Weniger Monopoly-Spieler und mehr Ingenieure

Dieter Westerkamp, stellv. Leiter Technik und Wissenschaft im VDI
Dieter Westerkamp, stellv. Leiter Tech. und Wiss.

Die Konjunkturkrise verunsichert auch die IT-Branche. Das Wachstum der einstigen Boombranche lag 2008 unter 2%. Die Vorzeichen für 2009 seien jedoch nicht gerade rosig, mahnt der Verein Deutscher Ingenieure (VDI) anlässlich der CeBIT. Dennoch stehe die IT im Vergleich zu anderen Branchen gut da. Allein die deutschen Unternehmen der IT-Branche verzeichneten 2008 einen Umsatz von 145 Milliarden Euro. Auch in Bezug auf den Arbeitsmarkt zeigt sich die Branche stabil. Dieter Westerkamp vom VDI empfiehlt allerdings, Deutschland brauche weniger Monopoly-Spieler und mehr Unternehmer und Ingenieure, die reale Werte schaffen.

In einer Präsentation zum morgigen Auftakt der Messe in Hannover gab der stellvertretender Leiter für Technik und Wissenschaft des VDI einige aktuelle Branchenzahlen bekannt.

So blieb im Vergleich zum Vorjahr die Zahl der offenen Stellen für Informatiker auf hohem Niveau konstant, darunter 18.000 offene Stellen für Informatiker – ebenso viele wie vor einem Jahr. Entsprechend liegt die Zahl der Arbeitslosen laut Westerkamp mit 6700 auf einem relativ niedrigen Niveau und sogar um etwa 8% unter dem des Vorjahres. Das entspreche bei den Ingenieuren einer Lücke von 11.000 Informatikern. In der IT-Branche herrsche damit nach wie vor ein Fachkräftemangel. Das akute Defizit sei auch in Zeiten der Krise ein kritischer Faktor.

Bei den sozialversicherungspflichtig beschäftigten Informatikern habe die Branche 2008 sogar einen neuen Höchststand erreicht: Derzeit seien 176.000 Informatiker beschäftigt, 30.000 mehr als im IT-Boomjahr 2000.

Die nackten Arbeitsmarktzahlen im IT-Sektor ignorieren allerdings nach Einschätzung Westerkamps die Wirtschaftskrise weitestgehend. Wie weit die Krise bereits die Branche tangiert, wurde vom VDI mit einer Umfrage unter 500 Experten aus der Industrie im Vorfeld der CeBIT abgefragt

Auf die Frage nach Deutschlands Position im internationalen Wettbewerb antworteten 41%, dass sich die Position bis 2015 verbessern werde. Nur jeder Achte rechnet mit einer Verschlechterung. Das zeige, dass die Stimmung in der Branche besser sei, als vielfach dargestellt, lobte Westerkamp. Aber immerhin ein Drittel der Befragten meint auch, dass die IT-Investitionen sinken werden.

Personell gibt es in der Umfrage Anzeichen, dass die Krise einige IT-Abteilungen der Technologieunternehmen erfasst hat. 12% der Befragten sagten, dass in den IT-Abteilungen bereits Personal abgebaut wird. Auch Kurzarbeit werde immer häufiger praktiziert.

Westerkamp mahnt die Politik angesichts der Zahlen, nicht so sehr in die Sanierung von öffentlichen Gebäuden, in den Straßen- und Städtebau zu investieren, sondern in  PCs und Internetzugänge in Schulen und in Hightech-Projekte und IT. Das bringe längerfristigen Erfolg. Beispielsweise wünschen 46% der Befragten den „Aufbau von intelligenten Verkehrsinfrastrukturen“ und jeder Dritte hält Zuschüsse für Investitionen in umwelt- und ressourcenschonende ITK-Systeme für notwenig.

Mobiles Internet und multimediale Anwendungen sehen laut Umfrage  die VDI-Mitglieder als Wachstumsmärkte bis zum Jahr 2015. Innovationen wie etwa Brems- oder Spurhalteassistenten könnten die derzeit gebeutelte Autoindustrie wieder in Schwung bringen. Allein 2008 wurde eine Milliarde Euro mit integrierten IT-Systemen in der Fahrzeugindustrie umgesetzt. Ebenso profitiere die Logistikbranche von den Innovationen in der IT. Jeder vierte Befragte sieht das „Internet der Dinge“ (elektronische Vernetzung von Gegenständen, RFID) als Wachstumsmarkt an. Weiter Wachstumsmärkte sind laut Umfrage  betriebswirtschaftlichen Software sowie Soft- und Hardware für industrielle Anwendungen.

Zuletzt warnte Westerkamp die Unternehmen und Personalverantwortlichen: „Treffen Sie keine kurzsichtigen Personalentscheidungen, denn sonst verliert Ihr Unternehmen das Kapital, das Sie brauchen, um künftig wettbewerbsfähig zu sein.“ Die Politik mahnte Westerkamp, nicht nur auf die Banken und einige Großkonzerne zu schauen. Die Zukunft liege in Hightechprodukten. Diese würden vor allem von vielen innovativen Mittelständlern entwickelt.

(VDI/ml)