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Werkzeug in der Datenwirtschaft

© Bosch

Von Dirk Bongardt

Heimwerker greifen zur grünen, Handwerksprofis zur blauen Serie: Kaum jemand, der die Werkzeuge aus dem Hause Bosch nicht kennt und schätzt. Dabei ist die Werkzeugsparte nur einer von einer ganzen Reihe von Geschäftszweigen der Robert Bosch GmbH. Daneben stellt das Unternehmen Industrie-, Energie- und Gebäudetechnik her, außerdem Haushaltsgeräte, und ganz nebenbei ist Bosch der weltweit größte Automobilzulieferer. 1886 als „Werkstätte für Feinmechanik und Elektrotechnik“ in Stuttgart gegründet, ist die Bosch-Gruppe heute in rund 60 Ländern vertreten, und beschäftigt weltweit etwa 395.000 Mitarbeiter.

Umsatzrekord trotz Pandemie

Im Jahr 2020 gab es nur wenige Branchen, die den pandemiebedingten Einschränkungen trotzen konnten. Um so erstaunlicher las sich im März 2021 die Mitteilung von Bosch Power Tools: Der Umsatz dieses Unternehmenszweiges hatte im Jahr 2020 wechselkursbereinigt international um 9 % zugelegt. Auf dem deutschen Absatzmarkt hatten die Elektrowerkzeuge gar ein Umsatzplus von 23 % zu verzeichnen. Fast überall hatte Bosch mit seinen Zuwächsen die allgemeine Marktentwicklung übertroffen.

Die Stärke der Marke Bosch ist sicher einer der Gründe. Zwei weitere Faktoren, die den Ausschlag für das außergewöhnliche Ergebnis gegeben haben dürften, sieht man bei Bosch in den Innovationen und der – schon lange vor der Pandemie eingeschlagenen – Multichannel-Strategie. Henk Becker, Vorsitzender des Bereichsvorstands von Bosch Power Tools, konstatiert: „Das Informations- und Kaufverhalten unserer Verwender hat sich rasant geändert – dementsprechend haben wir sowohl unser digitales Informations- und Interaktionsangebot als auch die Zusammenarbeit mit Multichannel- sowie Online-Händlern erweitert.“ Bosch war deshalb in der Lage, sehr kurzfristig Direktlieferungen von Online-Bestellungen an die Endkunden zu gewährleisten.

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Schwarz auf Weiß
Dieser Beitrag ist zuerst in unserer Magazin­reihe „IT-Unternehmen aus der Region stellen sich vor“ erschienen. Einen Über­blick mit freien Down­load-Links zu sämt­lichen bereits verfügbaren Einzel­heften bekommen Sie online im Presse­zentrum des MittelstandsWiki.

Bosch konnte Heim- und Handwerkern im Jahr 2020 aber auch mehr als 100 Produktneuheiten bieten. Darunter waren rund 30 neue Geräte aus dem Akku-Portfolio. Zu den auffälligsten Geräten gehören die Bohrhämmer, Schrauber und Sägen der Biturbo-Reihe, die in ihrer Leistungsfähigkeit auf Augenhöhe mit netzbetriebenen Geräten liegen.

Offene 18-V-Akkuplattformen

Zum einen für den professionellen Einsatz, zum anderen für die Verwendung in Heim und Garten hat Bosch zwei 18-V-Akkuplattformen entwickelt, und diese für andere Hersteller geöffnet. Inzwischen setzt eine ganze Reihe renommierter Hersteller auf die von Bosch entwickelten Systeme, etwa Brennenstuhl, Sonlux und Wagner, Gardena, Gloria und Heraeus, um nur eine Auswahl zu nennen.

Den Nachhaltigkeitsgedanken verfolgt Bosch auch auf anderen Gebieten: Seit 2019 hat Bosch nach eigenen Angaben rund 2200 t Kunststoffrohmaterial eingespart. Ausschlaggebend war die Einführung von Koffern aus recyceltem Kunststoff im DIY-Bereich. Auch das Gehäuse und die Zubehörteile des Kreuzlinienlasers Quigo Green bestehen zu rund 90 % aus recyceltem Kunststoff, der Laser verbraucht zudem nur noch 50 % der Energie seines Vorgängers.

Bosch in der Kfz-Werkstatt

Als weltgrößter Automobilzulieferer ist Bosch auch in den Werkstätten vertreten. Und entwickelt auch für das Handwerk der Mobilmacher seine Produkte weiter. Von einem Pilotprojekt zu Connected Services, das Bosch gemeinsam mit BMW entwickelt hat, können jetzt auch freie Werkstätten profitieren:

Zunächst erhält der Autofahrer eine Benachrichtigung über eine bevorstehende Wartung oder eine notwendige Reparatur. Dazu werden detaillierte Livedaten aus dem Fahrzeug ausgewertet. Die Informationen zum Servicetermin bzw. der Reparatur werden – sofern der Autofahrer dem zugestimmt hat – automatisch an seine bevorzugte Werkstatt übermittelt.

Das kann künftig auch eine freie Werkstatt, wie etwa ein Bosch Car Service sein. „Neben den üblichen Informationen zum Fahrzeugmodel werden unter anderem die Daten zum Servicebedarf, wie der Kilometerstand, das Serviceintervall und das Datum bzw. die Distanz zum nächsten Service übertragen“, erläutert Dr. Andreas Klein, Projektleiter Diagnose-Anwendungen und -Services bei Bosch Automotive Aftermarket. „Zusätzlich werden auch die Informationen aus den Fehlerspeichern des Fahrzeugs übermittelt“.

