BVL/DIW Logistik-Indikator
Logistikbranche voller Vertrauen in die Zukunft

Gesamtindikator 1. Quartal 2007 bis 4. Quartal 2009Der Aufschwung in der deutschen Logistikwirtschaft setze sich zum Jahresende fort, meldet das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin. Der vom DIW für die Bundesvereinigung Logistik (BVL) vierteljährlich aus­ge­ar­bei­tete Logistik-Indikator stieg im vierten Quartal um 20 Punkte und damit noch kräftiger als im Vorquartal, als er um gut 14 Zähler zulegen konnte. Der jetzt erreichte Indexstand von 102,4 Punkten signalisiert bereits wieder eine Normalisierung nach dem drastischen Einbruch 2008/2009.

Aber wie schon bei Konjunkturindikatoren anderer Prognoseinstitute basiert die hohe Punktezahl vor allem auf einer optimistischen Zukunftssicht: Dies zeigt sich daran, dass auch beim Logistik-Indikator die Expertenurteile zur aktuellen Lage und zur Zukunftserwartung mit einer Differenz von gut 37 Indexpunkten weit auseinanderklaffen.

Für die Gesamtbeurteilung gilt deshalb: Die erwartete Verbesserung der Geschäftsentwicklung in den kommenden zwölf Monaten bezieht sich auf eine Lageeinschätzung, die immer noch 16 % unter dem Normalniveau liegt. „Der Weg aus der Talsohle ist mühsam, da die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen nach wie vor schwierig sind“, charakterisiert Raimund Klinkner, Vorstandsvorsitzender der Bundesvereinigung Logistik, deshalb die aktuelle Situation.

Von den seitens der neuen Bundesregierung in Aussicht gestellten steuerlichen Entlastungen für Unternehmen gehen nach ganz überwiegender Ansicht der Befragten keine nennenswerten konjunkturellen Impulse aus. 68 % der Logistikdienstleister und sogar 79 % der befragten Industrie- und Handelsunternehmen äußerten sich skeptisch.

Dominiert wird die Entwicklung des Gesamtindikators durch die sehr kräftige Erholung auf der Anbieterseite (Logistikdienstleister), deren Teilindikator um 31,5 Punkte anzog. Wesentlich gedämpfter verläuft die Dynamik indes bei den Anwendern in Industrie und Handel (Klimaverbesserung um gut 8,3 Punkte). Bei beiden Gruppen war jeweils die bessere Einschätzung der aktuellen Lage die wesentliche Triebkraft. Erstmals seit mehr als einem Jahr zeigt sich das Logistikklima der Anbieter (107,7 Indexpunkte) wieder freundlicher als das der Anwender (97,2 Indexpunkte).

Auf der Anbieterseite hat der Umschwung bei den Auftragseingängen aus dem In- und Ausland maßgeblich zur drastischen Verbesserung der Lageeinschätzung (+40 Indexpunkte) beigetragen. Auch die Kapazitätsunterauslastung konnte deutlich verringert werden. Für die kommenden zwölf Monate wird ganz überwiegend mit einer Fortsetzung dieser Entwicklung gerechnet.

Hinsichtlich der Geschäftserwartungen nähern sich die Logistikdienstleister nunmehr enger an die von den Anwendern in Industrie und Handel zukünftig erwarteten Logistikbedarfe an. In der Folge wird kein wesentlicher weiterer Personalabbau geplant und die Sachkapazitäten dürften sogar wieder leicht ausgebaut werden.

Bei den Befragten auf der Nachfrageseite fallen die Indexbewegungen wesentlich milder aus. Dies ist vor allem darauf zurückzuführen, dass auch der Absturz in den Vorquartalen gedämpfter verlief: Die Hauptanpassungslast schwankender Logistikbedarfe wurde vor allem auf die Logistikanbieter abgewälzt, während die eigenen Kapazitäten auch in den Krisenquartalen insgesamt befriedigend ausgelastet werden konnten.

Die verbesserte Lageeinschätzung ist bei nahezu stagnierendem Logistikbedarf auf die leicht verbesserte Kapazitätsauslastung und die zwar immer noch hohe aber nunmehr etwas verringerte Kapazitätsverfügbarkeit im Markt zurückzuführen. Der Erwartungsindikator für die Anwenderseite bleibt nahezu unverändert (+1,3 Indexpunkte).

(DIW/ml)

BVL/DIW Logistik-Indikator

Der BVL/DIW Logistik-Indikator wird seit Herbst 2006 vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin für die Bundesvereinigung Logistik berechnet. Der Indikator-Wert kann zwischen 0 und 200 pendeln, wobei ein Wert von 100 eine konjunkturelle Normalsituation kennzeichnet (befriedigende und stabile Geschäfts- und Auftragslage mit normaler Kapazitätsauslastung).