Unified Communications, Teil 2

Aus MittelstandsWiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Das Kreuz mit den Standards

Von Uli Ries

Dass Unified Communications ohne Voice over IP gar nicht möglich wären, hat Teil 1 dieser Serie gezeigt. VoIP ist der entscheidende Schritt der Technologie-Konsolidierung. Er holt Sprache ins IP-Netz.

Die schlechte Nachricht ist, dass es immer noch genügend Schwierigkeiten mit VoIP gibt. Im Gegensatz zu E-Mail- oder Videokonferenzlösungen, die inzwischen vergleichsweise leicht zu beschaffen und zu installieren sind, geht dies bei VoIP in der Praxis noch nicht ganz so glatt.

Trotzkopf und Sorgenkind

Zwar setzen so gut wie alle Produkte auf die Standards SIP (Session Initiation Protocol) oder H.323, doch bedeutet das noch lange nicht, dass die VoIP-Komponenten auch so reibungslos zusammenspielen, wie dies z.B. WLAN-Komponenten verschiedener Hersteller tun. So gibt es nach wie vor Ärger, wenn VoIP-Anlage (IP-PBX) und Telefone nicht aus einer Hand stammen oder nicht füreinander zertifiziert sind. Das Ergebnis: Bestens vertraute Telefonfunktionen wie Rufumleitungen oder das Holen eines anderen Anrufs schlagen fehl, sobald herkömmliche Anlagen durch VoIP-Systeme ersetzt werden.

Ähnliche Stolpersteine liegen im Weg, wenn die Anlage auch nach draußen per VoIP und nicht länger per ISDN angebunden werden soll. Denn auch die VoIP-Provider legen die Standards oft anders aus als die Anlagenhersteller. Funktionsunfähige Rufumleitungen oder verstümmelte abgehende Rufnummern sind hier nur zwei der häufigsten Probleme.

Serie: Unified Communications
Teil 1 findet die Vor­stel­lung einer bruch­losen Kom­munikations­welt im Unter­nehmen prima. Voice over IP spielt hier die ent­schei­dende Rolle. Teil 2 macht klar, warum gerade VoIP immer noch der heikle Punkt im System ist. Stich­wort: Standards. Teil 3 dreht den Marketing-Spieß um und er­kundigt sich, was IT-Verant­wortliche erwarten. Teil 4 benennt die Schwach­stellen und sagt, was in Sachen Sicher­heit zu tun ist.

Vor der Anschaffung einer Anlage sollte also auf jeden Fall geprüft werden, mit welchen Endgeräten und Providern die IP-PBX zusammen spielt. Auch gilt es beim Einsatz des beliebten E-Mail-Servers Microsoft Exchange  2007 zu beachten, dass dieser zwar SIP-kompatibel ist, SIP aber über das Transmission Control Protocol (TCP) erwartet. Nicht jedes VoIP-Gateway ist hierzu kompatibel.

Launische Notwendigkeit

Das Charmante an VoIP-Anlagen ist dennoch, dass sie oft nur einen Bruchteil einer herkömmlichen Telefonanlage kosten – oder sogar gratis sind, wie die Software 3CX oder die Open-Source-Lösung Asterisk. Dann laufen die Anlagen auf herkömmlichen Windows- oder Linux-PCs. Das klingt enorm attraktiv, da die Kosten entsprechend niedrig sind.

Der Haken an der Sache ist, dass die Gefahr eines Ausfalls steigt, da ein normaler PC niemals so zuverlässig arbeitet wie eine speziell für diesen Zweck gebaute Telefonanlage. Wo auch die Außenkommunikation über VoIP stattfindet, kommt mit der notwendigen Breitbandanbindung eine weitere unsichere Komponente hinzu. Zwar funktioniert DSL inzwischen weitgehend problemlos, aber an die Ausfallsicherheit klassischer ISDN-Leitungen kommt die Datenanbindung noch nicht heran. Websurfer oder E-Mail-Server stört es nicht, wenn die Leitung für einen winzigen Moment getrennt wird. Ein per VoIP geführtes Telefonat bricht aber sofort zusammen.

Was vom Markt erwartet wird

Eines ist daher allen UC-Lösungen gemein: Sie erfordern erheblich mehr Installations- und Administrationsaufwand als eine herkömmliche Telefonanlage und ein alleinstehender E-Mail-Server. Die von größeren IT-Installationen bekannte Komplexität lässt sich vollkommen auf Unified-Communications-Systeme übertragen, da sie ein Mix aus reinrassigen IT-Produkten sind – mit allen Vor- und Nachteilen.

Was bei der Unternehmenskommunikation auf IP-Basis sicherheitstechnisch unbedingt zu beachten ist, wird Teil 4 dieser Serie ausführen. Warum die schwierige UC-Position zwischen Informationstechnologie und Telekommunikation die Marktlage für Unternehmen nicht leichter macht, erklärt Teil 3 dieser Serie.
Uli-Ries.jpg

Uli Ries ist freier Journalist und Autor mit abgeschlossene journalistischer Ausbildung und langjähriger Erfahrung (u.a. bei CHIP, PC Professionell und www.notebookjournal.de). Seine Spezialgebiete sind Mobilität, IT-Sicherheit und Kommunikation – zu diesen Themen tritt er immer wieder auch als Moderator und Fachreferent auf.


Kontakt via Xing

Nützliche Links

Über das ENUM-Protokoll zur einheitlichen Rufnummernidentifizierung gibt Matthias Maier von der DENIC im Interview Auskunft.