Smart City, Smart Country

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Dorfprogrammierer brauchen Breitband

ThomBal

Von Oliver Schonschek

Hamburg ist die deutsche Hauptstadt der IT-Spezialisten. Dort arbeiten 3,8 % aller sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten als Informatiker oder in anderen ITK-Berufen, so eine Bitkom-Studie. Dahinter folgen Hessen (2,9 %), Baden-Württemberg (2,8 %), Bayern und Berlin (je 2,7 %) sowie Bremen (2,4 %). In einem Flächenland wie Rheinland-Pfalz sind es 1,5 %. Bedenkt man, wie wichtig die Digitalisierung für die deutsche Wirtschaft ist – nicht nur in den Augen der Bundesregierung –, besteht somit gerade in den Flächenländern Bedarf an IT-Fachkräften.

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Städte wie Hamburg, Berlin und Bremen stehen im Vergleich gut oder sehr gut da. Es ist kein Zufall, dass Hamburg auch als Smart City eine gute Figur macht. Überhaupt scheinen Städte stärker im Fokus zu stehen, wenn es um die Digitalisierung geht. Viele Studien drehen sich um die Smart City: „Konnektivität 2040: Auf dem Weg in die Smart City“, „Smart-City-Charta für Deutschland“ oder das „Ranking digitalste Städte Deutschlands“. Das sind nur einige Beispiele von vielen.

Digitale Dörfer bleiben lebendig

Über die Chancen der Digitalisierung für den ländlichen Raum wird richtigerweise auch gesprochen. Immerhin leben oder arbeiten etwa 40 % der Deutschen heute auf dem Land, wie PwC hervorhebt, und mit rund 75 % der Gesamtfläche prägt der ländliche Raum das Landschaftsbild Deutschlands. Initiativen wie „eDorf“ und „Digitale Dörfer“ zeigen, dass die Digitalisierung das Leben auf dem Land smarter und einfacher machen kann. Mit dem Internet und Online-Diensten kann man einiges gegen die Ursachen der um sich greifenden Landflucht tun.

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Oliver Schonschek bewertet als News Analyst auf MittelstandsWiki.de aktuelle Vorfälle und Entwicklungen. Der Fokus liegt auf den wirtschaftlichen Aspekten von Datenschutz und IT-Sicherheit aus dem Blickwinkel des Mittelstands.

Es gibt bereits viele Beispiele, wie die Digitalisierung zur Chance für ländliche Regionen wird, darunter dieses: „Mithilfe der Digitalen-Dörfer-App wird das Angebot des Einzelhandels in der Verbandsgemeinde Betzdorf gebündelt und online verfügbar gemacht werden, sodass Waren bei teilnehmenden Geschäften bestellt werden können. Diese Pakete wiederum können durch ehrenamtliche Helfer nach Hause oder an eine Paketstation geliefert werden – das ist Nachbarschaftshilfe 2.0.“ Initiativen wie „Smart Rural Areas“ und „Smart Country“ werden noch eine Vielzahl weiterer Ideen hervorbringen, wie sich das Leben am Ende der Landstraße durch moderne Technologien attraktiver machen lässt. Das ist gut und wichtig.

Junge IT-Unternehmen zieht es aufs Land

Das Land außerhalb der Ballungsregionen braucht aber auch attraktive Arbeitsplätze. Ein entscheidender Punkt muss deshalb noch stärker in die Diskussion aufgenommen werden: die Netzanbindung. Denn der ländliche Raum hat großes Potenzial, gerade Start-ups und junge IT-Unternehmen anzuziehen, wenn die Breitbandversorgung auf dem Land stimmt. Hier besteht allerdings deutlicher Handlungsbedarf: „Nach wie vor fehlt ein überzeugendes ambitioniertes Konzept für den flächendeckenden Breitbandausbau, auch wenn zuletzt immerhin die finanzielle Förderung angehoben wurde. Flächendeckende Übertragungsgeschwindigkeiten von 50 MBit/s bis 2018 – so das derzeitige Ziel – sind nur eine Übergangslösung, das dürfte jedem mittlerweile bewusst sein“, so ein Statement des eco-Verbandes zur Digitalen Agenda der Bundesregierung.

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Thema: Breitbandausbau:
Dr. Jürgen Kaack hat eine Reihe von Projekten als Berater begleitet. Einige aus der Region Nordrhein-Westfalen stellt er ausführlicher als Best-Practice-Beispiele vor: Arnsberg, Ennepetal, Erftstadt, Erkelenz und Wegberg sowie die Lage im gesamten Kreis Heinsberg, ferner Geilenkirchen, Haltern am See, Kaarst, Nettetal und Rheurdt. Außerdem berichtet er von der T-City Friedrichshafen, erläutert die möglichen Geschäftsmodelle im kommunalen Breitbandausbau sowie die Optionen der NGA-Rahmenregelung und setzt auseinander, wo Vectoring seine Haken hat. Nicht zuletzt skizziert er die Prinzipien einer Breitbandstrategie NRW und macht handfeste Vorschläge für eine umfassende Breitbandstrategie. Seine gesammelten Erfahrungen sind 2016 in der Reihe MittelstandsWiki bei Books on Demand erschienen: „Schnelles Internet in Deutschland“ (Paperback, 220 Seiten, ISBN 978-3-946487-00-5, 9,99 Euro).

Andere Standortargumente, die IT-Gründern wichtig sind, sprechen schon jetzt für den ländlichen Raum. Das Stichwort lautet Lebensqualität, die es eben nicht nur in der Stadt gibt. In dem Beitrag „Digitalisierung des ländlichen Raums“ der Bundeszentrale für politische Bildung findet man ein schönes Beispiel, was Gründer auf dem Land suchen: „Ein schönes Haus und Breitband“. Im Gegenzug bekommen die Flächenregionen erfolgreiche, junge Unternehmen: „In der Gemeinde Wendeburg, in der Nähe von Braunschweig, hat sich ein junger Mann mit einem Blumenversand im Internet selbstständig gemacht. Mittlerweile ist er mit seinem Start-up einer der größten Gewerbesteuerzahler der Gemeinde. Ein Beispiel dafür, wie die Digitalisierung dem Fachkräftemangel in den Regionen entgegenwirken könnte.“

Ein weiteres Beispiel zeigt, womit der ländliche Raum ebenfalls punkten kann, wenn es darum geht, IT-Experten anzuziehen: „Die Idee, den eigenen Hightech-Beruf mit entspannender Gartenarbeit und Bienenzucht vereinbaren zu können, begeistert viele der städtischen IT-Freaks.“ Das gilt nicht nur für das IT-Dorf in Bulgarien, von dem die Stuttgarter Zeitung berichtet.

Fazit: Digitalisierung ist eine Flächenaufgabe

Ländliche Regionen und Gemeinden sind attraktiv für IT-Experten und Start-ups, wenn die Internet-Versorgung stimmt. Davon profitieren wiederum die Dörfer und Gemeinden, in denen günstige Gewerberäume bislang leer stehen. Nicht zuletzt schickt sich das Internet der Dinge an, auch die Landwirtschaft selbst mit intelligenter Automatisierung zu verändern. Smarte Unternehmen findet man dann nicht nur in den Smart Cities, sondern auch in den Smart Villages. Der Digitalisierung des ländlichen Raumes kommt letztlich eine entscheidende Bedeutung für die Digitalisierung Deutschlands insgesamt zu.

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