IT-Cloud-Index Q3/2013, Teil 3

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Heute Private Cloud, morgen Hybrid

Von Max Schulze, techconsult

Vor dem Hintergrund der weltweiten Spionageaktivitäten des US-Geheimdienstes hätte man einen Rückgang bei der Nutzung und Planung von Cloud Services als wahrscheinlich angenommen. Diese Prognose scheint sich jedoch nicht zu bewahrheiten, denn mehr als 60 % der für den IT-Cloud-Index im dritten Quartal 2013 befragten mittelständischen Unternehmen wollen die Cloud-Technologie auch in Zukunft einsetzen. Die Ergebnisse zeigen aber auch, dass die Anwenderunternehmen vorsichtiger geworden sind.

Wie empfindlich die Sicherheitsthematik im Mittelstand wahrgenommen wird, zeigt sich vor allem in der Frage nach dem Cloud-Bezugsmodell: Die befragten Unternehmen, die sich für Cloud Services entscheiden, wählen nun wesentlich häufiger eine speziell zugeschnittene Private Cloud als standardisierte Public Clouds oder eine Kombination (Hybrid Cloud) aus beiden. Im Gesamtbefund steht Cloud Computing alles andere als schlecht da: In der dritten Welle der quartalsweise durchgeführten Befragung unter Business- und IT-Verantwortlichen im deutschen Mittelstand konnte die Technologie noch vor den aktuellen Trendthemen Mobility und Bring Your Own Device punkten.

Die Wirtschaft bleibt in der Wolke

Rund 62 % der 200 befragten mittelständischen Unternehmen haben vor, in den nächsten zwölf Monaten Cloud-Computing-Lösungen in ihren Unternehmen einzusetzen. Kombiniert mit den Ergebnissen aus der techconsult-Langzeituntersuchung ergibt das ein deutliches Bild: Cloud Computing hat sich als standardisierte Technologie im deutschen Mittelstand etabliert.

IT-Cloud-Index Technologien.jpg Trotz Abhörskandal behält die Cloud ihren Spitzen­platz unter den geplanten Techno­logien – noch vor den Trend­themen Mobility und BYOD. (Bild: techconsult)

Auf Basis der ersten Erhebungen lässt sich schluss­folgern, dass eine ein­gehendere Aus­einander­setzung mit den Möglich­keiten und Chancen von Cloud Computing zu einer signifikant höheren Nutzen­bewertung solcher Lösungen geführt hat. In der Folge ist eine höhere Bereitschaft zum Einsatz von Cloud Services zu verzeichnen. Der Bedarf nach erhöhter Flexibilität und speziell die Reduktion der Gesamt­betriebs­kosten sind bis heute entscheidende Gründe für den weiteren Einsatz.

Serie: IT-Cloud-Index Q3/2013
Teil 1 sieht sich an, was den Mittelstand aktuell von Cloud-Lösungen abhält. Seit PRISM sind das eindeutig Sorgen um die Datensicherheit. Teil 2 beobachtet, dass der Standort Deutschland vom Misstrauen in US-Dienste profitiert: Services, die über deutsche Rechenzentren laufen, haben gute Chancen für die Zukunft. Teil 3 stellt einen deutlichen Trend in Richtung Private Clouds fest. Langfristig wird er auf hybride Lösungen hinauslaufen.

Interessant sind die Ergebnisse besonders in Anbetracht der bekannt gewordenen Spähprogramme PRISM und Tempora, die auch das Cloud-Konzept infrage gestellt haben. Denn die Befragung zeigt, dass die Unternehmen generell weiter auf die Cloud-Technologie setzen werden. Die Abhöraktivitäten der Geheimdienste haben Cloud-Lösungen nicht grundsätzlich ins Abseits gestellt, vielmehr haben sie dazu beigetragen, dass die Anwenderunternehmen die genutzten Dienste zukünftig noch detaillierter begutachten werden. Wenn Anwenderunternehmen von Cloud-Anbietern hohe Sicherheitsstandards einfordern, wird das den Cloud-Markt langfristig transparenter gestalten und den Fortbestand der Cloud-Technologie sichern. Darüber hinaus wäre eine flächendeckende Sicherheitskennzeichnung sinnvoll, um den Anwenderunternehmen die Auswahl von Cloud-Dienstleistungen zu erleichtern.

NFC gilt als Hochrisikopatient
Der prognostizierte Trend des kontaktlosen Austausches von Daten per NFC (Near Field Communication) hat es im Gegensatz zur Cloud nicht geschafft, sich zu etablieren. Anwenderunternehmen wie Anbieter sehen den durchaus praktikablen Übertragungsstandard mit zu vielen Sicherheitsbedenken verbunden. Zwar findet die Funktechnik beim Micropayment-Verfahren durchaus Anwendung, jedoch sind die vorhandenen Zahlungsstellen im deutschsprachigen Raum eher selten anzutreffen. Langfristig gesehen könnte die NFC-Technologie damit am Ende sein, noch bevor sie ihre Potenziale voll ausgespielt hätte. Das Umfrageergebnis mit 9 % deutet zudem darauf hin, dass Near Field Communication bei befragten Unternehmen zu den unbedeutendsten Themen des kommenden Jahres zählt. NFC kann daher tendenziell als Flop unter den IT-Technologien gewertet werden.

Kontrollierte Modelle haben Vorrang

Wie sehr die Wirtschaft für Sicherheitsfragen sensibilisiert ist, zeigt der Umstand, dass Cloud Services vorwiegend in kontrollierten Private-Cloud-Modellen Anwendung finden. So geben 58 % der befragten Unternehmen an, die Wolke in kontrollierten Private-Cloud-Umgebungen zu nutzen. Die Gründe dafür sind darin zu sehen, dass die Firmen Sicherheits- und Kontrollverlust befürchten, nicht zuletzt aufgrund der bekannt gewordenen Spionageskandale.

IT-Cloud-Index Bereitstellungsoptionen.jpg Eine Private Cloud ist momentan das Instrument der Wahl. Lang­fristig wird sich die Nutzung aber eher bei hybriden Lösungen ein­pendeln. (Bild: techconsult)

Private Clouds ermöglichen zwar individuelle Anpassungen an die speziellen Anforderungen der Anwender­unternehmen, bedingen jedoch auch höhere Service­kosten und geringere Skalen­erträge im Vergleich mit einer Public Cloud. Die negative Bericht­erstattung in Zusammen­hang mit den Spionage­skandalen hat dazu geführt, dass die Nutzung von Public Cloud Services wieder zurück­gefahren wird, die bisher punktuell und temporär zur Deckung eines konkreten Bedarfs eingesetzt wurden. Darunter leidet ein nachhaltiger strategischer Einsatz in den Anwenderunternehmen.

Fazit: Sicherheit und Effizienz kombiniert

Auf lange Sicht werden jedoch hybride Cloud-Modelle, also die Kombination von Private und Public Cloud wieder gewinnen. Die befürchteten Nachteile einer Hybrid Cloud (verminderte Eingriffsmöglichkeiten sowie eine geringe Leistungsfähigkeit und Verfügbarkeit) werden den Vorteilen einer flexibel zuschaltbaren IT-Infrastruktur, die sonst dauerhaft im Unternehmen vorgehalten werden müsste, weichen.

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