Wirtschaftliche Lage im Juni gibt Anlass zur Hoffnung

Nach den starken Konjunktureinbrüchen zu Jahresbeginn sieht das Bundeswirtschaftsministerium in seinem aktuellen Lagebericht vermehrte Anzeichen für eine Stabilisierung. Zwar schließen die Experten des Ministeriums einen neuerlichen Rückgang der gesamtwirtschaftlichen Leistung im zweiten Quartal nicht aus. Sollte das aber der Fall sein, werde dieser – so ihre Einschätzung – deutlich schwächer ausfallen. Sie verweisen zudem darauf, dass eine Reihe von Prognosen verschiedener Institute für das zweite Halbjahr mindestens das Ende der Abwärtsentwicklung, wenn nicht sogar Besserung vorhersagen.

Erkennbar sei bereits eine teilweise Entspannung an den Finanzmärkten und eine Verlangsamung der Talfahrt der Weltwirtschaft. Für einige Länder deuten Frühindikatoren sogar bereits wieder Besserungstendenzen an. Laut Ministerium ist davon auszugehen, dass die weltweit massiv stützende Geld- und Fiskalpolitik auch für die deutsche Wirtschaft zunehmend Wirkung zeigt. Die konjunkturellen Risiken seien aber nach wie vor ungewöhnlich hoch, mahnen die Ökonomen. Insbesondere die Belastungen auf dem Arbeitsmarkt dürften in den kommenden Monaten weiter zunehmen.

Im ersten Quartal 2009 ist das Bruttoinlandsprodukt (BIP) gegenüber dem Vorquartal preis-, kalender- und saisonbereinigt beschleunigt um 3,8 % gesunken. Ausschlaggebend hierfür waren laut Ministerium starke Bremseffekte der Außenwirtschaft mit einem negativen Wachstumsbeitrag von 2,2 Prozentpunkten sowie der Ausrüstungsinvestitionen von 1,3 Prozentpunkten. Die Bauinvestitionen und Vorratsveränderungen dämpften das Wachstum um 0,3 bzw. 0,5 Prozentpunkte. Die privaten Konsumausgaben stützen demgegenüber die Wirtschaftsentwicklung in einem Umfang von 0,3 Prozentpunkten. Hierzu dürften nicht zuletzt die PKW-Umweltprämie und die einkommenserhöhenden Maßnahmen aus dem Konjunkturpaket beigetragen haben.

Wie das Ministerium weiter ausführt, setzt sich der Abwärtstrend im Produzierenden Gewerbe noch immer fort,. Er schwäche sich aber in der Tendenz ab. Zwar seien die Vorbelastungen noch hoch, die Chancen einer Stabilisierung hätten jedoch zugenommen. Im April ging die Erzeugung im Produzierenden Gewerbe laut Statistik wieder kräftiger um preis- und saisonbereinigt 1,9 % zurück, nach einem leichten Plus im März von 0,3 %. Maßgeblich für den Produktionsrückgang war die Industrieproduktion, die sich bei starkem Rückgang im Bereich der Investitionsgüter insgesamt um 2,9 % abschwächte. Im Dreimonatsvergleich nahm die Industrieproduktion zuletzt um 10,3 % ab. Gegenüber dem Vorjahr lag sie im Dreimonatszeitraum arbeitstäglich bereinigt um 22,9 % niedriger. Die Bauproduktion wurde demgegenüber im April weiter leicht um preis- und saisonbereinigt 0,5 % und in den letzten drei Monaten gegenüber dem Vorzeitraum um 2,6 % ausgeweitet. Ihren Vorjahresstand unterschritt sie im Dreimonatsvergleich arbeitstäglich bereinigt allerdings noch um 2,5 %.

Die Aussichten für die Industrie bleiben nach Einschätzung der Experten zwar durch die zuvor schwache Nachfrage nach industriellen Erzeugnissen vorbelastet (Dreimonatsvergleich: -7,7 %). Zuletzt habe es aber preis- und saisonbereinigt mit der Stagnation im April (+0,0 %) und dem zuvor kräftigen Anstieg des Auftragsvolumens im März um 3,7 % erste Stabilisierungstendenzen gegeben. Das bestätigen auch die Stimmungsindikatoren, die sich insbesondere aufgrund der Erwartungskomponente allmählich etwas aufhellen.

Im Bauhauptgewerbe hat sich der Abwärtstrend der Auftragseingänge zuletzt abgeschwächt. Die in den Einzelmonaten teilweise stark schwankende Bestelltätigkeit legte im März preis- und saisonbereinigt deutlich zu (+2,6 %), gab im Dreimonatsvergleich mit -2,1 % aber noch nach. Das Geschäftsklima im Baugewerbe ist weiterhin stark eingetrübt. Die Aussichten für das Baugewerbe sind angesichts der zu erwartenden Impulse aus den Konjunkturpaketen aber eher günstig.

