BDI-Konjunkturreport bedingt optimistisch

Werner Schnappauf, Hauptgeschäftsführer des BDI
Werner Schnappauf, BDI

Die Anzeichen für eine Bodenbildung mehren sich. Das sei positiv, aber noch längst kein wirtschaftlicher Aufschwung, warnte gestern Werner Schnappauf, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI) anlässlich der Vorstellung des aktuellen BDI-Konjunktur-Reports. Die dauerhafte  Erholung werde ein langer Prozess werden. Verglichen mit dem Vorjahr bleibe die Lage angespannt. Das zeige schon die Auftragslage: Sie lag im Mai um über 30 % unter dem Vorjahresniveau. Entscheidend für die deutsche Industrie – die allein ein Viertel des BIP erwirtschaftet – sei aber die Entwicklung des Exports.

Derzeit sprich laut Schnappauf wenig dafür, dass die Weltwirtschaft wieder zügig in Gang kommt. Das führe unvermeidlich zu Kapazitätsanpassungen im Inland. Nicht nur die Beschäftigung, auch der Bedarf an Investitionen werde zurückgehen.

Als aktuell größte Herausforderung für die Realwirtschaft bezeichnete Schnappauf die Liquiditätssicherung. Die Finanzierungssituation habe sich eindeutig verschärft und könnte sich in den nächsten Monaten drastisch verschlechtern. Es müsse auf jeden Fall vermieden werden, dass erste zaghafte Wachstumstriebe durch fehlende Liquidität abgewürgt werden, warnte Schnappauf. Die Nachbesserungen beim Finanzmarktstabilisierungsgesetz und die Erleichterungen bei der Neubewertungsrücklage würden zwar helfen, jedoch werde die Eigenkapitalbasis der Banken aufgrund der Basel-II-Regelung stärker beansprucht. Diese Regel wirke prozyklisch und damit krisenverschärfend. Sie müsse deshalb rasch modifiziert werden.

Neben dem akuten Krisenmanagement brauche Deutschland mittelfristig ein Programm für Innovation und Wachstum, betonte Schnappauf. Dabei gehe es nicht allein um pures Wachstum, sondern um Innovationen, um neue Technologien. Es gehe um Lösungen für die großen Herausforderungen der Welt: Klimawandel, Demografie und Urbanisierung. Erfolgreiche Innovationen brächten automatisch Wachstum und damit Arbeitsplätze.

Der aktuelle BDI-Konjunktur-Report steht als kostenloser Download online zur Verfügung.

(BDI/ml)