Kienbaum-Studie: Motivationsstrategien für alternde Belegschaften

Rund die Hälfte der Unternehmen hat noch immer keine Maßnahmen ergriffen um den Problemen zu begegnen, die eine alternde Belegschaft bei gleichzeitigem Mangel an qualifiziertem Nachwuchs mit sich bringt. Den demografischen Wandel werden aber nur die Unternehmen erfolgreich bestreiten, die ältere Mitarbeiter durch frühzeitig eingesetzte Motivations- und Anreizsysteme an das Unternehmen binden und gleichzeitig dazu bewegen, sich den geänderten Anforderungen anzupassen. Das ergab die Studie „Motivations- und Anreizsysteme für älter werdende Belegschaften“ der Managementberatung Kienbaum und des Arbeitgeberverbands Hessenchemie.Konkret geht es um die Bereitschaft der Mitarbeiter länger zu arbeiten, Erhaltung der Gesundheit, Motivation, Lernen und Leistungsfähigkeit. „Die Personaler müssen schon heute die Voraussetzungen in den Führungs- und Vergütungssystemen dafür schaffen, dass in den nächsten Jahren die benötigten Mitarbeiter und Kompetenzen zur Verfügung stehen“, mahnt Studienleiter Hans-Carl von Hülsen von Kienbaum.

2015 ist fast die Hälfte der Beschäftigten älter als 50 Jahre. Zeitgleich rücken immer weniger Berufseinsteiger nach. Während lediglich zwei Prozent der 90 befragten Unternehmen überwiegend jüngere Mitarbeiter beschäftigen, weisen drei Viertel der Unternehmen eine komprimierte oder eine alterszentrierte Belegschaft vor.

Die Hälfte der befragten Unternehmen sieht durch den demografischen Wandel die eigene Innovations– und Wettbewerbsfähigkeit gefährdet. Vor allem Gesundheit, Motivation, Wissen und Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter, die heute älter als 45 Jahre sind, werden in den kommenden Jahren über die unternehmerischen Erfolge entscheiden. In der Praxis zeige sich aber, dass die bestehenden Beurteilungs-, Führungs- und Vergütungssysteme das Älterwerden größtenteils noch ausklammern, warnt Vergütungsexperte von Hülsen.

Die Mehrheit der befragten Unternehmen ist davon überzeugt, dass die Personalkosten in den kommenden Jahren steigen werden: Aufgrund des sich zuspitzenden Fachkräftemangels verstärke sich der Druck, das Gesamtvergütungspaket aus Grundgehalt, variabler Vergütung und Nebenleistungen bei leistungsstarken (älteren) Mitarbeitern im Vergleich zum Wettbewerb zu erhöhen. Attraktive und gleichermaßen kosteneffiziente Vergütungssysteme dürften deshalb im Wettbewerb um Personal an Bedeutung gewinnen.

Insbesondere bei Topleistern älter als 45 Jahre sowie bei jungen Potenzialträgern wird die betriebliche Altersversorgung in den nächsten fünf Jahren einen deutlich höheren Stellenwert einnehmen als bisher. Aus diesem Grund planen die befragten Unternehmen eine engere Verzahnung der Altersversorgungsmodelle mit den Vergütungssystemen: Präferierte Anreizstrategien sind die Höherversorgung durch Entgeltumwandlung (Deferred Compensation) sowie leistungsbezogene Arbeitgeberzuschüsse. „Die Kopplung der Beitragszuschüsse des Arbeitgebers an die Zielerreichung eines Mitarbeiters eignet sich nicht nur, um Anreizimpulse zu setzen, sondern trägt auch maßgeblich zur Mitarbeiterbindung bei“, sagt von Hülsen.

(Kienbaum/ml)