Der private Konsum wirkte im ersten Quartal stabilisierend. Die Impulse durch die Pkw-Umweltprämie trugen hierzu maßgeblich bei. Das Niveau des Handels mit Kraftfahrzeugen – nach dem Umsatzsprung mit einem saisonbereinigten Anstieg um 11,0 % im ersten Quartal – konnte im April gehalten werden. Die Umsätze im übrigen Einzelhandel gingen im ersten Quartal preis- und saisonbereinigt um 0,8 % zurück und erholten sich im April nur leicht um 0,5 %. Dies spricht dafür, dass ein Teil der Ausgaben für Neuwagen zulasten anderer Verwendungszwecke geht. Das bestätigt Kritiker der Maßnahme in anderen Wirtschaftszweigen.

Das Ministerium ist aber zuversichtlich, dass die Maßnahmen der Konjunkturpakete dem privaten Konsum in den kommenden Monaten weitere Impulse geben werden. Die Verschlechterung der Lage auf dem Arbeitsmarkt werde sich dagegen zunehmend belastend auswirken. Die ifo-Geschäftserwartungen im Einzelhandel (wir berichteten darüber) verharrten daher auch im Mai auf niedrigem Niveau.

Der Rückgang der Exporte setzte sich im April kräftig fort. Dennoch glaubt das Ministerium an eine allmähliche, aber absehbare Verlangsamung der Talfahrt. Die Warenausfuhren in jeweiligen Preisen gingen im April beschleunigt um saisonbereinigt 4,8 % zurück. Der Vorjahresstand wurde im Dreimonatsvergleich um 22,9 % (Ursprungswerte) unterschritten. Die nominalen Einfuhren nahmen zuletzt saisonbereinigt etwas stärker als die Ausfuhren um 5,8 % ab. Im Dreimonatsvergleich lagen sie gemäß Ursprungszahlen um 17,4 % unter ihrem Niveau vor einem Jahr. Die Perspektiven für den deutschen Außenhandel bleiben verhalten. Der Abschwung der Weltwirtschaft verliere aber an Dynamik, stellen die Experten des Ministeriums fest. Auch zeige die Entwicklung der Auslandsaufträge in der Industrie Anzeichen einer Stabilisierung.

Der Arbeitsmarkt hingegen stehe weiter im Zeichen der Rezession, warnen die Experten. Wie die Bundesagentur für Arbeit zuletzt meldete (wir berichteten darüber) setzte sich der Rückgang der Beschäftigung im April mit einer saisonbereinigten Abnahme um 60.000 Erwerbstätige im Inland kräftig fort. Der Rückgang der Arbeitslosigkeit wurde demgegenüber im Mai angesichts einer verspäteten Frühjahrsbelebung sowie der Auswirkung der Neuausrichtung des arbeitsmarktpolitischen Instrumentariums vorübergehend unterbrochen. Saisonbereinigt erhöhte sich die Arbeitslosigkeit im Mai lediglich um 1000 Personen. Mit 3,458 Millionen registrierten Arbeitslosen (Ursprungszahl) wurde der Vorjahresstand aber weiter um 175.000 Personen überschritten. Die Arbeitslosenquote verringerte sich jahreszeitlich bedingt auf 8,2 %. Dabei wird der Arbeitsmarkt durch die hohe Inanspruchnahme von Kurzarbeit um rund 430.000 Arbeitslose, die ohne Kurzarbeit zusätzlich zu verzeichnen wären, massiv entlastet.

Das Preisklima in Deutschland ist nach Angaben des Statistischen Bundesamtes weiterhin auf allen Preisstufen äußerst ruhig. Das Niveau der Verbraucherpreise blieb gegenüber dem Stand vor einem Jahr im Mai unverändert. Vor allem die Preise für Energieprodukte und für Nahrungsmittel waren günstiger als vor einem Jahr. Ohne Energie und saisonabhängige Nahrungsmittel sank der Verbraucherpreisindex im Mai um 1,2 %. In den kommenden Monaten ist deshalb nach Meinung der Experten aufgrund von Basiseffekten mit einem weiteren Absinken der Verbraucherpreise gegenüber dem Preisniveau des vergleichbaren Vorjahreszeitraums zu rechnen.

Ausgewählte Detaildaten stehen in Tabellenform online zur Verfügung.

(BMWi/ml)