Korruption, Datendiebstahl, Preisabsprachen
Schäden durch Wirtschaftskriminalität steigen drastisch

Rund zwei von drei deutschen Großunternehmen wurden in den vergangenen zwei Jahren durch Betrug, Spionage, Kor­rup­ti­on und andere Straftaten geschädigt. Zusätzlich stie­gen die Schadenskosten dramatisch an. Im Durch­schnitt verursachte jedes aufgedeckte Delikt einen Scha­den von knapp 4,3 Mio. Euro. Wenige Jahre zuvor lag dieser Wert bei nur knapp 1,6 Mio. Euro, wie aus der Studie „Wirtschaftskriminalität 2009 – Zur Sicherheitslage in deutschen Großunternehmen“ der Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) und der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg hervor geht.

Lediglich die zusätzlichen Aufwendungen für das Schadensmanagement, z.B. Anwaltskosten, stagnierten im Zeitraum zwischen 2007 und 2009 bei rund 830.000 Euro je Delikt. Steffen Salvenmoser, ehemaliger Staatsanwalt und Partner bei PwC warnt jedoch:

„Die direkten Kriminalitätskosten sind aber oft nur die Spitze des Eisbergs. Vor allem bei Korruption, Datendiebstahl oder auch Preisabsprachen wiegt der Schaden für den Ruf des betroffenen Unternehmens mittlerweile schwerer als der messbare finanzielle Verlust.“

So habe im Zeitraum von 2007 bis 2009 annähernd jedes zweite Opfer (44 % der Unternehmen) durch eine Wirtschaftsstraftat einen erheblichen Reputationsverlust erlitten. In der Vorläuferstudie von 2007 war dies nur bei 27 % der Befragten der Fall.

Als gravierende indirekte Schäden nannten die Unternehmen zudem die Beeinträchtigung der Beziehungen zu Geschäftspartnern (45 %) und Behörden (31 %) sowie einen Rückgang der Arbeitsmoral bei den Beschäftigten (36 %). Gut jedes fünfte börsennotierte Unternehmen verzeichnete einen Rückgang des Aktienkurses als Kriminalitätsfolge – in der Studie von 2007 hatte nur jeder zwölfte Befragte diesen Aspekt genannt.

Für die kommenden Jahre erwarten die Unternehmen auch angesichts der Wirt­schafts­kri­se einen weiteren Anstieg der Wirtschaftskriminalität. Gut 40 % der Befragten rechnen in ihrer Branche verstärkt mit Wettbewerbsdelikten wie Industriespionage oder Kartellabsprachen, knapp jedes dritte Unternehmen prognostiziert mehr Straftaten aufgrund von Arbeitsplatzsorgen der Beschäftigten.

Dennoch wollen laut Studie die befragten Unternehmen ihre Investitionen in Präventions- und Kontrollmaßnahmen kaum erhöhen. Im Gegenteil: Jedes Fünfte will das Budget in den kommenden zwei Jahren sogar kürzen. „Anders als beispielsweise in den Vereinigten Staaten wird das Thema Compliance offenbar von vielen deutschen Unternehmen noch immer nicht ernst genommen“, kritisiert Claudia Nestler, bei PwC für den Bereich Forensic Services zuständig.

Für die Studie wurden im Frühjahr 2009 zunächst 500 deutsche Großunternehmen befragt. Im August folgten 100 Interviews zu den erwarteten Folgen der Wirtschaftskrise. Die Erhebung umfasst alle entdeckten Straftaten der Jahre 2007 und 2008 und ist damit umfassender als die Kriminalstatistik, die nur die zur Anzeige gebrachten Delikte berücksichtigen kann. (ots/ml)