Prozesse analysieren vor Einführung von Open Source

© Florian Strohmaier, MittelstandsWiki

Die bitbone AG, führender Hersteller von auf Open Source basierten Kommunikationslösungen, berät mittelständische Unternehmen und analysiert deren Geschäftsprozesse, bevor eine Empfehlung für eine Open-Source-Lösung ausgesprochen wird. „Gerade bei KMU findet man eine gewachsene IT-Landschaft, die berücksichtigt werden muss“, empfiehlt Wolfgang Schuster, CEO der bitbone AG, in einem Interview mit dem MittelstandsWiki.

Welche Vorteile hat Open Source für ein mittelständisches Unternehmen?

Wolfgang Schuster: „Unternehmen, die eine Open-Source-Lösung einführen, sind frei von Bindungen an bestimmte Anbieter, auch von uns. Während die EDV-Mitarbeiter vieler Kunden anfangs keine Erfahrung mit Open Source haben, eignen sie sich häufig umfangreiches Know-how an und brauchen später immer weniger Unterstützung. Dennoch haben wir eine große Anzahl langjähriger Kunden. Uns ist die langfristige Kundenbeziehung wichtiger als das schnelle Geschäft.“

Kann ein Unternehmen durch die Einführung einer Open-Source-Lösung wirklich Kosten einsparen?

Wolfgang Schuster: „In vielen Fällen kann man einiges an Geld mit Open Source sparen. Viele Kunden denken zuerst an eine kostenlose Lizenz, wundern sich später aber, dass die Anfangskosten bei Open Source fast genauso hoch sind wie die Lizenzkosten einer proprietären Lösung. Der Grund liegt in den Dienstleistungskosten für die Einführung. Die laufenden Kosten sind bei Open Source in aller Regel geringer, alleine schon wegen des niedrigen Administrations- und Wartungsaufwands.“

Was muss ein kleines oder mittleres Unternehmen bei der Einführung von Open-Source-Lösungen beachten?

Wolfgang Schuster: „Es kommt bei Open Source immer auf den Anwendungsfall an. Die Portierung einer Individuallösung auf eine Open-Source-Plattform kann wirtschaftlich uninteressant sein. Manchmal scheitert die Umstellung auf Open Source auch wegen der engen Verzahnung mancher ERP-Lösung mit MS Office. Open Source ist deshalb nicht immer der beste Weg für ein Unternehmen. In manchen Firmen würde die Einführung eher zu mehr Schwierigkeiten führen. In diesen Fällen raten wir dann zu proprietären Systemen, die wir ebenfalls anbieten, da wir betriebssystemunabhängig sind.“

Welche Reaktionen erhalten Sie von Kunden und Interessenten auf Open-Source-Lösungen?

Wolfgang Schuster: „Es gibt Kunden, die ursprünglich sehr ablehnend auf die Angebote der bitbone AG reagiert haben, inzwischen aber nicht nur die bitbone-Lösungen einsetzen, sondern uns sogar die Angebote anderer Dienstleister vorlegen, um unseren Rat einzuholen. Manche Kunden sind verwundert, wenn wir sie nach Jahren auf einen unserer Linux-Server ansprechen, der bei ihnen läuft. Sie können sich kaum noch an diesen Server erinnern. So etwas könnte Ihnen mit einem Windows-Server nicht passieren. Da muss man wegen der Administration und Wartung zu oft eingreifen.“

Wie sehen Sie die aktuelle Nachfrage nach Open Source?

Wolfgang Schuster: „Aktuell sorgt die Einführung von Windows Vista für zahlreiche Anfragen, da KMU die Kosten für diese Umstellungen einsparen wollen. Windows Vista muss alle sechs Monate aktiviert werden. Noch ist das kein Problem. Aber was wird in fünf Jahren sein? Wird man zu einem Upgrade gezwungen? Das kann auch neue Hardware bedeuten. Viele KMU können sich dies nicht leisten, manche setzen deshalb immer noch Windows 95 ein. Und da MS Office 2007 zwar gelungen, aber in der Bedienung völlig anders ist als die Vorgänger, lohnt sich die Überlegung, nun auf OpenOffice umzusteigen.“

Wolfgang Schuster, Jahrgang 1968, war ab 1986 zehn Jahre als Spezialist für Datenkommunikation und -sicherheit bei der deutschen Luftwaffe tätig und hat 1997 den Abschluss Staatl. gepr. Techniker Fachrichtung Datentechnik erhalten. Im gleichen Jahr begann er als Projektleiter in einem mittelständischen Unternehmen im Bereich Einführung von SAP/R3-Projektsystemen. Nach seiner Ausbildung zum technischen Betriebswirt war er einer der Gründer der Kitzberger & Schuster GbR, aus der die heutige bitbone AG hervorgegangen ist. Seit 2001 ist Wolfgang Schuster im Vorstand der bitbone AG und verantwortet dort die Bereiche Controlling, Finanz- und Rechnungswesen, Human Resources und Investor Relations.
Neben seinem geschäftlichen Engagement für Open Source beteiligt sich Wolfgang Schuster seit 1994 ehrenamtlich in der Linux-Community und hat dabei unter anderem die Taubertal LINUX User Group initiiert. Schuster war drei Jahre Mitglied im Vorstand des Linux-Verbandes. Auf den Webseiten der bitbone AG findet der interessierte Besucher zahlreiche Informationen rund um Open Source und speziell Linux.

Das Interview führte Oliver Schonschek.

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