Lage der europäischen Bauindustrie ist durchwachsen

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Einerseits spüren die europäischen Bauunternehmen die Folgen der Finanz- und Wirtschaftskrise, andererseits sind viele Unternehmen in letzter Zeit durch eine breitere Ausrichtung von Wirtschaftszyklen unabhängiger geworden. Hinzu kommen verstärkte Investitionen der öffentlichen Hand. Das könnte für einen gewissen Ausgleich sorgen. Auch international böte sich manche Chance, wenn sie genutzt würde. Die Deloitte-Studie „European Powers of Construction 2008“ beschreibt die Entwicklungsbedingungen in Europa und weltweit. Ein Top-100-Ranking der europäischen Bauunternehmen rundet das Bild ab.

Beispiele für noch zu wenig genutzte Chancen sind die Zukunftsmärkte Indien und China. Obwohl sie nach wie vor attraktiv sind, sind die Europäer dort kaum vertreten, denn sie konzentrieren sich bisher immer noch bevorzugt auf den amerikanischen Kontinent.

In Deutschland führte die positive wirtschaftliche Entwicklung der Jahre 2006 und 2007 zu vermehrten Steuereinnahmen, die auch in Infrastrukturinvestitionen wie Schulen und Hochschulen flossen – das aktuelle Konjunkturpaket der Bundesregierung wird diese Entwicklung noch weiter verstärken. Auf der anderen Seite sahen sich die Bauunternehmen mit steigenden Energie- und Materialkosten konfrontiert. Das wirkte sich negativ auf die Margen aus. So kündigte sich bereits Ende 2007 in Deutschland eine Abschwächung der Bautätigkeit an.

Im Top-100-Ranking der Studie ist Hochtief nach Umsatz unverändert der drittgrößte europäische Baukonzern, daneben findet sich als zweites deutsches Unternehmen Bilfinger Berger auf Platz zehn. Insgesamt ist Deutschland mit acht Unternehmen in den Top-100 vertreten, Großbritannien führt mit 28 die Liste an, Frankreich hingegen – das zwar beide Spitzenreiter stellt – ist hier nur mit fünf Firmen präsent. Allerdings basiert das Ranking noch auf den Jahresumsätzen 2007, als die deutsche Bauindustrie – trotz einer deutlichen Schwäche beim Wohnungs- und Hausbau – noch erheblich am allgemeinen Aufschwung teilhaben konnte.

Drei Viertel der in der Studie genannten Top-100-Unternehmen konnten 2007 entweder durch Zukäufe oder organisches Wachstum Zuwächse verzeichnen – wie Balfour Beatty (+36%), VINCI (+19%) und Hochtief (+12%). Unternehmen, die im gewerblichen und infrastrukturellen Bereich tätig sind, waren dabei generell erfolgreicher als solche im Haus- und Wohnungsbau.

Mit dem Ausbrechen der Finanzkrise hat sich das Szenario auch für die deutsche Bauindustrie entscheidend verändert: Die Aufträge nehmen aufgrund fehlender Kredite und schwacher Wirtschaftslage ab – insbesondere Engpässe bei Arbeits- bzw. Betriebskapital fallen hier ins Gewicht. Abzuwarten bleibt, welche Wirkung die staatlichen Investitionen zeigen werden.

In Krisensituationen ist ein umfassendes Risikomanagement von zentraler Bedeutung. Wie eine Auswertung der Risikoberichterstattung der größten 20 Unternehmen zeigt, fehlt der Branche derzeit noch der Blick für die Zukunft: Reputationsrisiken werden oft ausgeklammert und auch das Thema Umwelt nicht immer erschöpfend behandelt – doch in Zukunft dürfte dieser Bereich wohl professioneller angegangen werden.

Nach Meinung der Deloitte-Experten können die Unternehmen also auch in schwierigen Zeiten noch einiges tun, um ihre Position zu verbessern. Sie empfehlen eine Vorsorge gegen Ausfallrisiken und die Implementierung eines umfassenden Supply Chain Management. Aber auch die Wahrnehmung von Chancen, etwa im baunahen Servicegeschäft. Nicht zuletzt lohne ein Blick nach China oder Indien: Diese Länder bieten nach Meinung der Deloitte-Analysten trotz der dortigen Konjunkturabkühlung weiterhin enorme Potenziale beim Infrastrukturausbau.

Die komplette (englischsprachige) Studie steht als kostenloser Download zur Verfügung.

(Deloitte/ml)