Im Juni Gegenwind für die deutsche Volkswirtschaft

In der letzten Zeit setzten vor allem die starken Preissteigerungen bei Energie und Nahrungsmitteln der binnenwirtschaftlichen Nachfrage zu. Das sei Gegenwind für die Auftriebskräfte der deutschen Volkswirtschaft, charakterisiert das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie die wirtschaftliche Lage in der Bundesrepublik Deutschland im Juni 2008. Hinzu gekommen sei die gedämpfte Nachfrage in der Industrie, insbesondere aus dem Ausland und vor allem aus dem Eurowährungsgebiet. Nicht zuletzt wirke neben der anhaltenden Eurostärke immer noch die Finanzkrise belastend.

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Die Finanzkrise habe nicht nur das Vertrauen beschädigt und die wirtschaftliche Entwicklung der USA gedämpft, sie sei auch weiterhin ein ernstzunehmendes Risiko für die Weltkonjunktur, mahnen die Ökonomen des Ministeriums. Zu berücksichtigen sei ferner eine Normalisierung nach der außerordentlich positiven Entwicklung im ersten Quartal, die zum Teil auf Sonderfaktoren wie vorgezogene Investitionen und witterungsbedingt geringe Produktionsbehinderungen zurückzuführen war.

Für das zweite Quartal rechnet das Bundeswirtschaftsministerium daher mit einer gegenüber dem ersten Quartal gedämpften Entwicklung und – im weiteren Verlauf des Jahres – einer eher moderaten Aufwärtsentwicklung.

Nachdem vom Produzierenden Gewerbe zu Beginn dieses Jahres noch deutliche Impulse für das gesamtwirtschaftliche Wachstum ausgingen, schwächte sich hier die Erzeugung in den Monaten März und April preis- und saisonbereinigt jeweils um 0,8% ab. In der Industrie kam es im März und im April zu Produktionseinschränkungen um 0,3% bzw. 0,7% sowie im Bauhauptgewerbe um 13,1% bzw. 2,9%.

Teilweise sind diese Produktionseinbußen auch auf Sonderfaktoren zurückzuführen. Die erwartete Normalisierung wirkt sich nun beim Bau in Form einer schwächeren Frühjahrsbelebung, aber auch in der Industrie durch eine vorübergehende geringere inländische Nachfrage nach Investitionsgütern aus.

Angesichts des stärkeren Gegenwinds vornehmlich aus dem weltwirtschaftlichen Umfeld zeigen die seit fünf Monaten rückläufigen Industrieaufträge eine erneut schwächere Entwicklung der Industrieproduktion an. Im April gingen die Auftragseingänge preis- und saisonbereinigt um 1,8% und im Dreimonatsvergleich um 2,4% zurück. Dämpfend wirkt sich hier vor allem der spürbare Rückgang der Bestelltätigkeit aus dem Ausland aus (Dreimonatsvergleich: -3,6%). Aber auch die Inlandsnachfrage ist aktuell in der Tendenz leicht abwärts gerichtet (Dreimonatsvergleich: -1,0%). Dabei muss in Rechnung gestellt werden, dass das Ordervolumen in der Industrie bis ins vierte Quartal 2007 hinein – durch außergewöhnlich umfangreiche Großaufträge gestützt – auch sehr stark angestiegen war. Die Auftragslage der Unternehmen ist daher noch zufrieden stellend.

Zusätzliche Impulse aus der Bestelltätigkeit sind derzeit aber weder in der Industrie noch beim Bau zu erwarten. Die weiteren Aussichten für die Entwicklung der Erzeugung im Produzierenden Gewerbe bleiben damit vorerst etwas gedämpft.

