Außenstände
Zahlungsmoral mittelständischer Kunden sinkt

Zum Download
Zum Download

Infolge der schlechteren Wirtschaftslage und der schärferen Finanzierungskonditionen kommen die Kunden des Mittelstandes nach Angaben von Creditreform ihren Zahlungsverpflichtungen schleppender nach als vor einem Jahr. Lieferanten und Dienstleister müssen häufiger und mehr Forderungen ausbuchen als vor Ausbruch der Wirtschaftskrise. Jeder Achte erleidet Forderungsausfälle. Entsprechend büßte der Creditreform ZaC-Index (ZaCX) gegenüber dem Vorjahr 2,1 Zähler ein und notiert jetzt bei 63,7 von 100 möglichen Punkten.

Die von Creditreform befragten 4000 mittelständischen Unternehmen bewerten das Zahlungsverhalten ihrer Kunden schlechter als im Vorjahr. Nur noch 39,4 % der Unternehmen schätzen die Zahlungsweise der Auftraggeber mit sehr gut oder gut ein. Im vergangenen Jahr waren es noch 45,9 %. 6,2 % der Unternehmen machen sogar überwiegend schlechte Zahlungserfahrungen. Der Saldo aus guten und schlechten Noten beträgt +33,2 Punkte (Vorjahr: +40,5).

Jeder achte Mittelständler (13,2 %) musste Forderungen aus Lieferungen und Leistungen von mehr als einem Prozent seines Jahresumsatzes als Verlust ausbuchen (Vorjahr: 9,8 %). Keine Probleme dieser Art hatten noch gut 51 % der Unternehmen (Vorjahr: 58,9 %). Eine Drei-Viertel-Mehrheit der Unternehmen (74,6 %; Vorjahr: 77,8 %) berichtet, dass die Kunden spätestens nach 30 Tagen ihren Zahlungsverpflichtungen nachkommen.

Von Verschlechterungen beim Kundenzahlungsverhalten berichten derzeit vor allem Wirtschaftsbereiche, die für Exportwirtschaft und Industrie arbeiten und als Dienstleiser für gewerbliche Kunden tätig sind. So bewerten Unternehmen aus der Metall- und Elektrobranche (67 Punkte; Vorjahr: 79 Punkte), Unternehmensdienstleister (69; Vorjahr: 73) sowie Verkehrs- und Logistikbetriebe (66; Vorjahr: 72) die Zahlungsweise ihrer Kundschaft mit teilweise deutlich schlechten Noten als im Herbst des vergangenen Jahres. Besser bzw. unverändert sind die Zahlungserfahrungen der konsumnahen Dienstleister (70; Vorjahr: 67), der Konsumgüterhersteller (74; Vorjahr: 69) sowie der Bauunternehmen (71; Vorjahr: 71).

Die Auswertung der Daten der zurückliegenden sechs Monate aus dem Creditreform-Datenpool zeigt: Bereits überfällige Rechnungen bleiben nach Ablauf der Zahlungsfrist im Durchschnitt weitere 14,47 Tage unbezahlt. Dabei werden Waren im Werte von weniger als 100 Euro mit einer Verzögerung von durchschnittlich 15,09 Tagen schleppender bezahlt als größere Rechnungssummen. Ab 1000 Euro Warenwert beträgt die Überfälligkeit durchschnittlich 13,55 Tage.

Beim Zahlungsverhalten existieren teilweise große regionale Unterschiede: Die größten Zahlungsverzögerungen wiesen im 2. Quartal 2009 Berliner Unternehmen auf (16,41 Tage). Am schnellsten kamen Unternehmen aus Schleswig-Holstein (12,78 Tage) und Bayern (12,87 Tage) ihren Zahlungsverpflichtungen nach. Unter den besten sechs deutschen Ländern finden sich auch Mecklenburg-Vorpommern (13,87 Tage) und Sachsen (14,13 Tage).

Die vollständige Fassung des ZaC-Index steht als kostenloser Download online zur Verfügung.

(Creditreform/ml)