Frauen suchen andere Arbeitgeber als Männer

Einerseits stehen vor allem mittelständische Betriebe auf der Suche nach Fachkräften in harter Konkurrenz zu den Großen, andererseits bieten vor allem Frauen ein noch unausgereiztes Personalpotenzial. Wer jedoch als Arbeitgeber mit seinen Jobangeboten für männliche Topkräfte attraktiv ist, kann an den Erwartungen weiblicher Fachkräfte böse scheitern. Das zumindest behauptet eine Umfrage der Unternehmensberatung McKinsey & Company und des Karrierenetzwerks e-fellows.net mit dem Titel „Most Wanted – die Arbeitgeberstudie“.

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© Heise Business Services

Das Beratungsunternehmen untersuchte durch Befragung von mehr als 3000 jungen Stipendiaten aller Fachrichtungen, welche Eigenschaften von Arbeitgebern bei hochqualifizierten Studenten beiderlei Geschlechts besonders gut ankommen. Ergebnis: Top-Studentinnen und ihre männlichen Kommilitonen sind sich uneins.

Während Frauen vor allem Unternehmen bevorzugen, die ihre gesellschaftliche Verantwortung wahrnehmen, und die Identifikation mit den künftigen Kolleginnen und Kollegen als eines der wichtigsten Kriterien bei der Jobwahl ansehen, motiviert den Mann eher die pure Begeisterung für das Produkt. Auch die Risikofreude von Talenten bei Bewerbungen könnte unterschiedlicher kaum sein. Männer kontaktieren auch Unternehmen, bei denen sie sich nur geringe Chancen auf einen Arbeitsplatz ausrechnen. Frauen bewerben sich dagegen nur, wenn sie glauben, ihr Ziel auch erreichen zu können. Allerdings herrscht in einigen Punkten auch Einigkeit: Spaß an der Arbeit ist die Grundvoraussetzung für die Bewerbung, eine ausgewogene Work-Life-Balance und Gehaltssteigerungen sind eher ohne Bedeutung.

Trotz blendender Aussichten in der Industrie: Auf deutsche High Potentials übt die Wissenschaft nach wie vor die größte Anziehungskraft aus. Dennoch nimmt ihre Attraktivität für besonders leistungsfähige Jungakademiker leicht, aber spürbar ab. Im Vergleich zum Vorjahr sinkt die Zahl der Befragten, die eine universitäre Laufbahn planen, um 2,5 Prozentpunkte. Dafür legen Unternehmensberatungen mit 1,7 Prozentpunkten leicht zu und rangieren in der Liste der meistgesuchten Arbeitgeber auf Platz zwei. Platz drei erreicht die Automobilindustrie. Handel und Versicherungen haben es dagegen schwer. Sie landen nur im Hinterfeld.

Der Grund dafür sei naheliegend, so die Berater: Für High Potentials ist die Wissenschaft eben keine Unbekannte, da sie das künftige Arbeitsumfeld bereits aus dem Studium kennen. Bedingt durch den wirtschaftlichen Aufschwung haben Unternehmen allerdings an Attraktivität gewonnen. Sie bieten neben Internationalität auch die Möglichkeit, sich in kurzer Zeit weiterzuentwickeln und viel zu lernen.

Große Unterschiede belegt die Auswertung nach Fachrichtungen: Rund ein Drittel der befragten Naturwissenschaftler streben nach dem Diplom zunächst eine universitäre Laufbahn bzw. eine Promotion an. Von den Studierenden der Medizin und Geisteswissenschaften sind es noch rund 25%, die ihre Zukunft der Wissenschaft widmen wollen. Bei den Studierenden der Ingenieurs-, Wirtschafts- und Rechtswissenschaften entscheidet sich dagegen nur jeder Zehnte für eine akademische Karriere.

Weitere Erkenntnisse aus der Untersuchung: Erstklassige Akademiker werden durch Produkte des Unternehmens besonders auf potenzielle Arbeitgeber aufmerksam. Darüber hinaus spielen die Empfehlungen von Familie oder Bekannten eine große Rolle bei der Wahl des Arbeitgebers. Eine zunehmende Bedeutung gewinnen Karriereportale im Internet, die das Interesse von High Potentials für einen möglichen Arbeitgeber wecken. Junge Talente nutzen die Online-Angebote als Informationsbörse.

Nach den Erfahrungen von McKinsey sind Online-Portale für Unternehmen ideale Recruiting-Plattformen, um gezielt hervorragende Studierende bestimmter Fachrichtungen ansprechen zu können. So gibt jeder zweite Natur-, Wirtschaftswissenschaftler und Jurist an, Karriereseiten im Internet zu nutzen. Mathematiker, Ingenieure und Geisteswissenschaftler sind zu rund 45% durch Karriere-Webseiten auf Arbeitgeber aufmerksam geworden. (ots/ml)