Der verstärkte Preisauftrieb, der vor allem durch die Entwicklung der Energie- und Nahrungsmittelpreise verursacht wird, belastet sowohl die Konsumneigung als auch die Konsummöglichkeiten der Verbraucher erheblich. Die Umsätze des Einzelhandels im engeren Sinne, also ohne Handel mit Kraftfahrzeugen und ohne Tankstellen, nahmen im April um 0,6% weiter ab. Die leichte Erholung der privaten Konsumausgaben im ersten Quartal um preis- und saisonbereinigt 0,3% gegenüber dem Vorquartal muss sich daher auch noch als nachhaltig erweisen. Wann und in welchem Umfang es zu einer Belebung des privaten Konsums kommt, hängt vor allem davon ab, wie lange der beschleunigte Preisauftrieb anhält. Allerdings bedeuten schon die bisherigen Preissteigerungen einen empfindlichen realen Kaufkraftverlust, so dass im laufenden Jahr trotz positiver Beschäftigungs- und Einkommensentwicklung nur mit einer allmählichen Belebung des privaten Konsums zu rechnen ist.

Nach einem robusten Exportwachstum im ersten Quartal von 2,3% legten die Ausfuhren auch im April saisonbereinigt in jeweiligen Preisen weiter um 1,2% gegenüber dem Vormonat zu. Ihren Vorjahrestand übertrafen die Exporte zuletzt im Dreimonatsvergleich um 7,4%. Allerdings wirken die weltwirtschaftlichen Rahmenbedingungen derzeit wenig stützend. Die Impulse aus dem Export sollten daher kleiner werden, in der Tendenz aber positiv bleiben.

Gleiches gilt angesichts einer voraussichtlich moderateren Entwicklung der Binnennachfrage sowie eines hohen Importgehalts der Exporte auch für die Einfuhren. Aktuell nahmen die Einfuhren im April um 2,1% ab, nachdem sie im ersten Quartal saisonbereinigt kräftig um 6,4% zugelegt hatten. Insgesamt ist trotz einer Abschwächung der Dynamik aber weiterhin mit positiven Wachstumsbeiträgen des Außenhandels zu rechnen.

Der Aufschwung am Arbeitsmarkt flachte zuletzt etwas ab. Hierzu trug nach dem geringen Anstieg der Winterarbeitslosigkeit die im Gegenzug entsprechend schwächere Frühjahrsbelebung bei. Aber auch die Impulse, die von der konjunkturellen Entwicklung ausgingen, wurden zuletzt kleiner. Die Zahl der Erwerbstätigen erhöhte sich im April saisonbereinigt um 25.000, gegenüber einem durchschnittlichen Plus von 54.000 in den vorangegangen sechs Monaten.

Binnen Jahresfrist stieg die Zahl der Erwerbstätigen zuletzt um 649.000 auf 40,11 Millionen an. Die Zahl der registrierten Arbeitslosen verminderte sich im Mai im Zuge der Frühjahrsbelebung auf 3,283 Millionen. Die Arbeitslosenquote nahm auf 7,8% ab. Saisonbereinigt ergab sich allerdings erstmals wieder ein Anstieg um 4000 Personen, im Vergleich zu einem Rückgang von 54.000 im Durchschnitt der vergangenen sechs Monate. Für die weitere Entwicklung dürften sich die positiven Grundtendenzen am Arbeitsmarkt zwar fortsetzen, die Dynamik aber angesichts der gedämpften konjunkturellen Entwicklung merklich geringer ausfallen.

Der Preisauftrieb blieb kräftig und hat sich zuletzt über alle Preisstufen hinweg sogar wieder beschleunigt. Der Verbraucherpreisindex erhöhte sich im Mai gegenüber dem Vorjahr um 3,0 %, nach 2,4 % im Vormonat. Hauptpreistreiber waren weiterhin die Energiepreise, während sich bei den Nahrungsmittelpreisen im Verlauf eine gewisse Beruhigung abzeichnete. Der Preisanstieg zum Vorjahr dürfte auch in naher Zukunft hoch bleiben, da die Rohölpreise Anfang Juni mit knapp 137 US-Dollar je Barrel (Sorte Brent) neue Rekordstände verzeichneten und sich seitdem nur wenig entspannten. Die Kerninflationsrate ohne Energie und saisonabhängige Nahrungsmittel betrug im Mai 1,8%.

Im Internet stehen weitere ausgewählte Daten zur wirtschaftlichen Lage auf Abruf bereit.

(BMWi/ml)