Fußball-WM 2006 war kein Wirtsschaftsmotor

Das Wirtschaftswunder Fußball-Weltmeisterschaft ist nur ein Mythos, behaupten die Ökonomen Karl Brenke und Gert G. Wagner vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung. Auch wenn sie dem Veranstalter, der FIFA, und dem Deutschen Fußballbund Millionensummen bescherte, hielt sich der wirtschaftliche Effekt in engen Grenzen.

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Webcast TÜV 16.6.20

In Ihrer Analyse „Volkswirtschaftliche Bedeutung von Fußball-Weltmeisterschaften“ bewerten die beiden DIW-Ökonomen die Ausgaben und Einnahmen rund um die Fußball-WM mit Blick auf die Gesamtwirtschaft. Erstmals zeigen die Ökonomen anhand inzwischen vorliegender statistischer Daten, dass die im Vorfeld geäußerten Hoffnungen auf einen konjunkturellen Impuls durch die Fußball WM gänzlich übertrieben waren und bestätigen damit die Einschätzungen des DIW Berlin vom Juni 2006.

Grundsätzlich ist es schwer zu bewerten, in welchem Maße Investitionen aufgrund der Fußball WM getätigt wurden. Realistisch ist die Annahme, dass der Effekt nur 0,2 Promille der Wirtschaftsleistung ausmachte. Zwar zog es im Juni 2006 mehr Gäste aus dem Ausland nach Deutschland, doch blieb deren Zahl hinter den Erwartungen der Veranstalter zurück. Die WM-Gäste aus dem Ausland dürften allenfalls 500 Mio. Euro ausgegeben haben, was eine volkswirtschaftlich vernachlässigbare Größe ist. Zusätzliche Beschäftigung hat die Weltmeisterschaft nur temporär geschaffen – etwa im Gastgewerbe. Im Einzelhandel waren gar keine Effekte durch das Sportgroßereignis zu erkennen.

Auch wenn von der WM keine nennenswerten positiven gesamtwirtschaftlichen Effekte ausgegangen sind, hatte dieses sportlich-kulturelle Event natürlich eine positive gesellschaftliche Bedeutung. Eine Fußball-WM trägt nicht nur zur weltweiten Völkerverständigung bei. Eine solche Veranstaltung bietet einem Land auch die Möglichkeit, sich nach außen hin positiv darzustellen. Und das ist Deutschland gut gelungen. Darüber hinaus war die WM 2006 nach Meinung der beiden Autoren ein Mosaikstein im Wandel der deutschen Industriegesellschaft hin zu einer Dienstleistungsgesellschaft. (DIW/ml) ENGLISH