Sozialkapital stabilisiert Unternehmen

Ein Forscherteam der Universität Bielefeld fordert angesichts der Finanzmarktkrise und des demografischen Wandels neue Führungskonzepte für Unternehmen. Die Wissenschaftler bewiesen erstmals den großen Einfluss des Sozialkapitals auf die wirtschaftliche Entwicklung und Stabilität von Unternehmen. Ihr Rezept lautet deshalb: Eine mitarbeiterorientierte Unternehmenskultur schaffen, Menschen hochqualifiziert führen und Gemeinsinn über die Unternehmensgrenzen hinweg ausbilden und pflegen.

Zwei Jahre lang hat das Forschungsteam unter Leitung von Prof. Dr. Bernhard Badura und Prof. Dr. Wolfgang Greiner von der Fakultät für Gesundheitswissenschaften der Universität Bielefeld die Zusammenhänge zwischen Sozialkapital, Gesundheit und Unternehmenserfolg erforscht und dabei mehr als 5000 Mitarbeiter in Unternehmen befragt. Die Erhebung zeigt: Sozialkapital ist messbar und steuerbar.

Da das Sozialkapital in der Regel mit alternden Belegschaften steigt und durch geeignete Maßnahmen der Personalentwicklung, Verstärkung der Mitarbeiterorientierung sowie Investitionen in die physische und psychische Gesundheit der Beschäftigten erhöht werden kann, ist dies auch ein geeigneter Ansatz, um die Kapitalmarktkrise sowie den demografischen Wandel erfolgreich zu bewältigen. „Die Deutlichkeit der Ergebnisse“, so Professor Bernhard Badura, „hat uns selbst überrascht. Um die langfristige Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten, müssen Unternehmen künftig konsequent in das Betriebsklima und in die Gesundheit ihrer Mitarbeiter investieren. Gerade die demografische Entwicklung mit dem drohenden Fachkräftemangel und dem hohen Anteil älterer Beschäftigter setzt die Unternehmen in den nächsten Jahren erheblich unter Zugzwang.“

Auch bei der Unternehmensbewertung empfiehlt das Forschungsteam aufgrund der hohen prognostischen Relevanz, das Sozialkapital einzubeziehen. Unternehmen sollten regelmäßig über Gesundheit und Wohlbefinden der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter informieren: „Unternehmen mit viel Sozialkapital und gesunden Beschäftigten sind erfolgreicher und damit auch kreditwürdiger.“ Beide Faktoren seien die beste Grundlage für eine stabilitätsorientierte und krisensichere Unternehmensbewertung.

Das Forschungsprojekt wurde im Auftrag des Landes Nordrhein-Westfalen und mit Mitteln der EU durchgeführt. Die Ergebnisse können in der Novemberausgabe des „Personalmagazins“ aus dem Haufe-Verlag nachgelesen werden.

(ots/ml)