Auch deutsche Wirtschaft im Griff der Weltrezession

Nicht nur die Prognosen für die Weltwirtschaft senkte am Donnerstag das Institut für Weltwirtschaft (IfW) ab, auch jene für Deutschland wurden in Kiel kräftig gestutzt, denn die Rezession in Deutschland werde erheblich tiefer ausfallen als im Dezember angenommen, warnten die Kieler Experten bei der Bekanntgabe. Für das erste Quartal dieses Jahres zeichne sich ein weiterer drastischer Rückgang ab, der die Produktion in Deutschland abermals mit sich reißen werde.

Die Auftragseingänge in der Industrie, die im Herbst noch recht günstig erschienen, sind zuletzt extrem rasch geschmolzen (wir berichteten darüber). Das erzeuge Druck, die Produktion noch weiter nach unten anzupassen. Daneben dürfte die ungünstige Witterung einen negativen Einfluss auf die Bauproduktion gehabt haben. Für das gesamte Jahr 2009 habe sich damit die aktuelle Ausgangsbasis gegenüber jener der Prognose vom Dezember verändert.

Das Produktionsniveau im ersten Quartal sei spürbar niedriger als damals unterstellt. Daneben scheint die Dynamik der konjunkturellen Abwärtsbewegung stärker zu sein, vor allem, weil der Einbruch der Weltkonjunktur noch markanter ausfalle als erwartet. Das zwinge zur Revision der Prognose. Das reale Bruttoinlandsprodukt dürfte im laufenden Jahr um 3,7 Prozent sinken (Prognose vom Dezember 2008: –2,7 Prozent). Bei dieser ausgeprägten Rezession werde sich das Arbeitsvolumen erheblich verringern. Wegen der besonderen Förderung der Kurzarbeit sei es aber relativ schwierig, die Konsequenzen für die Zahl der Arbeitslosen abzuleiten, so die Experten. Sie rechnen damit, dass die Arbeitslosigkeit im vierten Quartal 2009 um reichlich 800.000 Personen höher sein werde als ein Jahr zuvor. Für den Jahresdurchschnitt bedeute dies eine Zunahme gegenüber dem Vorjahr um knapp 400.000 auf 3,6 Millionen. Die Inflationsrate werde hingegen mit 0,7% so niedrig sein wie zuletzt im Jahr 1999.

Im Verlauf des kommenden Jahres werde die gesamtwirtschaftliche Produktion voraussichtlich wieder steigen, doch bleibe die Dynamik sehr verhalten, mutmaßt das Institut. Leichte Impulse dürften aus dem Ausland kommen. Die Kieler Analysten erwarten, dass sich die Produktion in der Welt fängt und im Jahresverlauf wieder – wenn auch nur leicht – erholen wird. Damit werde auch der Welthandel wieder spürbar zulegen, hofft das Institut. In der Folge dürften die deutschen Exporte leicht beschleunigt zunehmen. Dies dürfte auch die Investitionstätigkeit im Inland stützen. Ferner sei damit zu rechnen, dass sich die Finanzierungsbedingungen im Zuge der unterstellten Entspannung an den Finanzmärkten etwas verbessern. Dazu trage auch bei, dass die Europäische Zentralbank ihren Leitzins voraussichtlich bis zum Herbst 2010 auf dem sehr niedrigen Niveau belässt.

Die privaten Konsumausgaben dürften ebenfalls steigen. Zwar werde die Zahl der Beschäftigten weiter deutlich sinken, der Preisauftrieb dürfte aber so niedrig sein, dass die real verfügbaren Einkommen insgesamt zunehmen, vor allem weil die Unternehmensgewinne wieder steigen werden. Im Jahr 2010 dürfte das reale Bruttoinlandsprodukt trotz der leichten Belebung im Verlauf nicht höher sein als im Vorjahr. Die Zahl der Arbeitslosen werde im Jahresdurchschnitt um rund 600.000 Menschen auf 4,3 Millionen zunehmen. Damit klettere die Arbeitslosenquote auf 10,2 Prozent. Die Verbraucherpreise dürften vor dem Hintergrund der niedrigen Kapazitätsauslastung nur sehr langsam steigen; im Jahresdurchschnitt werde sich die Lebenshaltung voraussichtlich um 0,9% verteuern.

(IfW/ml)