ENUM
Eine Rufnummer für alle Endgeräte nutzen

Mit dem sogenannten ENUM-Protokoll werden die verschiedensten Kommunikationsdienste über nur eine Rufnummer identifiziert und angesprochen. ENUM (telephone number mapping) sorgt automatisch dafür, dass die Endgeräte ausgewählt werden, die zur Ausgabe der Nachricht tauglich sind. Ein eingehendes Fax landet also beispielsweise auf einem Faxgerät, ein Anruf kann nach Wunsch auf ein Festnetzgerät, das Mobiltelefon oder eine Voicebox weitergeleitet werden. Matthias Maier von der DENIC eG als Registrierungsstelle für ENUM-Domains stellte sich den Fragen des MittelstandsWiki.

Welche Vorteile hat ENUM für ein kleines oder mittleres Unternehmen?

DENIC: Ganz allgemein lässt sich sagen, dass alle Unternehmen finanzielle Vorteile aus der Nutzung von ENUM ziehen können. Mit ENUM können Unternehmen alle Endgeräte und viele verschiedene Services unter einer Rufnummer anbieten: eine Nummer für alle Dienste. Die Liste der Kontaktadressen, die von den Kommunikationspartnern verwaltet werden müssen, wird somit kürzer und hat eine größere Aktualität, da der Adressinhaber seine wenigen Kontaktdaten an zentraler Stelle up to date halten kann.

Szenarien für die Auswahl geeigneter Endgeräte und Rufweiterleitungsmechanismen stellen viel versprechende Möglichkeiten dar, wenn zusätzlich so unterschiedliche Anwendungen wie E-Mail, Präsenzdienste, SMS oder Fax integriert werden. So wird es möglich, unabhängig von der jeweiligen Anwendung zu adressieren und zum Beispiel eine E-Mail an eine Telefonrufnummer zu senden. ENUM schafft hier eine Konvergenz am User-Interface, vereinfacht so die Bedienbarkeit und reduziert die Komplexität. Dadurch wird auch neuen Benutzergruppen ein einfacher Zugang zur Internet-Technologie ermöglicht. Die Verwendung von Telefonrufnummern bei Voice over IP ist aktuell eine der wichtigsten Anwendungen von ENUM.

Können Sie abschätzen, wie verbreitet ENUM bereits unter KMU in Deutschland ist?

DENIC: Hierzu liegen uns keine Informationen vor, die eine seriöse Schätzung zulassen. Wir gehen davon aus, dass mit den registrierten ENUM-Domains derzeit rund 20.000 Telefonnummern erreicht werden können. Wie viele davon von KMU genutzt werden, entzieht sich unserer Kenntnis.

Wie sehen Sie den Trend? Werden sich in Zukunft deutlich mehr KMU für ENUM registrieren?

DENIC: Wir gehen von einer mittelfristig steigenden Nachfrage nach ENUM aus. Dabei ist davon auszugehen, dass dies auch durch den Technologiewechsel zu rein IP-basierten Telekommunikationssystemen bei den Carriern (Stichwort: Next Generation Networks) und der Konvergenz von unterschiedlichen Kommunikationsformen (Stichwort: Smartphones etc.) weiter vorangetrieben wird.

Welche Voraussetzungen bestehen hinsichtlich Hardware und Software? Sind sie für ein kleines Unternehmen erschwinglich?

DENIC: Die Voraussetzung zur Nutzung von ENUM besteht in erster Linie darin, dass die Soft- oder Hardware ENUM-Abfragen (Queries) unterstützen muss. Dabei ist es denkbar, dass diese Abfragen durch das Endgerät (IP-Hardphone oder -Softphone) oder die Telefonanlage durchgeführt werden. Für Unternehmen ist eine ENUM-Unterstützung durch die Telefonanlage sinnvoll. Die bekannten Open-Source-Telefonanlagen und SIP-Server sowie einige kommerzielle Telefonanlagen unterstützen bereits ENUM. Insofern ist der Einsatz auch für kleine Unternehmen erschwinglich (Beispiel Asterisk
PBX
). Wenn die existierende Telefonanlage ENUM nicht unterstützt oder nicht VoIP-fähig ist, kann diese Funktionalität beispielsweise durch die Kombination mit einer Asterisk PBX nachgebildet werden.