Die Mitarbeiter der Kfz-Werkstatt können dann direkt damit beginnen, den Service oder die Reparatur vorzubereiten, also zum Beispiel benötigte Verschleißteile ordern oder dem Kunden erst einmal ein konkretes Angebot samt Terminvorschlag schicken. Die für den Prozess benötigten Daten aus dem Fahrzeug stellt BMW seit 2017 mit seinem Service CarData bereit. Dieser Dienst ist für Dritte offen. Der Verband der deutschen Automobilindustrie hat grundsätzlich festgelegt, dass „berechtigte Dritte“, zum Beispiel freie Werkstätten oder Gutachter, zum gleichen Zeitpunkt und im gleichen Umfang wie die Fahrzeughersteller Zugang zu Fahrzeugdaten erhalten sollen. Außer mit BMW arbeitet Bosch derzeit noch mit weiteren Fahrzeugherstellern daran, auch deren Fahrzeugdaten zu übermitteln.

Zugeschaltet zur Ferndiagnose

Das eben erwähnte Pilotprojekt verdeutlicht die wachsende Bedeutung des Servicegeschäfts. Zu den Dienstleistungen von Bosch gehört auch der Service Remote Diagnostics. Damit können die Mitarbeiter von Werkstätten professionelle Hilfe anfordern, wenn sie bei der Diagnose von Fahrzeugen an ihre Grenzen stoßen.

Um diesen Service in Anspruch zu nehmen, verbinden die Werkstattmitarbeiter das Kommunikationstool RDS 500 mit dem Kundenfahrzeug, fordern über das Serviceportal die Hilfe eines Bosch-Mitarbeiters an, woraufhin dieser Experte über das Tool Zugriff auf sämtliche Diagnosedaten erhält und sogar – über das Smartphone des Werkstattmitarbeiters und eine eigens dazu entwickelte App – sogar einen Blick unter die Motorhaube des zu reparierenden Fahrzeugs werfen kann.

Auch dieser Service adressiert nicht zuletzt freie Werkstätten. Denen war in komplizierten Fällen bislang oft keine andere Wahl geblieben, als ihre Kunden an eine Markenvertragswerkstatt zu verweisen, weil ihnen die herstellerspezifischen Diagnosegeräte fehlten. In Zusammenarbeit mit den Experten von Bosch via Remote Diagnostics Service soll das künftig erheblich seltener notwendig sein.

MW-bosch crash test 5.jpg Help Connect fungiert als „digitaler Schutzengel“: Die Motorrad-Sensorik mit Crash-Algorithmus erkennt Unfälle und löst per Smartphone-App automatisch die Rettungskette aus. (Bild: Bosch)

Sicherheit auf zwei Rädern

Fahrern der in den letzten Jahren boomenden E-Bikes und Pedelecs begegnet die Marke Bosch häufig noch an einer weiteren Stelle: Motoren von Bosch stellen den größten Marktanteil unter den E-Bikes mit Mittelmotoren. Über 70 Fahrradhersteller verwenden Antriebe von Bosch. Die Sparte Bosch eBike Systems fertigt aber mehr als nur Antriebe: Mit dem eBike ABS hat Bosch 2018 das erste serienreife Antiblockiersystem für Pedelecs auf den Markt gebracht. Laut einer Studie der Bosch-Unfallforschung könnten bis zu 29 % aller Pedelec-Unfälle durch das Bosch eBike ABS verhindert werden, etwa in Gefahrensituationen auf nasser Fahrbahn.

Auch wenn es zum Unfall gekommen ist, lässt Bosch die Zweiradfahrer nicht allein: In Verbindung mit Apps für E-Bike und Motorrad sorgt das Bosch-System Help Connect für möglichst schnelle Hilfe: Help Connect greift auf die Sensoren im Smartphone und in anderen vernetzten Geräten zu und erkennt mithilfe eines intelligenten Crash-Algorithmus Unfälle automatisch. Geht eine solche Meldung über einen Sturz in der Notrufzentrale von Help Connect ein, versuchen die Mitarbeiter, den mutmaßlich Verunglückten zu kontaktieren. Reagiert der nicht und deuten die Daten auf einen schweren Sturz hin, verständigen die Servicemitarbeiter sofort Rettungskräfte.

Global Player aus Deutschland

Dreimal hat die Robert Bosch GmbH in ihrer Geschichte bislang den Deutschen Zukunftspreis bekommen (2005, 2008 und 2013). Wenn das Unternehmen seine Entwicklung fortsetzt, dürfte es nicht dabei bleiben. Einzig die Verwicklung in den Abgasskandal der deutschen Automobilindustrie trübt das Image des Konzerns ein wenig.

Das traditionsreiche Familienunternehmen setzt bei seinen Entwicklungen gegenwärtig offensiv auf Nachhaltigkeit und Zukunftsfähigkeit: Seit 2020 arbeiten sämtliche Standorte des Mischkonzerns CO₂-neutral, mit ressourcenschonender Fertigung und energieeffizienten Geräten und Maschinen will der Konzern den CO₂-Ausstoß weiter verringern, und arbeitet über reine Elektromobilität hinaus an alternativen Antriebskonzepten und Produkten, die die Verkehrswende deutlich voranbringen könnten.

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Dirk Bongardt hat vor Beginn seiner journalistischen Laufbahn zehn Jahre Erfahrung in verschiedenen Funktionen in Vertriebsabteilungen industrieller und mittelständischer Unternehmen gesammelt. Seit 2000 arbeitet er als freier Autor. Sein thematischer Schwerpunkt liegt auf praxisnahen Informationen rund um Gegenwarts- und Zukunftstechnologien, vorwiegend in den Bereichen Mobile und IT.


Dirk Bongardt, Tel.: 05262-6400216, mail@dirk-bongardt.de, netknowhow.de

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