Bankenumfrage
Personalabbau trotz florierender Geschäfte

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Deutschlands Banken sehen sich wieder auf der Gewin­ner­seite: Eine klare Mehrheit der Banken erwartet in den meis­ten Geschäftsbereichen günstige Entwicklungen und eine weitere Verbesserung der eigenen Geschäftslage. Bei der personellen Ausstattung sehen die Ban­ken dennoch akuten Handlungsbedarf in Form von Personalkürzungen. Außer­dem soll die Risikovorsorge erhöht, die Kredit­men­ge reduziert und das Kreditzinsniveau heraufgesetzt werden.

Diese für Bankkunden wenig erfreulichen Pläne deckt das vierte Bankenbarometer des Beratungsunternehmens Ernst & Young auf, für das Führungskräfte aus 120 deutschen Banken interviewt wurden.

Laut dieser Befragung bezeichnen 93 % der Banken ihre aktuelle operative Geschäftslage als sehr gut oder eher gut – Ende vergangenen Jahres lag der Anteil noch bei 78 %. Zudem haben die Führungskräfte ihre Erwartungen an die kurzfristige Geschäftsentwicklung deutlich nach oben korrigiert: Der Anteil der Optimisten, die eine positive Geschäftsentwicklung im laufenden Jahr erwarten, stieg im Jahresvergleich von 67 auf 89 %.

Trotz dieser positiven Aussichten wollen die Banken an ihrem Sparkurs festhalten: Dass 73 % derzeit Kostensenkungsmaßnahmen durchführen, wäre noch verständlich. Aber jede vierte Bank will demnächst die Zahl der Beschäftigten reduzieren. Gegenüber der Jahresmitte 2009 ist der Anteil der Banken mit Stellenabbau-Plänen sogar nochmals von 21 % auf 26 % leicht gestiegen.

Immerhin ist auch der Anteil der Institute, die zusätzliche Mitarbeiter einstellen wollen,ebenfalls gestiegen, nämlich von 11 % auf 17 %. „Darin spiegeln sich die höheren Erwartungen vor allem jener Institute wider, die ihre Hausaufgaben schon gemacht haben und nun wieder auf Wachstum umschalten“, glaubt Dirk Müller-Tronnier, Leiter Banking & Capital Markets bei Ernst & Young. Für eine allgemeine Entwarnung sei es aber noch zu früh, einige strukturelle Probleme der deutschen Bankenlandschaft seien nach wie vor ungelöst.

Nach wie vor sieht die Mehrheit der Banken einen wachsenden Bedarf an Risikovorsorge aus dem normalen Kreditgeschäft: Waren es vor einem halben Jahr noch 70 % der Institute, die sich auf steigende Kreditausfälle vorbereiteten, so sind es derzeit noch 57 %.

Für immer noch kritisch halten 83 % der Banker die Entwicklung der Automobilindustrie (Mitte 2009: 90 %). Deutlich verschlechtert hat sich die Beurteilung des Maschinenbaus, dessen Kredite 43 % der Befragten als besonders ausfallgefährdet ansehen (Mitte 2009: 31 %).

Für Konsumenten und Häuslebauer planen die Kreditinstitute steigende Raten- und Immobilienkredite. So erwarten 39 bzw. 32 % der befragten Bankmanager steigende Kreditzinsen, nur jeweils 7 % sehen eine entgegengesetzte Entwicklung.

Steigende Einnahmen erwarten die befragten Banken aus dem Bereich des Retail Bankings, der Vermögensverwaltung und dem Einlagengeschäft, in dem die Banken allerdings auch den höchsten Wettbewerbsdruck empfinden. Lediglich in der Transaktionsberatung sind die Erwartungen leicht gedämpft.

Eine Rückkehr zu alten Gewohnheiten droht durch die offensichtliche Rehabilitation offensiver Strategien: Wenn auch Risikomanagement und Kostensenkungen immer noch die Top-Themen sind, so denken die Banken doch wieder verstärkt über offensivere Maßnahmen wie die Entwicklung neuer Produkte, den Aufbau neuer Geschäftsbereiche oder die Erschließung neuer Auslandsmärkte nach.

Die Ernst & Young Studie Bankenbarometer steht als kostenloser Download im Internet zur Verfügung.

(Ernst & Young/ml)