Muss man den Provider wechseln?

DENIC: Prinzipiell muss der Provider nicht gewechselt werden. Am Anfang steht die Registrierung der eigenen Nummer (oder des Nummernblocks) als ENUM-Domain bei einem Registrar. DENIC-Mitglieder, die diesen Service anbieten, sind unter www.denic.de/de/enum/registrierung/enum-liste/index.jsp gelistet. Unter dieser Domain können dann die gewünschten Kontaktinformationen hinterlegt werden (wie die SIP-Adressen der Mitarbeiter).

Worauf muss man als kleines Unternehmen bei VoIP achten?

DENIC: Um eingehende Gespräche über VoIP zu ermöglichen, muss nun noch der Name und die IP-Adresse des eigenen SIP-Servers im DNS veröffentlicht werden. Für kleinere Firmen, die dynamisch IP-Adressen von ihren (DSL-)Providern zugeteilt bekommen, ist dies beispielsweise mit DynDNS möglich. Alternativ können sich Firmen bei einem VoIP-Provider registrieren. Dabei ist darauf zu achten, dass dieser Provider einen offenen SIP-Dienst anbietet, dass er also auch Anrufe aus „fremden“ Domains, also anderen VoIP-„Inseln“ entgegennimmt und an seine Kunden weiterleitet. Dies ist bei größeren VoIP-Providern für Privatkunden oft nicht der Fall.

Wie läuft ein Umstieg auf ENUM für ein großes Unternehmen ab?

DENIC: Große Firmen verfügen in der Regel über feste IP-Adressen und können Name und IP-Adresse ihres SIP-Servers über ihre DNS-Server veröffentlichen. Nach einer ENUM-Registrierung und der beschriebenen Veröffentlichung von Name und IP-Adresse des SIP-Servers kann das Unternehmen auch aus dem Ausland über VoIP erreicht werden.

Gibt es im Bereich Sicherheit und Datenschutz besondere Punkte bei ENUM, die Anwender beachten sollten?

DENIC: In der whois-Abfrage bei denic.de werden nur die Informationen veröffentlicht, die zum technischen Betrieb der ENUM-Domain zwingend erforderlich sind. Dies sind neben der Domain selbst Angaben zu den Nameservern sowie zum technischen Ansprechpartner und zum Zonenverwalter. Anders als bei de-Domains werden alle weiteren Informationen nur mit der ausdrücklichen Zustimmung des Domaininhabers veröffentlicht. Somit findet, wenn nicht anders gewünscht, keine Veröffentlichung des Domaininhabers statt. Der Standard ist also, dass der Domaininhaber nicht im öffentlichen whois aufgeführt wird. Um zu vermeiden, dass eine Verbindung von Name, Telefonnummer und weiteren Kontaktadressen stattfindet, sollten anonymisierte Kontaktadressen verwendet werden, anstatt Kontaktadressen, die komplette Namen enthalten.

Die DENIC ist eine eingetragene Genossenschaft mit Sitz in Frankfurt am Main; sie wurde im Dezember 1996 gegründet. Ihre Mitglieder sind Unternehmen, die für ihre Kunden Domains verwalten und sich verpflichtet fühlen, in selbstregulierter Form eine für die gesamte deutsche Internet Community wichtige Dienstleistung zu erbringen: den Betrieb der Registrierungsstelle für die deutsche Top Level Domain „.de“. Die DENIC arbeitet dabei nicht gewinnorientiert, sondern versteht sich als neutraler Non-Profit-Dienstleister für alle in Deutschland am Internet Interessierten.

Das Interview führte Oliver Schonschek.