VoIP

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Gespräche durch die Datenleitung

Von Sabine Philipp

Mit Voice over IP lässt sich zwar nicht mehr ganz so viel Geld sparen wie in den Anfängen der IP-Telefonie. Wer jedoch über eine ausreichende Bandbreite verfügt und einige Unsicherheiten in Kauf nimmt, kann immer noch profitieren.

Voice over IP (VoIP) heißt wörtlich „Stimme über das Internet-Protokoll“. Es ist also eine Technik, mit der Gespräche über das Internet übertragen werden. Dabei werden die Gesprächsdaten in kleine Pakete geschnürt und über das Netz verschickt. Die Logik liegt auf der Hand: Die Telekommunikation läuft dann praktisch über die ohnehin eingerichtete Flatrate. Theoretisch entfallen also die Fernsprechgebühren – praktisch hält sich die Ersparnis aber in Grenzen. Denn die Festnetzgebühr für die Anschlussleitung fällt trotzdem an, und die VoIP-Anbieter wollen auch was verdienen.

Bit-Pakete statt Signalspannung

Sie brauchen als erstes einen Breitbandanschluss. Meist läuft es über DSL. Das Frequenzband der Telefonleitung ist dazu in drei Bereiche eingeteilt: den niederen, auf dem analog telefoniert wird, den mittleren, über den ISDN läuft, und den hohen, über den DSL übertragen wird.

Der für VoIP freigegebene DSL-Frequenzbereich ist also begrenzt. Erschwerend kommt hinzu, dass die meisten User mit ADSL ins Netz gehen. Dieses asymmetrische DSL ist nicht nur störanfällig – auch die Datenübertragungsrate zum Teilnehmer (downstream) ist sehr viel größer ist als in der Gegenrichtung (upstream). Da bei VoIP sowohl herunter- als auch hochgeladen wird, kann es beim Upstream zu Engpässen kommen. Im Klartext: Während der Telefonate sollten Sie keine großen Dateien ins Netz stellen oder E-Mails mit Riesenanhängen verschicken.

SDSL (symmetrisches DSL) ist daher besser geeignet, weil Sie genauso viele Daten hochladen wie herunterladen können. Leider ist es nicht überall verfügbar und viel teurer. Wer ADSL2+ hat, kann sich aber glücklich schätzen: Sie können hier mehr KByte übertragen, weil Sie ein breiteres Frequenzband haben.

Vorteile

Sie bekommen mehrere Rufnummern, die Sie an Ihre Angestellten verteilen oder für Faxe nutzen können. Oft können Sie gleich ganze Nummernblöcke kaufen und damit gleichzeitig telefonieren. Sie erhalten die Vorwahl Ihres Heimatorts, so dass Ihre Kunden gar nicht merken, dass Sie über VoIP angerufen werden. (Die Situation und die Möglichkeiten mit VoIP erörtert ausführlich der Eintrag VoIP für den Mittelstand.)

Nachteile

Wenn Sie Ihre VoIP-Telefonnummern an Kunden im selben Ort herausgeben, müssen Sie Ihnen sagen, dass sie die Vorwahl trotzdem wählen müssen. Das muss sein, weil die Anrufe nicht über eine Vermittlungsstelle der Telekom laufen.

Außerdem ist die Verbindung nicht so stabil bei der klassischen Telefonie. Es kann also leichter zu Abbrüchen kommen. Das macht sich nicht besonders gut, wenn man mitten im Verkaufsgespräch ist. Dass die Gesprächsqualität nicht durchgehend verlässlich ist, bleibt vorerst der größte Haken an der ganzen Sache.

Auch die neuen Konstruktionspläne sollten Sie übrigens lieber nicht über eine VoIP-Leitung besprechen, denn dort sind Gespräche leichter abzuhören.

Kosten

Die monatliche Grundgebühr für den Telefonanschluss fällt immer an, auch wenn Sie mit der Telekom nichts mehr am Hut haben. Dazu kommt eine monatliche VoIP-Grundgebühr für den Provider. Die kann sich um die 10 Euro bewegen. Der VoIP-Provider ist immer auch derjenige, bei dem Sie Ihren DSL-Vertrag haben. Es rentiert sich also, den Gesamtpreis für die DSL-Flatrate und VoIP zu betrachten.

Die einzelnen Telefonate kosten dafür wenig bis gar nichts. Wenn der Gesprächspartner auch einen VoIP-Anschluss beim gleichen Anbieter hat, zahlen Sie nichts. Sonst kann bei Anrufen ins Festnetz je nach Anbieter 1 Cent pro Minute fällig werden. Manchmal sind aber auch solche Telefonate inklusive. Die Preise für Auslandstelefonate bewegen sich zwischen 2 und 99 Cent pro Minute, je nach Destination. Und wenn Sie Ihren Außendienstmitarbeiter auf dem Handy anrufen, zahlen Sie meist um die 20 Cent pro Minute. (Tatsächlich fürchtet der Mobilfunk Umsatzeinbußen wegen VoIP.) Sonderrufnummern kosten das Gleiche wie vom normalen Telefonanschluss aus.

Dazu kommt noch die Hardware: Um die Technologie nutzen zu können, muss das Modem entsprechend ausgestattet sein. Meist liefert die Firma, die den DSL-Anschluss bereitstellt auch ein Gerät, mit dem Sie VoIP realisieren können. Im Businessbereich sollte aber eine professionellere All-in-one-Lösung, etwa eine VoIP-TK-Anlage her. Die kann mit ein paar hundert Euro zu Buche schlagen. Wer volle Konvergenz anstrebt, muss noch etwas drauflegen.

Fazit: VoIP wird wichtig

Obwohl sich die digitalisierte, paketvermittelte Übertragung weiter auf dem Vormarsch befindet und die Privatnutzerzahlen z.B. von Skype stetig steigen, steht ein einheitlicher Technologiestandard für VoIP noch aus; momentan konkurrieren noch mehrere Protokolle miteinander. Andererseits birgt die IP-Telefonie tatsächlich ein beträchtliches Sparpotenzial, sicher für Call Center, in jedem Fall bei der Kommunikation zwischen verschiedenen Standorten eines Unternehmens – da ist von vornherein abgemacht, dass alle Teilnehmer denselben VoIP-Anbieter nutzen.

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