ZEW-Konjunkturerwartungen
Blick der Finanzmarktexperten wird nüchterner

ZEW Konjunkturerwartungen
ZEW Konjunkturerwartungen

Nach einem steilen Steigflug seit Jahresbeginn mit nur einer Unterbrechung im Juni flacht die Kurve der Konjunkturerwartungen, die das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) monatlich erhebt, nun wohl ab. Nach einer deutlich geringeren Zunahme im September ergibt sich für Oktober sogar ein leichter Rückgang um 1,7 Punkte. Die ZEW-Konjunkturerwartungen landen nach 57,7 Punkten im Vormonat damit aktuell bei 56,0 Punkten. Mit diesem Wert liegen sie dennoch weit über ihrem historischen Mittelwert von 26,7 Punkten.

Auslöser für die etwas eingetrübten Erwartungen dürften laut ZEW verschiedene Faktoren sein. Positiv wird der erneute Anstieg der Auftragseingänge bewertet, hingegen dürfte der jüngste Rückgang der Exporte leicht dämpfend gewirkt haben. Ungewiss scheint den vom Institut befragten Finanzmarktexperten wohl die Entwicklung des privaten Konsums. In der Summe ergibt sich damit ein leichtes Minus.

Die Bewertung der aktuellen konjunkturellen Lage für Deutschland ist nach wie vor negativ und verbessert sich nur allmählich. Der entsprechende Indikator stieg daher nur geringfügig um 1,8 Punkte auf minus 72,2 Punkte.

Die Konjunkturerwartungen für die Eurozone sind laut ZEW im Oktober gegenüber dem Vormonat um 2,7 Punkte gesunken und liegen nun bei 56,9 Punkten. Der Indikator für die aktuelle Konjunkturlage im Euroraum verbesserte sich um 2,5 auf minus 75,4 Punkte.

(ZEW/ml)

Kommentar

Der leichte Rückgang beendet eine Phase einer streckenweise schon unheimlichen Aufhellung der Erwartungen. Es deutet sich eine Zeit einer ernüchterten Betrachtung an – ein gutes Zeichen dafür, dass bei aller Freude über eine deutlich kürzere Krise der Verstand der Finanzmarktakteure nicht durch Gefühle außer Kraft gesetzt wird. Wir brauchen beides zur Bewältigung der Krise.

Im Übrigen muss man dem ZEW im Nachhinein hohen Respekt dafür zollen, dass es als erstes Institut und konsequent eine so positive Entwicklung konstatierte und sich auch durch Skeptiker und Kritiker aus der Wirtschaft und den eigenen Reihen nicht davon abhalten ließ, diese zu publizieren. Das war ein Imagewagnis ersten Ranges und die Courage des ZEW erwies sich als berechtigt. Chapeau!

(lg)