Arbeitswelt im Jahr 2030

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Überlegungen, wie in zwei Jahrzehnten die Menschen über Job, Karriere und Einkommen denken und wie neue Technologien die Arbeitsplätze verändern werden, sind keine Themen für Sciencefiction-Autoren, sondern für Personalverantwortliche und Unternehmer. Professoren der Betriebs- und Arbeitswissenschaften, der Informatik und Soziologie der Technischen Universität Darmstadt und der Psychologie der Universität Mainz wollten das Thema deshalb nicht selbst ernannten Zukunftsforschern überlassen und sind im Rahmen der Großstudie „Zukunft der Arbeitswelt 2030“ diesen wichtigen Fragen nachgegangen.

Die Ergebnisse machen klar, dass Unternehmen sich stärker mit künftigen Arbeitsmarkt-Trends befassen müssen. Fach- und Führungskräftemangel, demographischer Wandel, Globalisierung und Arbeiten über Zeitzonen hinweg, permanente Erreichbarkeit für Kunden, veränderte Wertehaltungen und Lebensweisen der arbeitenden Menschen – all das stellt Firmen vor neue Herausforderungen, um Mitarbeiter langfristig halten zu können. Hinzu kommt: Viele Führungskräfte und Beschäftigte haben Probleme mit der zunehmenden Vermischung von Beruf und Privatleben. Die Raten an psychischen Erkrankungen und Fälle von „Workaholismus“ steigen. Es wächst der Druck auf Firmen, ein systematisches Health Care Management aufzubauen.

Im Rahmen der Studie „Zukunft der Arbeitswelt 2030“ ergab eine Expertenbefragung unter Führungskräften zum Thema „Bindung zum Unternehmen“, dass einerseits mit einer wachsenden Anzahl von Freelancern zu rechnen ist, die zum Teil sogar für mehrere Unternehmen tätig sind. Andererseits wird der Trend zur stärkeren Beziehung der Beschäftigten an Unternehmen aufgrund zunehmender politischer und wirtschaftlicher Verunsicherung erwartet.

Ein anderes Problem ist der Trend zum Verwischen der Grenze zwischen Arbeit und Freizeit. So wird beispielsweise für perfektionistisch orientierte Führungskräfte die fehlende Trennung zwischen Beruf und Privatleben sehr schnell zum Hemmschuh, wenn sie nicht mehr abschalten können. Das bedeutet, dass Unternehmen einerseits wieder gewisse Grenzen der Erreichbarkeit von Führungskräften und Mitarbeitern akzeptieren lernen müssen, andererseits die Beschäftigten beim Umgang mit flexiblen Arbeitszeiten und -orten stärker unterstützen müssen.

Die interdisziplinäre Studie untersuchte auch eine zu erwartende neue Zweiteilung der Gesellschaft: Einerseits wird es unter den Erwerbstätigen die erfolgreichen „Selbstmanager“ geben, die aufgrund immer komplexerer Aufgaben zunehmend mehr Entscheidungs– und Handlungsspielräume haben, an ihren Aufgaben wachsen und psychosozial gesund bleiben. Die Mehrzahl aber wird mehr Schwierigkeiten mit ihrem „Emotionsmanagement“ haben – die Wahrscheinlichkeit, von der Arbeit zerrieben zu werden, wird drastisch steigen.

Die Wissenschaftler befassen sich auch mit den Fragen, wie viel technische Unterstützung ist sinnvoll und ab welcher Grenze wird zu viel Technik zu einer erhöhten Belastung? Wie lang sollten Arbeitsblöcke am Tag, in der Woche, im Jahr, im Berufsleben und darüber hinaus minimal und maximal dauern? Wie flexibel können und sollten Beschäftigungsverhältnisse sein und welche Standards werden weiterhin benötigt?

Auch den Aspekt der Arbeitsumgebung greift die Großstudie auf. Klare Aussage: Das papierlose Büro wird vorerst ein Mythos bleiben. Informatiker beschäftigen sich mit „paper centric computing“, also damit, wie eine Papier-basierte und eine elektronische Dokumentbearbeitung intelligent kombiniert werden kann.

Einige ausführliche Beiträge mit Ergebnissen der Studie stehen in der Universitätszeitschrift „hoch³“ 8/2009 (kostenlos als Download erhältlich) zur Verfügung.

(idw/ml)