietet z.B. die Telekom Deutschland das Office-Paket von Microsoft als Softwaredienstleistung – direkt ausführbar übers Internet. Wer wie die meisten Anwender nur einen Bruchteil aller integrierten Funktionen klassischer Softwareanwendungen nutzt, spart sich den Kauf, die Installation und nervige Updates. Mit Google Docs und Apps geht das sogar völlig kostenlos.

Über die Frage, ob es eine kostenpflichtige oder kostenlose Anwendung sein sollte, entscheidet die Langfristigkeit. Keiner weiß, was Google mit unseren Daten tatsächlich anstellt. Die WLAN-Affäre im Street-View-Projekt hat deutlich gemacht, was geschieht, wenn man Googles Grundsatz „Don’t be evil“ blind vertraut. Während Google die wesentlichen Richtlinien bestimmt, können deutsche Unternehmen mit deutschen Anbietern beiderseitige Vereinbarungen treffen, was für kostenpflichtige Anwendungen spricht.

Aus eigener Erfahrung

Dies alles setzt Bandbreite voraus. Ohne DSL, UMTS oder Kabel geht so gut wie gar nichts. Gebündeltes ISDN ist das unterste Ende der Fahnenstange, das zumindest rudimentären Web-Anwendungen genügt. Wer eine schnelle Leitung hat, kann aus dem Vollen schöpfen. Dann ist es z.B. möglich, auf eigene Datenträger so gut wie zu verzichten. Apple iDisk, Microsoft SkyDrive und Strato HiDrive sind prominente Beispiele für schnelle und große Datenspeicher im Internet, auf die IT-Anwender von überall und jederzeit wie auf lokale Festplatten zugreifen können, als wären Platten im Computer vor Ort eingebaut.

Ein weiteres, viel versprechendes Anwendungsgebiet sind Telefonanlagen im Internet. Noch sind wirklich wichtige Kundengespräche auf Basis von Voice over IP (VoIP) mit Risiken und Unwägbarkeiten behaftet. Zwar nehmen die Qualitätseinbußen seit Jahren kontinuierlich ab. Aber wie der Teufel es will, kommt es ausgerechnet im alles entscheidenden Telefonat dann doch zu Störungen, die frustrieren. Es sei denn, man stützt sich auf das Komplettangebot eines einzelnen Anbieters, den man in die Pflicht nehmen kann. Ein guter Anfang ist z.B. Sipgate Team. Dabei handelt es sich um eine IP-Telefonlange für kleine und mittlere Unternehmen, die zumindest funktional mit jeder herkömmlichen TK-Anlage mithalten kann.

Die Redaktion des MittelstandsWiki testet seit einigen Monaten IPfonie von QSC. Diese IP-Anlage basiert auf einer optimierten DSL-Leitung des Anbieters und braucht genau wie Sipgate Team keine zwischengeschaltete Anschlussbox. Lediglich Netzwerkanschlüsse und IP-Telefone sind erforderlich. Die Bedienung erfolgt über eine Web-Oberfläche, die auf ausgelagerte Server bei QSC zugreift. Bis auf einen kurzen Totalausfall mit anschließendem Verlust sämtlicher Feineinstellungen ist es bislang zu keinerlei Verbindungsproblemen oder gar Gesprächsabbrüchen gekommen. Störende Verzögerungen oder lästige Nebengeräusche, die z.B. bei Skype an der Tagesordnung sind, gibt es bei QSC nicht.

Anbieter und Preisträger

Den gesamten Markt für Softwaredienstleistungen und Cloud-Lösungen in einem redaktionellen Artikel auf wenigen Seiten zu katalogisieren, ist aussichtslos. Zu viele unterschiedliche Dienste gibt es bereits, und neue kommen täglich hinzu. Aus diesem Grund hat sich das MittelstandsWiki in seiner Übersicht auf Anbieter konzentriert, die in der redaktionellen Tagesarbeit aufgefallen sind, oder die sich für den Service 2 Cloud Award 2010 beworben und qualifiziert haben.

