Taiwan, Teil 2

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Hightech unter Volldampf

Von Sabine Philipp

Schon längst hat sich Taiwan vom Image als Produzent von Billigplastik befreit. Der Inselstaat setzt erfolgreich auf Hightech und Forschung. Computer, TFT-LCDs, elektronische Geräte, Solarzellen, Fahrräder, Halbleiter und elektronische Bauteile waren die wichtigsten Exportgüter, die laut taiwanesischer Wirtschaftsabteilung 2008 nach Deutschland ausgeführt wurden. Im Gegenzug hat die Bundesrepublik Chemieprodukte, Autos, Maschinen, Halbleiter, Silizium, Arzneimittel und Windkraftanlagen nach Taiwan exportiert. Für die Zukunft, so die Experten gegenüber dem MittelstandsWiki, sei ein Schwerpunkt im Chemie- und Umweltsektor, im Maschinenbau und im Lifestyle denkbar. Für deutsche Luxusprodukte, Kosmetika und Nahrungsmittel bestehe ebenfalls ein großes Interesse. Denn es gibt eine relativ gut verdienende Mittelschicht.

Man darf nicht vergessen, dass Taiwan kein armes Land ist. Die Löhne sind relativ hoch, was Taiwan aus dem Kreis der klassischen Billiglohnländer wirft. Selbst die einheimischen Unternehmer lagern arbeitsintensive Prozesse in preisgünstigere Länder wie Vietnam oder die VR China aus. Dafür versucht das Land sich als F&E-Standort zu etablieren. Unterstützung vom taiwanesischen Staat gibt es dazu.

Sonderzonen für Forscher

Taiwan kann nicht nur mit gut ausgebildetem Personal dienen. Es existieren auch drei große Wissenschaftsparks, die mit öffentlicher Hilfe errichtet wurden und die in Sonderwirtschaftszonen stehen. Daneben gibt es gerade im Forschungsbereich diverse Fördermaßnahmen und Steuererleichterungen.

Serie: Taiwan
Teil 1 stellt das Land vor und korrigiert einige billige Vorurteile. Teil 2 sieht sich den Standort und seine Chancen genauer an. Teil 3 sagt, was Unter­neh­mer vor Ort beachten sollten, und gibt Tipps für den Handel.

Überhaupt ist der taiwanesische Staat bemüht, die Konjunktur am Laufen zu halten. So werden aktuell staatliche Investitionsprogramme wie die I-Taiwan 12 Projects aufgelegt, mit denen bis 2016 insgesamt zwölf Infrastrukturvorhaben realisiert werden sollen. Zurzeit soll auch verstärkt in erneuerbare Umwelttechnologien investiert werden, da das Land unabhängig von den Importen fossiler Brennstoffe werden möchte. Taiwan verfügt dank seiner tektonischen Lage zwischen Eurasischer und Philippinischer Platte zwar über zahlreiche heiße Quellen, doch sie werden bislang nicht zur Energiegewinnung, sondern für den Tourismus genutzt, der im Aufwind ist.

Wachstumsmarkt Tourismus

Noch ist Taiwan als Urlaubsland in Deutschland noch relativ unbekannt. Das ändert sich aber vielleicht bald. Der Staat hat schöne Landschaften, heiße Quellen, chinesische Kulturschätze, und gutes Essen zu bieten. Daneben fördert das taiwanesische Fremdenverkehrsamt den Tourismus aktiv und lässt sich immer wieder Ideen einfallen wie die Vergabe von kostenlosen Spa- oder Duty-Free-Gutscheinen. Auch hier könnte Potenzial bestehen. Selbst wenn die Zahl der westlichen Touristen noch klein ist. Bei japanischen Touristen ist Taiwan als Urlaubsziel schon sehr beliebt.

Partnerschaften leicht gemacht

Wer einen Geschäftspartner oder Zulieferer sucht, kann entweder auf der Seite www.taiwantrade.com.tw selbst auf die Suche gehen oder sich an die taiwanesischen Handelsförderungsorganisation Taiwantrade wenden. Dort arrangiert man Treffen mit Zulieferern oder stellt Ihnen eine Liste mit potenziellen Partnern zusammen. Für größere Kunden wie Siemens werden sogar eigene Beschaffungskonferenzen abgehalten.

Eine weitere Möglichkeit, Geschäftspartner zu finden, sind Messebesuche und eine Messebeteiligung in Taiwan. Das Auslandsmesseprogramm der Bundesrepublik Deutschland macht eine günstige Teilnahme möglich. Welche Messen es gibt, steht im Messekalender von Tapei Trade Shows.

Fazit: Sprungbrett für Asien

Taiwan hat Potenzial: als Markt, Produktionspartner und als Testgebiet und Sprungbrett für das chinesische Festland. Dabei haben KMU relativ leichtes Spiel. Der Handel ist unkompliziert und viele Probleme, die bei Geschäften mit der VR China auftreten, wie z.B. die Industriespionage, sind hier weniger stark ausgeprägt.

Mehr über die Eigenheiten des Landes und die Gemeinsamkeiten mit Deutschland erfahren Sie in Teil 3 dieser Serie.

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