Langfristige Krisenschäden für Export denkbar

Zum Download
Zum Download

Der Export fasst langsam wieder Tritt, so scheint es. Viele Beobachter gehen davon aus, dass mit der Erholung auch das frühere hohe Exportniveau wieder in erreichbare Nähe rückt. Ökonomische Standardmodelle stützen diesen Optimismus weitgehend. Aber stimmen diese Modelle überhaupt? Allein die Existenz der Krise läßt daran Zweifel aufkommen. Die Experten Olivier Godart, Holger Görg und Dennis Görlich vom Institut für Weltwirtschaft (IfW) in Kiel warnen jedenfalls vor einem zu großen Optimismus und führen dafür starke Argumente ins Feld.

Die IfW-Experten glauben, die globalen Produktionsnetzwerke seien durch die Krise zu sehr in Mitleidenschaft gezogen worden. Viele Unternehmen, die krisenbedingt die Exportmärkte verlassen haben, fänden nur unter erheblichen Kosten wieder Zugang zu den globalen Netzwerken.

Weitaus stärker als früher seien die gegenwärtigen internationalen Handelsverflechtungen durch eine Globalisierung der Produktion von Gütern und Dienstleistungen charakterisiert. Unternehmen exportieren Endprodukte in alle Welt und beziehen die für ihre Produktion benötigten Zwischenprodukte von Anbietern aus einer Vielzahl von Ländern. Diese globalen Produktionsnetzwerke seien durch die Finanzkrise erheblich geschwächt worden. Denn die im Zuge der Finanzkrise zurückgehende Konsumnachfrage habe einen Domino-Effekt angestoßen: Die abnehmende Konsumnachfrage ließ die Exporterträge und damit die Nachfrage nach Zwischenprodukten sinken. Die zurückhaltende Kreditvergabe der Banken verstärkte diesen Effekt, da sie die Finanzierung notwendiger Zwischenprodukte erschwerte.

Behindert wird nach Meinung der Ökonomen des Instituts die rasche Erholung der Exportwirtschaft auch durch die hohen Kosten eines Wiedereintritts in die globalen Produktionsnetzwerke. Denn Exporte verursachen hohe Anlaufkosten – etwa für Marktforschung, das Einrichten ausländischer Vertriebsnetze oder die Bezahlung von auf das Recht des jeweiligen Importlandes spezialisierten Anwälten – die zu einem großen Teil schlicht und einfach verloren sind, wenn eine Firma den Exportmarkt erst einmal verlassen hat. Für Firmen, die aufgrund eines dramatischen Rückgangs (möglicherweise unfreiwillig) beschließen, aus dem Exportgeschäft auszusteigen, werde es daher schwierig, in das Exportgeschäft wieder einzusteigen, warnen die Experten.

Das Fazit des IfW-Globalisierungsexperten Holger Görg: „Die Exportwirtschaft wird durch die Finanzkrise langfristiger und nachhaltiger in Mitleidenschaft gezogen, als es ökonomische Standardmodelle suggerieren. Insbesondere mit Blick auf die globalen Produktionsnetzwerke ist es daher eher unwahrscheinlich, dass der Export wieder normal läuft, sobald sich die Weltwirtschaft erholt hat.“

Ein ausführlicher Beitrag der IfW-Experten Olivier Godart, Holger Görg und Dennis Görlich zu diesem Thema steht in Form der Ausgabe 9/2009 des (englischsprachigen) „Kiel Policy Brief“ als kostenloser Download online zur Verfügung.

(IfW/ml)