Schlechtestes Geschäftsklima seit drei Jahren

Das ifo-Geschäftsklima für die gewerbliche Wirtschaft Deutschlands hat sich im September stärker als erwartet verschlechtert. Der Klimaindex fiel von 94,8 Punkten im August auf 92,9 Punkte. Der saisonbereinigte Saldo landete bei -14,8 (nach -11,1 im August). Der ifo-Geschäftsklimaindex setze seinen Abwärtstrend mit Riesenschritten fort, meldete deshalb heute das Münchner ifo-Institut.

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Ursache ist vor allem die gegenüber August erheblich größere Unzufriedenheit mit der gegenwärtigen Geschäftslage (99,8 Punkte nach 103,2 Punkten im August). Ebenfalls zugenommen hat der Pessimismus in Bezug auf das nächste halbe Jahr (86,5 Punkte nach 87,0 Punkten im Vormonat).

Im verarbeitenden Gewerbe hat sich das Geschäftsklima abermals verschlechtert. Im September beträgt der bereinigte Saldo -11,6 (August: -6,8). Die Unternehmen berichten von einer erheblich schlechteren  Geschäftslage, und sie rechnen auch in den nächsten sechs Monaten vermehrt mit einer schwächeren Geschäftsentwicklung. Die Chancen im Exportgeschäft sehen sie zurückhaltender. Zusätzliches Personal wollen die Industrieunternehmen kaum noch einstellen.

Nur im Bauhauptgewerbe ist der Geschäftsklimaindex leicht gestiegen: Die momentane Geschäftslage und die Perspektiven für das kommende halbe Jahr bewerten die Umfrageteilnehmer etwas günstiger. Der bereinigte Saldo stieg deshalb um 1,2 Punkte von -26,4 auf -25,2.

Im Einzelhandel hat sich das Geschäftsklima dagegen zum vierten Mal in Folge abgekühlt. Der Saldo fiel von -21,5 auf -24,0. Die derzeitige Geschäftslage stufen die befragten Unternehmen merklich negativer ein. Hinsichtlich der Entwicklung im kommenden halben Jahr sind sie jedoch nicht mehr so pessimistisch wie im Vormonat.

Ebenfalls verschlechtert hat sich das Geschäftsklima im Großhandel. Sowohl die Geschäftslage als auch die weitere Entwicklung schätzen die Großhändler zurückhaltender ein. Folgerichtig sank der Saldo ganz erheblich von -5,5 auf -10,3.

Das ifo-Geschäftsklima im Dienstleistungsgewerbe Deutschlands hat sich im September laut Institut geringfügig verbessert. Der entsprechende Saldo stieg von 7,7 auf 8,3 an. Die derzeitige Geschäftslage bewerten die Befragungsteilnehmer etwas ungünstiger als im August. Der aktuelle Saldo liegt bei 17,0 nach 20,0 im August. Bezüglich der Entwicklung in den nächsten sechs Monaten hat ihre Skepsis jedoch abgenommen. Zuvor hatten sie fünf Monate nacheinander ihre Erwartungen reduziert. Der Saldo für die Erwartungshaltung stieg von -4,0 auf 0,0 an.

Den Personalbestand wollen die Dienstleistungsunternehmen deshalb weiter aufstocken. Das Münchner ifo-Institut sieht Anzeichen dafür, dass sich die Dienstleistungen wegen der Arbeitsmarktreformen etwas besser halten als im Abschwung des Jahres 2001.

Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) fand heute trotz der schlechten Indexwerte beruhigende Wort. „Die deutsche Wirtschaft befindet sich in einem Abschwung. Von einer Wirtschaftskrise oder einer Rezession kann jedoch keine Rede sein“, mahnte BDI-Präsident Thumann. Die deutsche Industrie verfüge noch immer über hohe Auftragsbestände, die Kapazitäten seien weiterhin gut ausgelastet.

Für das laufende Jahr sei immer noch eine recht ordentliche Wirtschaftsdynamik zu erwarten. 2009 müsse dagegen mit einer signifikanten Verlangsamung des Wachstums gerechnet werde, so Thumann weiter. „Trotz der Zuspitzung der Entwicklung an den Finanzmärkten sollte die Politik nicht in Aktionismus verfallen, sondern eine konsequent auf Wachstum und Beschäftigung ausgerichtete Wirtschaftspolitik verfolgen.“ Konjunkturprogramme seien Strohfeuer, bewirkten wenig und hinterließen nur einen Haufen Asche, warnte der BDI-Präsident. (ifo/BDI/ml)