Service 2 Cloud Award – die Kandidaten*

  • Amazon | Einer der populärsten Webservices weltweit, mit dem modulare Auslagerungen von hochverfügbaren Rechenleistungen für große Projekte möglich sind.
  • BizTelligence Consulting | Ein Brückenschlag zwischen klassischen Marketing-Instrumenten, wie z.B. Kundenkarten, und weboptimierten Punkteprogrammen.
  • GFI Software | Eine Softwaredienstleistung für Fernwartung mit Schwerpunkt auf lokalen Steuerungsmöglichkeiten, die z.B. die Auswahl gestatten, in welchem Land Daten gespeichert und verarbeitet werden.
  • Google | Ein kostenloses Office-Paket im schlichten Google-Design, mit dem auch das MittelstandsWiki redaktionelle Dokumente im Team verwaltet und bearbeitet.
  • Haufe-Lexware | Eine kleine, aber feine Online-Lösung für Rechnungen, Angebote und Aufträge, die dem klassischen Schuhkarton mit Belegen Paroli bietet.
  • hiogi | Eine Service-Einrichtung, über die Kunden eines Unternehmens sich gegenseitig helfen, Verbesserungsvorschläge machen und mit Mitarbeitern diskutieren.
  • Krämer IT Solutions | Eine Komplettlösung zur Überwachung von Netzwerken, Servern und Systemen mit Alarmfunktion bei Handlungsbedarf.
  • Mamut-Lexware | Ein Komplettpaket mit Komponenten von Lexware und Haufe, das über ein Online-Portal unternehmerisches Wissen und Werkzeuge integriert.
  • mCRUMBS.com | Eine Smartphone-Anwendung für erweiterte Realitäten (Augmented Reality), mit der Objekte in der realen Welt um digitale Informationen ergänzt werden.
  • Oracle Deutschland | Ein vollständiges CRM-System für Vertrieb, Marketing, Service und Kontaktzentrum zu einem Preis, der mit Salesforce mithalten kann.
  • Peritor | Eine skalierbare Web-Anwendung für Hardware-Infrastrukturen, die so genannte Cluster einrichtet, verwaltet und überwacht. Mit vollautomatischer Selbstheilung von Systemkomponenten.
  • Planio | Eine besonders schlanke Lösung zur koordinieren Planung und Durchführung von Projekten, mit der auch das MittelstandsWiki arbeitet. Mit Ticketsystem, Zeiterfassung, Meilensteinen und Gantt-Diagrammen.
  • QSC | Eine hochwertige Telefonanlage mit Weboberfläche, die mit einer DSL-Leitung von QSC und empfohlenen Telefonen am besten funktioniert.
  • Salesforce | Eines der praktikabelsten und von vielen Drittanbietern unterstützten CRM-Systeme, mit dem auch das MittelstandsWiki seine Autoren, Kunden und PDF-Abonnenten verwaltet.
  • Scopevisio | Eine komfortable Finanzbuchhaltung für Gründer, Freiberufler, kleine Unternehmen, Handwerker und Vereine. Mit Einnahme-Überschuss-Rechnung, Elster und Buchungsvorlagen.
  • Sipgate | Eine Telefonanlage im Internet, die völlig ohne Telefongesellschaft, Telefonleitung und TK-Anlage auskommt. Mit Durchwahl, Fax, SMS und Voicemail.
  • StoneOne | Eine Plattform mit vorgefertigten und standardisierten Komponenten für unterschiedliche Web-Anwendungen. Mit zentraler Steuerung von Prozessen.
  • Strato | Ein Komplettsystem für vollständig ausgestaltete Web-Auftritte für kleine und mittlere Unternehmen. Mit CRM-System, Dokumentenverwaltung, Kalenderfunktionen, Forum, Blog und Wiki.
  • Telekom Deutschland | Ein Softwareportal, bei dem es unter anderem Microsoft Office auf Mietbasis zu monatlichen Preisen direkt abrufbar übers Internet gibt.
  • To Do | Ein hochverfügbares Cluster für Softwareanwendungen und Daten mit unterschiedlichen Anforderungen an Speicherbedarf und Rechenleistung.
  • Unicloud | Ein Komplettbüro mit kombinierbaren Modulen, Groupware, Outlook-Unterstützung, Kundenverwaltung (CRM), Projektverwaltung, Webkonferenzen und gesetzeskonformen E-Mail-Archiv.
  • Xsite | Eine E-Commerce-Plattform mit Verwaltung von internationalen Online-Shops und umfangreichen Tools zur weiteren Absatzförderung, für Online-Marketing und für Geschäftsprozesse.
* in alphabetischer Reihenfolge

Es wäre nahe liegend, dass auf der IT Profits 6.0 eine Softwaredienstleistung den Service 2 Cloud Award gewinnt, mit der das MittelstandsWiki bereits selbst gerne und erfolgreich arbeitet. Auf dieser Basis wären Google, IPfonie, Salesforce, Sipgate und Planio potenzielle Gewinner.

Gegen Google spricht jedoch eine bedrohliche Abhängigkeit von vielen kleinen Softwaredienstleistungen wie z.B. Adsense, Analytics und Webmaster Tools. Der Weltmarktführer kann seinen Richtlinien gemäß jederzeit den Hahn einfach zudrehen und damit unsere Existenzgrundlage ruinieren. Auch andere verpassten das Siegertreppchen nur knapp: QSC hätte gewinnen können, wenn es diesen einen Datenverlust nicht gegeben hätte. Salesforce kann nicht gewinnen, solange deutsche Kundendaten auf amerikanischen Servern gespeichert werden. Sipgate könnte gewinnen, wenn die Qualität von Telefonaten mit Voice over IP zu 99,9 % konstant bleiben würde. Planio hätte gewonnen, wenn auf unsere Frage nach einer steuerlich absetzbaren Rechnung eine zeitnahe Antwort erfolgt wäre.

Gewonnen hat LexLive von Haufe-Lexware. Bei dieser Anwendung hat zugegebenermaßen die engagierte Präsentation eines auffallend gut informierten Geschäftsführers bleibenden Eindruck hinterlassen. LexLive ist so schlank wie Planio, so unmissverständlich nützlich wie Sipgate, so pekuniär relevant wie Salesforce, so hochwertig wie QSC und last but not least so viel mehr kundenfreundlicher als Google. Wenn LexLive in einer künftigen Version prüfungsrelevant signierte PDF-Rechnungen verschicken könnte, würden auch wir es „kaufen“.

… und noch mehr Gewinner

Software as a Service und Cloud Computing sind clevere Geschäftsmodelle, an denen alle Seiten – Anbieter, Zulieferer und Kunden – zu fairen Teilen partizipieren können. Anbieter profitieren von Skaleneffekten, Zulieferer durch effiziente Einbeziehung und Kunden von weniger IT zum Selbstzweck. Wer die Ressourcen seiner EDV-Abteilung auf ein Minimum verkleinern und stattdessen ins Kerngeschäft investieren kann, hat auf Dauer mehr Freude an der Arbeit.

Einziger Knackpunkt ist die geschäftskritische Abhängigkeit von Internet-Verbindungen – und von absolut seriösen Geschäftspartnern, die unsere Daten über viele Jahre hinaus jederzeit abrufbar halten und in der Lage sein müssen, damit auch zu 100 % vertrauenswürdig umzugehen.

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