Biotech-Branche sendet zwiespältige Signale aus

Der Umsatz der deutschen Biotechnologie-Branche ist im vergangenen Jahr um 6% von 948 Millionen Euro auf etwas über eine Milliarde Euro gestiegen. Die privaten Unternehmen steigerten ihren Umsatz sogar um 15%. Trotz eines Rückgangs bei der Zahl der Unternehmen von 403 auf 395 beschäftigen die verbliebenen wieder mehr Mitarbeiter: Ihre Amzahl ist um 4% von 9748 auf 10.162 gestiegen. Zusammen mit Inlandstöchtern ausländischer Biotech-Unternehmen bringt es die Branche sogar auf mehr als 13.000 Mitarbeiter.

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Zu diesen Ergebnissen kommt der neunte deutsche Biotechnologie-Report der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young.

Mit einem Anstieg um 16% auf 980 Millionen Euro wurde auch wieder stärker in Forschung und Entwicklung (F&E) investiert. Das ist der erste kräftige Zuwachs seit Jahren. Vor allem die Medikamenten-Entwickler steigerten ihre Ausgaben für kostenintensive klinische Studien.

Bedingt unter anderem durch die erhöhten F&E-Ausgaben hat sich allerdings auch der Verlust der deutschen Biotech-Branche um 7% auf 665 Millionen Euro erhöht. Immerhin: Im Jahr 2004 machten lediglich 29% der Unternehmen Gewinne, derzeit liegt der Anteil bereits bei 40%. Profitable Unternehmen sind dabei meist in den Geschäftsfeldern der Technologieentwickler, der Diagnostik oder als Dienstleister zu finden.

Neben den guten Zahlen gibt es aber auch eine Reihe kritischer Entwicklungen: So fiel bei den 19 börsennotierten Unternehmen der Umsatz 2007 um 19%, die Zahl ihrer Mitarbeiter sank um 12%.

In der ganzen Branche gab es nur noch zehn Neugründungen (der niedrigste Wert seit Bestehen der Branche), aber zwölf Insolvenzen und Auflösungen. Die Zahl der Fusionen und Übernahmen lag bei lediglich sieben (nach 20 in 2005 und 15 in 2006). Die Zahl der Kooperationen und Lizenzvereinbarungen sank ebenfalls – von 73 auf aktuell 60.

Letztere allerdings mit einem Volumen an sofortigen und zukünftigen Zahlungen von insgesamt 675 Millionen Euro (Vorjahr: 159 Millionen Euro). „Die erfolgreichen Abschlüsse deutscher Biotech-Unternehmen untermauern den Fortschritt der Unternehmen in der Produktentwicklung und sind wichtige Treiber des gegenwärtig guten Kurses der Branche.““, beruhigt deshalb Julia Schüler, Autorin der Studie und Industriespezialistin Biotechnologie bei Ernst & Young, die Kritiker der Branche.

In die gleiche Richtung deutet die Entwicklung bei der Eigenkapitalfinanzierung: Im Jahr 2007 wurden 456 Millionen Euro an Eigenkapital aufgenommen. Im Vergleich zum Vorjahr entspricht dies einem Wachstum um 5%. Vor allem im Bereich der Risikokapitalfinanzierung war ein deutliches Wachstum um 50% (von 213 auf 319 Millionen Euro) zu beobachten.

Anders stellte sich die Situation am Kapitalmarkt dar. Während es im Vorjahr vier Börsengänge von Biotech-Unternehmen und zwölf Sekundärfinanzierungen gab, wagte im Jahr 2007 kein einziges Biotech-Unternehmen den Schritt aufs Börsenparkett. Bei acht Sekundärfinanzierungen nahmen die börsennotierten Biotech-Unternehmen insgesamt 137 Millionen Euro auf. Damit sank das Volumen des am Kapitalmarkt aufgenommenen Eigenkapitals von 220 auf 137 Millionen Euro.

Wie auch in Deutschland hat sich in Europa die Finanzierungssituation der Biotech-Branche verbessert. Insgesamt flossen 5,5 Milliarden Euro (+18%) an zusätzlichem Eigenkapital in die Branche. Die größte Rolle spielten dabei Sekundärfinanzierungen (3,5 Milliarden Euro; +44%) vor Risikokapitalfinanzierungen (1,2 Milliarden Euro; -21%). 2007 gingen 22 europäische Biotech-Unternehmen an die Börse (Vorjahr: 33 Börsengänge) und erzielten dabei Emissionserlöse von insgesamt 737 Millionen Euro (+9%).

Auf der Website von Ernst & Young steht ein interaktiver Biotech-Atlas mit Daten aus dem Jahr 2007 zur Verfügung, der Standorte und zum Teil auch Firmendaten anzeigt. (Ernst & Young/ml)