Deutsche begegnen Krise erstaunlich gelassen

Zukunftsängste der Deutschen
Zukunftsängste der Deutschen

Eine aktuelle Umfrage des Meinungsforschungsinstitut Emnid im Rahmen des „ARAG Deutschland Trends“ lieferte ein überraschendes Ergebnis: Offensichtlich begegnen die Deutschen der wirtschaftlichen Krise mit mehr Gelassenheit, als dies vor dem Hintergrund der aktuellen Lage zu erwarten wäre. Der soziale Abstieg ist seit einigen Jahren in den zweimal im Jahr durchgeführten Befragungen zu den Zukunftserwartungen der Bürger eine der größten Befürchtungen der Menschen im Land. Das gilt auch für 61 % der aktuell Befragten.

Erstaunlich ist aber der Jahresvergleich: Im Mai 2008 lag der Wert noch bei 69,7 %. Noch deutlicher fällt der Vergleich zum Jahr 2007 aus. Damals markierten 89,7 % ein absolutes Stimmungstief. Bisher zeigten die Umfragen, dass die Stimmung der Deutschen stets schlechter war als die tatsächliche wirtschaftliche Lage. Angesichts der Jahrhundertkrise in der Weltwirtschaft hat sich diese Formel zumindest für das Frühjahr 2009 umgekehrt – und das, obwohl die deutsche Wirtschaftsleistung im ersten Quartal 2009 um historische 3,9 % gesunken ist.

Ein erster Stimmungsdämpfer ist lediglich bei den Konsumabsichten der Bundesbürger zu erkennen. So befürchten 38,8 % der Bevölkerung, dass sie in Zukunft auf größere Anschaffungen oder gar den Urlaub verzichten müssen. Das sind 6,3 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. Aber auch hier schlummert eine Überraschung: Dieser Wert hat sich nur in den alten Bundesländern erhöht. In den neuen Ländern ist er sogar gesunken. Was größere Anschaffungen und die schönsten Wochen des Jahres angeht, sehen die Ostdeutschen im Krisenjahr 2009 optimistischer in die nahe Zukunft als noch im Frühling des Vorjahres.

Ist die Finanzkrise auch eine Rentenkrise? Für die Deutschen eher nicht. 57,9 % glauben, dass die gesetzliche Rente auf keinen Fall zur Altersabsicherung ausreicht. Vor einem Jahr waren kaum weniger (54,3 %) dieser Meinung. 2007 waren die Deutschen deutlich schlechter auf die gesetzlichen Rentenleistungen zu sprechen. Damals gaben 68,5 % zu Protokoll, dass die staatlichen Leistungen im Alter nicht ausreichend sein werden.

Vor dem Hintergrund der Krise und dem schwindenden Vertrauen in die gesetzlichen und privaten Möglichkeiten zur Altersvorsorge lohnt ein Blick auf das Vertrauen, das die Deutschen den Versicherungen entgegenbringen. Zu Beginn der Finanzkrise, im Herbst 2008, glaubten noch 44,6 % der Deutschen, dass der Bankencrash auch die Glaubwürdigkeit der Versicherungen nachhaltig schädigen wird. Nach einem halben Jahr sind davon in der aktuellen Befragung allerdings nur noch 32,2 % der Deutschen überzeugt. Offenbar nehmen die Befragten genau zur Kenntnis, dass bisher kein deutsches Versicherungsunternehmen durch die Finanzkrise in tiefgreifende Schwierigkeiten geraten ist.

Unter dem Strich zeigt sich, dass die Bundesbürger ausgesprochen robust auf die Krise reagieren. Sie nehmen die Krisenmeldungen zur Kenntnis, zeigen aber mit ihren persönlichen Einschätzungen keinen grundlegenden Stimmungswechsel. Die aktuelle Umfrage zeigt im Vergleich zu den Vorjahren, dass die Bundesbürger auch in wirtschaftlich guten Zeiten ihre Skepsis gegenüber der wirtschaftlichen Lage beibehalten und sie daher heute angesichts der Finanzkrise nicht aus allen Wolken fallen.

Die Sorgen der Deutschen projizieren sich wesentlich stärker auf die Stabilität der Marktwirtschaft. 55,2 % der Befragten gaben an, dass sie die Finanzkrise für eine Bedrohung der Sozialen Marktwirtschaft halten.

(ARAG/ml)