Gründungen
Im ersten Halbjahr weniger Kleinstbetriebe gegründet

Nach neuesten Berechnungen des Instituts für Mittelstandsforschung Bonn (IfM) belief sich die Zahl der Existenzgründungen in Deutschland im ersten Halbjahr 2009 auf rund 208.000, rund 0,2 % mehr als im vergleichbaren Zeitraum des Vorjahres. Allerdings ist das nur das Endresultat aus zwei gegenläufigen Entwicklungen: So ist die Zahl der Kleinbetriebsgründungen in diesem Zeitraum um 0,7 % auf rund 131.000 zurückgegangen, während die Zahl neugegründeter Betriebe mit einer größeren wirtschaftlichen Bedeutung um 5,0 % auf knapp 54.000 stieg.

Als Betriebe mit einer größeren wirtschaftlichen Bedeutung gelten Betriebsgründungen von Hauptniederlassungen mit entweder einem Eintrag ins Handelsregister oder einem Handwerksrolleneintrag oder mindestens einem sozialversicherungspflichtig Beschäftigten.

Da die Experten ursprünglich mit einer höheren Arbeitslosigkeit rechneten, diese dann aber bei weitem weniger stark zunahm, blieb die Zahl der Kleinbetriebsgründungen im ersten Halbjahr ebenfalls unter der Prognose. Kleinbetriebsgründungen erfolgen besonders oft aus der Arbeitslosigkeit heraus. Die beiden FörderinstrumenteGründungszuschuss“ und „Einstiegsgeld“ der Bundesagentur für Arbeit wurden in Folge der kaum veränderten Zahl solcher Gründungen nur geringfügig häufiger in Anspruch genommen als im Vergleichszeitraum des ersten Halbjahres 2008.

Im Vergleich zum Vorjahr ist die Zahl der Liquidationen im ersten Halbjahr 2009 um 2,8 % auf rund 202.000 gesunken. Allerdings gilt auch: Während im ersten Quartal 2009 noch ein Anstieg der Betriebsaufgaben von Hauptniederlassungen und Kleingewerbeaufgaben zu verzeichnen war und insgesamt ein Anstieg der Zahl der Liquidationen um 1,0 %, hat sich der Trend im zweiten Quartal 2009 umgekehrt. Die Zahl der Liquidationen ging in diesem Zeitraum insgesamt um 7,2 % zurück (Betriebsaufgaben von Hauptniederlassungen: -6,8 %, Kleingewerbeaufgaben: -7,8 %).

Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen stieg dagegen im 1. Halbjahr 2009 deutlich an und lag in Deutschland um 14,8 % über dem Vorjahreswert. Dieser scheinbare Widerspruch ist die Folge davon, dass sich deutlich mehr Unternehmen als im Vorjahr überschuldeten oder zahlungsunfähig wurden und Insolvenz anmelden mussten. Andere Unternehmen gerieten zwar in eine schwierige bis existenzbedrohende Situation, ohne dass damit bereits eine Überschuldung bzw. Zahlungsunfähigkeit einherging. Im Gegensatz zu 2008 besteht für solche Unternehmer allerdings keine attraktive Alternative zur Selbstständigkeit, so dass sie derzeit auf eine freiwillige Unternehmensliquidation verzichten.

Der Gründungssaldo (Differenz aus Gründungen und Liquidationen) hat sich verglichen mit dem Vorjahr um rund 6200 erhöht und beträgt nunmehr rund 5900. Zu diesem Anstieg haben sowohl ein positiver Saldo bei den Kleingewerbegründungen als auch bei den Betriebsgründungen von Hauptniederlassungen gleichermaßen beigetragen.

Das IfM Bonn erwartet für das zweite Halbjahr 2009 aufgrund der derzeit noch schlechten konjunkturellen Lage sowohl einen Anstieg der Gründungszahlen, insbesondere von Gründungen aus der Arbeitslosigkeit, als auch der Liquidationen. Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen wird vermutlich ebenfalls weiter steigen.

(idw/ml)