Essener Ökonomen passen Prognosen an

Das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) Essen hebt zwar seine Prognose des Wirtschaftswachstums im Jahr 2008 von 1,7% auf 2,2% an, blickt zugleich aber deutlich skeptischer in die Zukunft. Daher erwartet es für 2009 nur noch eine Zuwachsrate von 1,5%. Im März lag die entsprechende Prognose noch bei 1,8%.

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Die höhere Prognose für 2008 spiegelt in erster Linie die unerwartet kräftige Zunahme des Bruttoinlandsprodukts (BIP) zu Beginn des Jahres wider. Dieses ist im ersten Quartal saison- und arbeitstäglich bereinigt um 1,5% gegenüber dem Vorquartal gestiegen – ein Wert, der zuletzt 2006 beobachtet worden war.

Allerdings deuten inzwischen zahlreiche Indikatoren auf eine nachlassende Konjunktur hin. So war die Industrieproduktion im April bereits zum dritten Mal in Folge rückläufig. Der Auftragseingang in der Industrie sinkt sogar schon seit Dezember 2007. Zudem dürfte die Aufwertung des Euro den deutschen Export mehr und mehr belasten. Hinzu kommt, dass die Weltmarktpreise für Energie und Rohstoffe weiter gestiegen sind, wodurch die Inflation bei reichlicher Liquiditätsversorgung vorerst hoch bleiben dürfte. Im Jahresdurchschnitt erwartet das RWI Essen eine Teuerungsrate von 3%, die den Anstieg der Realeinkommen spürbar dämpfen dürfte, wenngleich diese aufgrund der vorerst noch guten Arbeitsmarktlage und höherer Lohnsteigerungen voraussichtlich noch leicht zunehmen werden.

Alles in allem geht das Institut für den Rest dieses Jahres von einem deutlich verlangsamten Wachstum aus. Die Jahresrate von 2,2% wurde wohl im Wesentlichen bereits im ersten Quartal „erwirtschaftet“. Im vierten Quartal 2008 dürfte das saison- und arbeitstäglich bereinigte BIP kaum höher sein als im ersten.

Für 2009 ist eine zunächst wohl lebhaftere Konjunktur zu erwarten. Dazu dürfte beitragen, dass sich die Wirtschaft in den USA belebt und der Welthandel wieder rascher ausgeweitet wird. Da davon ausgegangen wird, dass die Verunsicherungen an den Finanzmärkten allmählich schwindet, wird zugleich erwartet, dass die Geldpolitik der Inflationsbekämpfung wieder mehr Aufmerksamkeit schenken wird. Inzwischen ist nämlich unverkennbar, dass die Teuerung nicht mehr alleine von den Energie- und Nahrungsmittelpreisen getrieben wird. So steigen inzwischen in Deutschland Löhne und Lohnstückkosten beschleunigt. Selbst wenn – wie hier unterstellt – die Notierungen an den Rohstoffmärkten nicht weiter anziehen, dürfte die Preissteigerung im Euro-Raum auch im Jahr 2009 über dem Ziel der EZB bleiben. Daher wird erwartet, dass die Geldpolitik restriktiver wird, was die Konjunktur im Verlauf des kommenden Jahres dämpfen dürfte. Das BIP wird im Jahresdurchschnitt voraussichtlich um 1,5% zunehmen.

(idw/ml)