Deutsche Tagespresse
Atlas enthüllt Schrumpf- und Konzentrationsprozess

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Immer mehr lokale und regionale Tageszeitungen in Deutschland sind gezwungen, ihre Redaktionen zu verkleinern und die überregionale Berichterstattung an größere Zeitungen abzugeben. Hauptsächlich dafür verantwortlich sind die gravierenden Auflagen- und Einnahmeverluste in den vergangenen zehn Jahren. Welche Ausmaße dieser Prozess im Abo-Zeitungsmarkt bereits angenommen hat und welche Regionen besonders betroffen sind, enthüllen nun aktuelle Deutschlandkarten, die das Leibniz-Institut für Länderkunde im Internetportal Nationalatlas präsentiert.

Die Verkaufsauflagen der deutschen Tageszeitungen sind nach Angaben des Instituts seit 1999 um rund ein Fünftel gesunken. Gleichzeitig brachen die Anzeigen– und Werbeeinnahmen ein, sodass viele Verlage ihre Redaktionen verkleinern und zusammenlegen mussten, um rentabel zu bleiben. Die Auflagenentwicklung und die räumlichen Verflechtungen der deutschen Abo-Tageszeitungen werden auf den jetzt im Internet verfügbaren Karten und Grafiken des Leibniz-Instituts für Länderkunde erstmalig visuell erkennbar.

Es zeigt sich, dass besonders viele ostdeutsche Tageszeitungen von hohen Auflageverlusten betroffen sind. Auch beim Vergleich der Marktstrukturen werden wesentliche Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland deutlich, die ein Erbe der stark divergierenden Zeitungslandschaften in der DDR und der Bundesrepublik sind. Während im Osten nach wie vor wenige Zeitungen mit vergleichsweise großen Verbreitungsregionen den Markt dominieren, teilen sich im Westen viele kleinere, meist miteinander verflochtene Verlage eine Region.

Doch auch die kleinen Lokalblätter verschwinden zusehends vom Markt oder gehen in größeren Zeitungen auf. Es fehlt entweder am Geld oder an der Zeit, um Zeitung zu konsumieren: Vor dem Hintergrund von Langzeitarbeitslosigkeit auf der einen Seite und hoher beruflicher Mobilität auf der anderen Seite wollen sich immer weniger Menschen ein Zeitungsabonnement leisten.

Das Interesse der Leser wie Anzeigenkunden verlagert sich zudem immer stärker von den gedruckten Medien auf den Online-Markt. Den Verlagen gehen so nicht nur Vertriebs-, sondern auch Werbeeinnahmen verloren.

„Fast alle Zeitungen in Deutschland haben in der Vergangenheit große finanzielle Einbußen hinnehmen müssen, von einem Zeitungssterben kann aber dennoch nicht die Rede sein“, sagt Volker Bode, der die Internetseite Nationalatlas, auf der die Karten zu finden sind, verantwortet. Der überwiegende Teil der Tagespresse trotze der Krise – und sei es mit Hilfe von Entlassungen, redaktionellen Kooperationen oder Fusionen, so Bode weiter. Die Einsparmaßnahmen der Tageszeitungen dürften sich seiner Meinung nach aber negativ auf die Qualität auswirken.

Das Kartenmaterial ist hier für jederman einsehbar.

(Leibniz-Institut für Länderkunde/ml)